Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

Seite: 36
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paßten. Deßhalb besprach ich nnch mit
dem Verfertiger derselben, Bildhauer
Schnell jr. in Ravensburg mtb er erklärte
sich bereit, dieselben 51t einem, anständigen
Preis wieder Herrichten und verschönern
zu wollen. ZunächH wurden also die
Seitenaltäre abgebrochen und dem Künstler
übergeben. Dabei zeigte sich, daß der
Unterbau derselben eigentlich ein formloser
Schutthaufen war, ohne Altarstein, bloß
mit eingelegtem Portatile. Deßhalb ließ
ich diesen Schutthaufen wegräumen und
einen Altartisch aufmauern mit zwei Seiten-
imtuent aus Backsteinen und einer Platte
aus Beton in der ganzen Altartiese und
Breite, in welcher eine Oessnung zum Ein-
lassen des Portatile gelassen wurde. Die
Platte erhielt ein vorspringendes Profil.
Der Raum unter der Platte, zwischen den
Seitenmauern der Altarmensa, blieb hohl
und frei und wurde zur Unterbringung
einer Krippe und eines hl. Grabes be-
stimmt, die, mit Doppelthüren verschließbar,
hier einen ganz geeigneten Ort gesunden
haben und sich ganz gut ausnehmen. Der
Oberbau der Seitenaltäre wurde etwas
verändert; in den einen kaut eine sehr
schöne, neugefaßte, spätgothische Madonna,
in den andern ein aus einer etwas un-
förmlichen Figur rectifizirter hl. Columban
als Kirchenpatron luib neben ihn der hl.
Joseph und der hl. Wendelinns. Alle
anderen Figuren nmrden ebenfalls neu
gefaßt und auch die Kanzel erhielt in ähn-
licher Weise eine Erneuerung und Ver-
schönerung.

Ein Jahr nach beut Thurmban konnte
man darangehm, beut oberen Th eil der
Kirchenwände ein besseres Gewand zu
geben. Der Pfarrer entwarf Plan und
Zeichttttng und wählte einen bescheidenen
Maler aus beut Burnegg, Fidelis Rach-
baur von Emmelhosen, der mit seinen
Söhnen die Malerei urtb Vergoldung treff-
lich ausführte. Namentlich ist den Malern
der Chorbogett gttt geltmgen, welchen die
Symbole der sieben Sakrantente in roma-
nischent Rankettwerk auf Goldgrund zieren.
Die Wättde tvurden durch Bogenstellungen
auf rontanischen Säulen gegliedert, in den
Zwickeln der Bögen wurden Medaillons
mit Monogramuteit uttd Wappen attge-
brachl. Das Deckettbild uttd die Decke
wurde bis aus Weiteres uttberührt gelassen.

Wiederum ein Jahr darnach erhielt
auch der Ehor uttd der Hochaltar eine
Erneuerung. Der Drehtabernakel wurde in
einen Expositionstabernakel mit zwei schön
geschnitzten Thürchen verwandelt, zwei als
die reinsten Rauchfänge dienende Seiten-
baldachine tvurden weggelassen ttttd an
ihre Stelle Vorhänge in kirchlichen Farben
angebracht, die sich gattz gut ansnehtnen.
Die Chorwände erhielten eilte Teppich-
bemalung. Die Statuen des Altar's
wurden ebenfalls neu gefaßt. So wurde
das Alte erneuert und erhielt die Kirche
ein ganz anderes Aussehen, ettvas ntodern,
aber dies koutmt daher, daß von der
älteren Einrichtung vor dem Neubau der
60er Jahre gar nichts mehr zu sehen ist.
Mit Vergnügen hätte der Pfarrer etwaige
Barock- oder Zopsaltäre, weint sie einiger-
ntaßett anständig gewesen, beibehallen und
dieselben sogar neu erglänzen lassen.

9. Franken Hosen bei Ehingen.

Vom Vorstand des Diözesankunstvereins
wurde dem Verfasser alsbald eine weitere
Kirche zur Leitung der Erneuerungs- und
Verschönerungsarbeiten zngewiesen, die er,
einem guten Freunde zit lieb, zwar gerne,
aber mit Mißtrauen gegen sich selbst an-
nahm. Es war Frankenhofen aus der
Ehinger Alb gelegen. Eilt altes Gottes-
haus schaut dort von beherrschender Höhe
auf die Dorf- und Lattdschaft herab. Jahr-
hunderte hindurch war Kirche und Dorf
int Besitz des reichen Klosters Salem.
Unter bent Krummstab ward sonst nicht
schlecht gebaut und die Salmannsweiler
Cistercienser haben ein herrliches Denkmal
hinterlassen in ihrem großartigen Münster
51t Saleut, vor dessen Pracht sogar die
Bauwuth des vorigen Jahrhunderts Halt
gentacht hat, tvenn sie es auch nicht ver-
winden konnte, wenigstetts int Innern durch
die allerdings bewunderungstvürdig feinen
Altäre ein Andenken ztt hinterlassen. Auch
ans der fernen und rauhen schwäbischen
Alb hat das Kloster für die Kirche gesorgt,
nicht so prächtig, aber solid. Es ist eilt
fester, mauernntgürteter Batt aus der Höhe
mit altem Satteldachthurm und gewölbtem
Chor mit gewölbter Sakristei. Allein seit
der Klosteraushebung und int Lause der
Zeit ist die innere Einrichtung vergangen
uttd der Anblick des Gotteshauses war
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