Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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behandelt oder an einer: klugen Sohn
Abrahams mit ein Spottgeld hingegeben
oder einen: Pfuscher zur „Reparatur"
tiberlassen wurde, welcher das Stück dann
vielleicht für inuner verdorben hat! Wie
viele, die es wissen sollten und müßten,
wissen nicht den Unterschied von gegossenem
und gehämmertem, bezw. getriebenen: Me-
1all, vor: sabrikmäßigeri: urid durch Hand-
arbeiter hergestelltem Geräthe; sie wissen
rricht zr: uriterscheiden zwischen Ciseliren
rrrrd Graviren, Treiber: rrnd Prägen. Es
kamen Fälle vor, daß z. B. Feuerver-
goldnng ausdrücklich verlangt wurde, rvo
eirie solche säst urrmöglich ist, daß Email
aus Metallstücken vermißt wurde, wo die
Aribringung unmöglich war, daß über
rrrrreelle Nergoldrrrrg geklagt wurde, wo
dieselbe einfach durch Staub verdeckt war
it. s. w. 11. s. w. Nehmen nur z. B. ver-
schiedene Aletallgeräthe in die Hand, welche
ir: der: 60er urrd 70er Jahrer: noch für
Kirchen beschafft wurden, so muß mar:
mir bedauern, daß manchmal nicht bessere
Berather dabei warer:, so sieht mau aber
auch, daß heute urrsere kirchlicher: Metall-
arbeiter: doch um ein schönes Stück voran-
geschritten silld, obgleich wir rricht sagen
können, daß sie die Höhe ir: allweg er-
reicht Haber:, rvie wir sie für unsere heiligen
Zwecke nach Entwurf urrd Ausführurrg vorn
Kunsthandwerk arrsprecher: müssen und wie
wir sie an eirrer Reihe der alten Gegen-
stände so herrlich repräsentirt sehen.

Es ist r:ur: rricht allzu schwer, ja, für
einer: gebildeten Mann überhaupt nicht
schwer, sich auch ir: dieser: Dingen eine
solche Kenntnis: anzueignen, daß er mit
Verständnis: sprechen urrd urtheilen karrn.
Dies zu verruitteln, sollen die Hieruit be-
ginrrerrder: Artikel geschrieben werden als
eine si)sternatisehe Darstellur:g des
W e s e r: t l i ch e r: s ä rr: rr: t l i ch e r A: e t a l l-
arbeiten urrd -Bearbeitungen,
welche f ü r k i r ch l i ch e Z w e ck e i r: B e-
t r acht ko rr: rr: e ft. Wenn wir dies nnter-
nehmen, so geschieht es nicht nur im Hin-
blick darauf, daß gerade über Metallarbei-
ten es ar: populären, kurzer: r:nd zu-
sammeufassender: Uebersichteu fehlt (nicht
einmal die Sammlung von „Katechismen"
über alle erdenklicher: Techniken, Künste,
Arbeiten, Sports u. s. rv. vor: Weber in
Leipzig hat etwas Derartiges), soridern

unter ausdrücklicher Berufung auf das
oben schon angeführte Programm ir: Rr. 1
des Jahrgangs 1883. Dort heißt es:
„Für Leute von: Fach zr: schreibe::, be-
absichtige:: wir rricht, außer soweit es ihnen
darum zr: thnr: ist, die liturgischen Gesetze
ir: unser:: Anscharlungen keririen zr: lernen!"
.... Hub um „ein halbes, unzusainnren-
hängendes Wissen, das mit falscher: Schlüs-
sen rrrrd Entschlüssen, mit unsicherem Rathen
und Thaten so viel schadet", unmöglich zu
machen, hat das „Archiv" sich vorgenommer::
„ir: der: einzelner: Gebieten ur:d Zweigen der
christlichen Kunst das elementare Wissen so
systematisch als möglich gruudznlegei: und
die Lücken desselben mit fortschreitender
Zeit möglichst zu schließen". Daher soll
„möglichst kompendiös" die betreffende
Materie behandelt werden. Aus diesem
gesunden Boder: stehend möchte:: wir in
der: folgender: Artikel:: Vorgehen.

Wir werden dernnach in nachsteherider
Reihenfolge den Stoff behandeln: 1. Das
Material, welches ir: Frage kommt,
nämlich die verschiedenen Arten der
Metalle, urredle rurd edle, und deren
Mischungen zu neuen ZRetaller: (Legie-
rungen), urtter letzterer: besorrders die
Broncen; sodann die Hanptcharakteristik,
Verwendung und Werthe der Rietalle. 2.
die Bearbeit::::g der verschiedenen Me-
talle zurr: Behuf der Herstellung der For-
mer: einzelner Gegenstände; Guß- urrd
Harumerarbeit; letzteres theils mit der
Hand (Treiben), theils mit der Maschine
(Prägen u. s. rv.). 3. Der Schmuck der
IR et al larbeiter: zur Vollendung der-
selbe::, also die Feinbearbeitung des Gusses,
Ciseliren, Graviren, Poliren, das Fär-
ben mittelst Versilberung, Vergoldung
u. s. rv.; die verschiedenen Arten der-
selben; ferner die Emailfarben rurd ihre
Technik, die Einlegearbeiten (Tanschiereu,
Niello u. s. rv.); das Filigrarr; endlich der
Schmuck drrrch Irnvelierarbeiten; das R'oth-
wendigste über die edler: urid halbedlen
Steine. 4. Die Erhaltung, Reini-
gung ur:d Restauration vor: Rle-
tallgeräthen. 6. Winke für Reu-
anschafsungen. 6. endlich soll eine
kleine Zahl von besonders charakteristischen
Metallwerken kirchlicher Art aus
der: verschiedenen Stilen und nach den
verschiedenen Arten des Kunsthanduwrks,
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