Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

Seite: 38
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achtet. Es hat keinen Zweck, nachträglich
darüber sich 51t beklagen, zumal das Werk
trotzdem, als im Ganzerl wohlgelungen,
bezeichnet werden kann irr feiner Art. Es
ist dies eure einfache, aber stilgerechte Zops-
orrrarirentik in zrrrrreist chocoladefarbigen
Tonerr. Die Decke des Langhauses rvar
bemalt mit Sceueu aus dem Leberr des
hl. Täufers Johanrres, an den Seiten-
würrderr fanden sich irr Manerblenden die
Bilder der zwölf Apostel, alles in flottem,
aber ziemlich derbern Zopfgeschnrack. Diese
Bilder insgesarnmt, sowie ein älteres Bild
arrr Chorplafond, die Uegiua coeli dar-
stellerrd, frischte ein bekannter Sohn Ober-
zells, Gebhard Fugel, wieder auf und
so sehen wir ein getreues Bild einer be-
fcheidenen Zopfkirche vor uns. Auch der
Hochaltar ist ganz dementsprechend ge-
halten, rrrrr schade, daß er schon früher
marrcher Zieratherr beraubt wurde, die
man darnals als überflüssige rrrrd aus-
gelassene Zuthaterr betrachtete, rrrrd daß
zwei rornarrisch-gothische, rnoderrre, gemalte
Fenster ihn flankiren und beleuchten.

Eine neue Zierde dieses Altars aber
bildet eirr neuer Tabernakel aus dem
Atelier Schlachter irr Ravensbrrrg, der
glücklich beit Formen des Altars angepaßt
ist, reiche Fassung urrd Vergoldung zeigt
nrrd statt des alten Drehtaberrrakels prak-
tisch eingerichtet ist.

Die Seitenaltäre dieser Kirche, eberrsalls
neu aufgefrischt, sind einfache, aber be-
nrerkenswerthe Werke deutscher Renaissance.
Sie starrnnen arrs der St. Jodokskrrche
irr Ravensburg urrd enthalten ganz tüch-
tige Bilder, mit Ausrrahnre des Marien-
bildes, das neueren Datums sein dürste
und zierntich verzeichnet ist. Die andern
Bilder dürsten der Wende des 16. Jahr-
hunderts oder dem. Ansarrg des 17. arr-
gehören.

Auch diese Kirche macht einen Hellen,
freundlichen Eindruck rrnd bildet einen
harrnorrischen Jnnenranm, zunral and) die
Höhenverhältnisse günstige sind. Der Ver-
fasser hätte eine Ornamentik im. Stile der
Nebenaltäre rrnd der Kanzel gewünscht,
allein die Ausführung int Zopsgeschmack
bot ihm eirre Vorstudie für die Drrrch-
führung einer Restauration irr derrrselberr
^til bei zwei, bald daraus seiner Begrrt-
achturrg rrrrd Beratirng anheirngegebenen

Kirchen, so daß er sich daran gewöhnen
mußte, auch dem Zopfe rrrrd Roccoco Ge-
schmack abzugewinnen. Urrd das hatte
sein Gutes.

A l a r i a n i sch e S\ 1 n b 01 e.

Veit r a g z rr r ch r i st l i ch e rr I k 0 rr 0 -
g r a p h i e.

Von Pfr. Reiter in Vollmaringen.

Unter verschiedenen alten Papieren fand
ich rrenlich ein halb vergilbtes, jedenfalls
über hurrdert Jahre altes Blatt, welches
ursprürrglich wohl für einen Maler be-
stimmt war rrrrd ihm Anleiturug geben
sollte, wie er einzelrre Ereignisse und Ge-
heintrrisse ans dem Leben Mariens sprrr-
bolisch darzrrstellerr habe. Irrt folgenden
feien diese Anweisungen nahezu wortgetreu
wiedergegeben urrd mit einigen Zusätzerr
begleitet.

1. „Oberschrist irr derrr fliegenden Zedel
(Spruchband?):

Votum oi'tu recreat orbern.

Auf derrr schilt rvirt gernahlen ein garten,
ein lusthaus, etliche vögel in der tust,
etliche thier arrs erden, fisch unten tat
wasser, sornernlich aber die Sorirre irr
ihrer rrrorgenröte mit schönen stralen, wie
sie kaurn über die erde siehet.

Unterschrift in derrr fliegerrderr Zedel:

B. Virgini Natae."

Atariä Geburt, lieber derrr ent-
worfenen Bilde ruht ein Schirnnrer von
derr Worten: „Wer ist die, welche her-
vortritt airsglänzend rvie Morgenrots), schön
wie der Atond, auserlesen rvie die Sorine?"
Hohel. 6, 9.

2. „Bepschrift irr derrr oberen Zedel:

Maternae nil labis habet.

Irr derrr schilt wirt gemahlen etwas
vonr rneer, das gestatt, sürrrehmlich ein
perlenmuschel liegerrd arrs derrr fand, irr
der tust aber ober der muschel ein Hand,
welche das perl eirr in derr fingern zeigt.

Unterschrift irr derrr unteren Zedel:

B. Virgini Immaculatae."

Mariä Errrpsärrgrriß (irrr aktiven
Sirrrr). Von der Perle sagten die Alterr,
daß sie durch derr Tlran vorrr Hirnmel
errtstehe, welchen die Atnschel, aus derrr
Ateere ernporsteigerrd und über der Ober-
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