Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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weniger lieblich geworden. Deßhalb gieng
der energische Pfarrherr daran, der alten,
hl. IStätte wieder neuen Glanz zn ver-
schaffen.

Entfernt mußte hiebei werden der Hoch-
altar, ein eckiges und klotziges Schreiner-
gebilde der Zopfzeit, das entweder nie
etlvas von der sonstigen Grazie jener Zeit
besessen hatte oder aller graziösen Zuthaten
liub Ornamente in einer nüchternen Zeit
beraubt und häßlich grau angestrichen war.
Es fand sich ein frommer Stifter für einen
neuen Hochaltar und die Fertigung eines
solchen wurde A. Kleß jr. in Zwiefalten
übertragen nach eitlem den Andeicknugen
und Abänderungen des Verfassers ent-
sprechenden Entwurf. Gut Ding braucht
lang Weil, hieß es aber jetzt und so wurde
alsbald die Bemalung des Chors iiixb die
Einsetzung von neuen Fenstern in Angriff
genonnnen. Die Malerei übernahm T r a ub
jr. von Zwiefalten intb führte sie in den
feinen Formet: italienischer Renaissance
durch, zit einen: sehr mäßige:: Preis (460
Mark für den Chor und 500 Mark für
das Schiff). Die Fettster lieferte Krauß
rwtt Zwiefalten, ein bescheidener aber tüch-
tiger tltid fleißiger Meister. Die Fenster
haben farbige Bordüre::, drei davon Me-
daillons. Die Nebenaltäre nub die Kanzel
wurden beiaffen, doch erhielten jene neue
Antipetidien nnb diese einen neuen Schall-
deckel non Binder in Ehingen nnb beide
wurden neu gefaßt, so daß sie harmottisch
zusammenstimmei:. Eilte Neufassung er-
hielt auch Orgel titid Emporebrüstiuig.
Eitlen reich geschnitzten Chorabschluß, zu-
gleich Kotitmunionbank in Eichenholz lie-
ferte ebenfalls Kleß. Die Kro::e des
Gattzen aber bildet der neue Hochaltar.
Es ist eilt dreitheiliger Ausbau, zieinlich
streng gegliedert. Die Mitte lutsche bildet
eigetttlich nur den Hi::tergrund für den
freistehend behandelten Taberttakelbau mit
offenen: thronus. Der Tabernakel tritt
kräftig ntld doch zierlich hervor, er hat
viel Vergoldung, die abschließende Kuppel
trägt bei: Pelikan, darüber erblickt man
in: Tympanon der Altartnitteltiische das
Medaillonsbrustbild Gott Vaters. Ein
kräftig vortretendes Gebälk schließt diese
Mittelnische horizontal ab. Ursprünglich
war über demselben eine Kreuzigungsgruppe
beabsichtigt, es wurde aber davon aus

verschiedene:: Grütlden abgegangen und
eine wettere Nische mit den: Bilde des
Kirchenpatrons, des hl. Georg aufgesetzt,
flankirt von Ztvei Engelei:: mit Spruch-
bändern. Der Altar hat dadurch nicht
gewotnien, aber es stört auch nicht. Die
Krenzigtttlgsgrtippe faitb einen ändert:
Platz. Neben der Mittelnische, die den
Hintergrund des Tabernakelbaues bildet,
gliedern sich zwei mit Frontispiz und
Kuppel abgeschlossene Seitennischen an, mit
beit Statuen des hl. Bartholomäus nnb
des hl. Johannes des Evangelisten. Die
Seiten sind gerade herablaufend bis zur
Leuchterbank. Dadurch erhielt der Altar
ein etwas strenges Gepräge, paßt sich aber
damit den: Chorschluß ganz gut an. Das
Antependiun: enthält im Mittelfeld ein Re-
lief, das vorbildliche Manna. Der Altar
ist in Eichenholz ausgeführt nnb kau: auf
3200 Mark zu stehen. Der Preis ist
keineswegs hoch, die Ausführung gilt nnb
gediegen.

Der Chor erhielt alsbald auch einen
neuen Bodenbelag mit Sinzigerplättchen;
auch die Sakristei erfuhr eine nothwendige
Verschönerung nnb praktische Einrichtung
mit einem Ankleidetisch und Kasten. Ein
alter Parainentenkasten in der Sakristei
ist bemerkenswerth, ebenso in der Kirche
ein St. Annabild, spätgothisch. Das frühere
Altarbild schmückt jetzt die sonst leere
Fläche der Thnrmwand. So wurde diese
Kirche mit einen: Gesammtkostenaufwand
von ca. 6000 Mark aus einem trällernden
in eilt freudig stimtnendes und erhebendes
Gotteshaus umgeschaffen. Die heitere
Art der italienischen Renaiffanceornamentik
hat auch auf der rauhett schwäbischen Alb
eitlen sreundlicheit Eindruck hinterlaffen,
beit auch die ernsten Albbewohner eu:-
pfinden.

10. Oberzell bei Ravensburg.

In meiner tlmnittelbare:: Nähe, in dem
ehemals Kloster Weifsenauischeit Pfarrdorf
Oberzell wurde mir eine Art Ober-
aufsicht über eine Renovation der dortigeil
Kirche übertragen. Kunstinaler Hans
Martin aus München hatte bereits einen
Plan für diese Rei:ovatioi: entworfen uitb
derselbe wurde wohl mit bekannter Meister-
schaft durchgeführt, dabei aber des Ver-
fassers Wünsche und Desiderien nicht be-
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