Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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Die Kreuzigungsgruppe ist ein groß- j Karthause [in Klein-Basels Bernhard Botz-
artig herrlicher Entwurf; klar und sym- - heim, haben als ihrem leiblichen Bruder,
metrisch zeigt das erhabene Drama neben

einen: edlen Realismus eine große reli-
giöse Vertiefung in
den Gegenstand und
nian sieht ans den
ersten Blick, daß der-
jenige, derdieseKom-
position entworfen
und gezeichnet hat,
nur ein Künstler von
ganz bedeutenden:

Range sein kann. Die
abgernndeteKompo-
sition, die herrliche
Zeichnung und die
hohe technische Voll-
endung, mit der das
Werk glasmalerisch
ausgeführt wurde,
machen dasselbe zu
einen: Kunstwerke

ersten Ranges.

Ans den: Riittel-
stiick unserer Krenzig-
ungsgrnppe befindet
sich eine Inschrift mit
derJahreszahl1563,
die später als das
Bild selbst ist und
sich nicht ans die An-
fertigung des Glas-
gemäldes bezieht,
sondern ans dessen
Aufstellung in Dt.

Blasien oder in der
Karthanse zu Frei-
bnrg durch den jün-
gern Bernhard von
Botzheim, ch 1592
alsPfalz-Sinuneon-
scher Kanzler. Die
Inschrift lautet:

„Bernhardo Bolz-
hemio ablataeCar-
thüsiae patri Guil-
helmus, Wolfgan-
gus et Conradus,
germano fratri, ac Bernhardus Botz-
hemius j. u. d. (juris utriusque doctor)
patruo hac pias imagines, avitae gentis,
nobilitatis signum et arma posucre anno
1563". (Dem Erpater der aufgehobenen

Wilhelm, Wolfgang und Konrad, sowie
als seinem Oheim [Vaters Bruders Bern-
hardBotzheim,beider
Rechte Doktor, diese
religiösen Genlälde,
welche zugleich ein
Zeichei: des Adels
der Familie sind,
geschenkt und ihre
Wappen beigesetzt,
1563.) Es ist dem-
nach zweifellos, daß
diese Krenzignngs-
grnppe für die Fa-
milie v. Botzhein: aus
Kosten des Kanoni-
kus Johann v. Botz-
hein: in Konstanz,
gestorben 1535, an-
gefertigt worden ist
nndzwarwahrschein-
lieh im Jahre 151-1,
da Hans Holbein d.
I. vo»: Jahre 1513
bis 1514 in: Hanse
(BotzheiinerHof)des
Domherri: Botzhein:
gewohnt hat. Rach
den: Tode des Kano-
nikus haben seine
Brüder über dieses
Glasgenuilde in der
Weise als Erben ver-
fugt, daß sie einstim-
n:ig dasselbe ihren:
Bruder Bernhard d.
Ae., der in Klein-
Basel Karthänser
war und nach Aus-
hebung dieses Klo-
sters in der Kart-
Hans bei Freiburg
lebte, wo er Prior
wurde und 1538
starb, schenkten. Die
Inschrift, welche die
Schenkung ans-
spricht, hat eben dieser jüngere Doktor Bern-
hard erst 1563 ans den: Glasgenuilde an-
bringen lassen, nachdem er das Wappen des
Domherrn Johann v. Botzhein: entfernen
oder iveiter in dieHöhe geschoben einsetzen ließ.
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