Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

Seite: 42
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Objekte des Handels und Gebilde der Kunst fanden
damals bei denPrämonstratensern von SorethAbsatz.

Zu den stellenweise über 20 Fuß tiefen Fun-
damenten wurde Gletschergeschiebe, aus Granit
oder Gneis (Alpenkalk) bestehende sog. r a u h e
Steine verwendet. Sie wurden anfänglich
aus dem Schussenrieder Gemeindebezirk und den
Klosterpfarreien bezogen. Es war aber eine solche
Menge von Findlingen (erratischen Blöcken) zu
den über einen Meter breiten Grundmauern er-
forderlich, daß man sogar in fremden Herrschafts-
gebieten sich um dieses Baumaterial Umsehen
mußte. Ungemein große Mühe verursachte die
Grundlegung des die nordöstliche Ecke (gegen das
jetzige Brauhaus hin) bildenden zweiten Pavil-
lons. An dieser Stelle stieß man beim Graben
auf zahlreiche Quellen. Allmählig vermochte man
jedoch das andringende Wasser durch viele kleine
Abzugsrohren in die Hauptdohle zu leiten, deren
Reste erst im Herbste 1894 wieder beseitigt wor-
den sind. Als dann jedoch gewaltige Steine in
des Fundament gesenkt wurden, war dies von so
guten: Erfolg, daß man weder einen Rost legen,
noch Pfähle schlagen mußte. H Aehnliche Hinder-
nisse stellten sich dem Legen der Fundamente in
südlicher Richtung entgegen. Wo nemlich das
neue Kapitel und dessen Stiege errichtet werden
sollte, stieß man auf einen Ungrund und Morast
von gegen 60 Schuh Ausdehnung. Man be-
fürchtete Anfangs, ohne Rostlegen und Pfühle-
schlagen die Schwierigkeiten nicht überwinden zu
können. Allein Meister Emele lies; an der ge-
fährlichen Baustelle Steinblöcke auf einander legen,
bis das seichte Terrain völlig ausgefüllt war.
Die Grundmauer kan: hier in eine Tiefe von 19
bis 21 Fuß zu liegen. Trotzdem war man ganz
und gar nicht ohne Sorgen wegen des Gebäude-
theiles, welcher an diesen schwierigen Punkt zu
stehen kam; man hielt spätere gefahrvolle Senk-
ungen der Wände für möglich. Die Befürchtungen
wuchsen, als der Bauleiter den Grund mit einer
eisernen Stange sondirte und diese mit einer
Hand ganz leicht neben dei: bereits gelegten Fun-
damenten noch mannstief weiter hinuntertreiben
konnte. Es traten jedoch nachher auch an dieser
Parthie des Gebäudes nirgends Risse in den Wän-
den oder ein Weichen der Grundmauern zu Tage.^)
Im Januar 1752 hat man mit dem Steinans-
heben fortgefahren und schon um diese frühe Zeit
des Jahres enorme Massen von Steinmaterial
aufgehäuft.* 2 3) Anno 1755 wurden namentlich in
Winterstettenstadt und Jngoldingen Steine ge-
sprengt. Weil diese Gemeinden aber nicht zum
Schussenrieder Klostergebiet gehörten, so hatte
man zuvor bei beit fremden Herrschaften, welchen
diese Orte unterstellt waren, um Erlaubniß nach-
gesucht. 4) (Fortsetzung folgt.)

Literatur.

Tic Glasmalerei von I)r. H. Oidtinann.
II. Theil: Die Geschichte der Glas-
m (tleret. I. Band: Die Frühzeit bis zum

>) D. N. Seite 344.

2) D. N. Seite 429.

3) D. N. Seite 312.

4) D. N. Seite 435,

Jahre 1400. Verlag und Druck von
I. P. Bachem in Köln 1898. 308 Z. 8".
Preis M. 7.50.

Schon im Dezember 1892 ist der I. Theil dieses
Wertes „Tie Technik der Glasmalerei" erschienen
(mit 2 Tafeln und 48 Textbildern, Preis M. 2.50).
Der Verfasser behandelt in demselben auf 66 Seiten
in allgemein verständlicher Weise die verschiedenen
Arten der Glaser, Kunstverglasung und Glas-
malerei und giebt eine Beschreibung der alten
Technik nach der Schrift des Mönches Theophilns.
Darauf führt er uns in die Glasmalerwerlstätte
und läßt uns die Fertigung eines Fensters
schauen, angefangen von der Anfertigung der
Skizze und des Cartons bis zu dessen Einsetzung
in der Kirche. Das in den beiden Tafeln am
Schluß gegebene „Malerwerkzeug und Eisenwerk
für Kirchenfenster" wäre besser im Text an dem
betreffenden Orte eingeschaltet worden, die „48 Text-
bilder", die aus andern Werken, aber zum Theil
mangelhaft reproduzirt sind und auch zu dem
Texte meistens in gar keiner Beziehung stehen,
hätten dann füglich wegbleiben können.

Der vorliegende ll. Theil des Wertes gibt,
wie obige Ankündigung besagt, mehr das Histo-
rische der Glasmalerei, und zwar bloß die Früh-
zeit bis zum Jahre 1400. Diese Begrenzung
der ersten Periode ist, wie der Verfasser selbst
sagt, eine willkürliche. „Das Jahr 1400 wurde
einzig und allein der besseren Uebersicht halber
angenommen. Die früher beliebte, mit dem
Auftreten des Knnstgelb begründete Eintheilung
ist nicht mehr zutreffend und deshalb unhaltbar
geworden; immerhin aber ist nicht zu verkennen,
daß das Silbergelb erst gegen Ende des 14. Jahr-
hunderts den Glanz vollendeter Technik aufweist.
Ebenso irrig ist die vielverbreitete Meinung, als
ob nun mit dem Beginn des 15. Jahrhunderts
besondere technische Neuerungen eingeführt worden
seien. Die künstlerische Entwicklung war eine so
allmählige, daß sich auch damit eine feste, zeit-
liche Abgrenzung nicht rechtfertigen läßt." Der
Verfasser sucht zuerst nach der Entstehungszeit
der Glasmalerei und findet diese in jener Periode
der deutschen Geschichte, da wir in der Kultur-
geschichte die Namenvon Klöstern wie St. Gallen,
Tegernsee, Fulda, Corvey, Reichenau
u. n. finden, da knnstliebende Bischöfe wie Adel-
bero von Metz, Willigis von Mainz,
R o d b e r t und Egbert von Trier, M e i n -
werk von Paderborn, besonders aber der
kunstsinnige und kunstfertige Bernward von
H i l d e s h e i m in der Pflege der schönen Künste
wetteiferten. „Um diese Zeit des allgemeinen
Wiedererwachens des geistigen Lebens in Deutsch-
land, in der Zeit, als Wand- und Buchmalerei
sich bereits zu großer Blüthe entfaltet hatten, ent-
stand oder entwickelte sich ein neuer Kunstzweig,
die Glasmalere i." Nachdem wir über das
Verhättniß der Malerei zur Baukunst, die Ent-
wickelung und äußere Eintheilung der Fenster-
öffnungen und die Armirung derselben unterrichtet
sind, beantwortet der Verfasser weiter die Frage
nach den frühesten Nachrichten, über durchsichtige
Glasmosaiken, d. h. über die frühesten G l a s -
fenster und findet in Lactantius (ff um 330) den
ersten Schriftsteller, der uns von solchen berichtet.
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