Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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Die versteigerte ehemalige gräflich
Douglas'sche Sammlung alter Glas-
gemälde.

Vo>r Pfr. Detzel.

(Fortsetzung.)

2. Zur zweiten Serie ltnferer Santmliuuj
rechnen wir eine Madonna mit dem Kinde
und, nach Größe xtitb Anordnung zu
schließen, ihr Gegenstück, St. Christo-
phorus. Den gleichen Knrtonzeichner, wie
auch die gleiche glasmalerische Behand-
lung zeigt ein St. Wolfgang, dessen Pen-
dant aber fehlt.

Die heilige Jungfrau rnit dem
Kinde, das die Rechte segnend erhebt
ltitb in der Linken die Weltkugel trägt,
hat blaues Ober- und rothes Untergewand.
Sie steht auf der Mondsichel ititb ist mit
flammender Mandorla umgeben, auch
trägt sie als regina coelorum die Krone
und hält in der Linken ein spätgothisches
Scepter. Die Zeichnung ist fein ititb die
ganze Auffassung des Gegenstandes eine
ideale, hochfeierliche. Um die ganze Figilr
läuft eilt Spruchband ntit dem Vers:

6is preciUuL plaeata meis castissima virgo,
Ultima quum veniet judicis illa dies!

Oben sieht man miniaturartig sein ge-
zeichnet die allegorische Darstellung oon
„Mariä Verkündigung"; die heilige Jung-
frau ist sitzend dargestellt, und ein Ein-
horn flüchtet sich in ihren Schoß; ein
stehender Engel bläst ans einem Jagd-
horn und führt zwei Hunde mit sich.
Diese vorzüglich erhaltene Tafel mit der
hl. Jungfrau, 74 cm hoch und 54 cm
breit, ist zwar ein Kabinetsstück ersten
Ranges, zeigt aber doch in der glasmale-
rischen Behandlung nicht den gleich hoch-
stehenden Meister, wie der oben genannte
Schmerzensmann. Das Stück kam bei
der Versteigerung in den Besitz des Kunst-
händlers Bourgeois in Köln um den
Preis von 7050 Mark.

Der heilige C h r i st o p h o r u s, mit
einem gewaltigen Stock in den Händen,
durchschreitet ein Gewässer und trägt das
Christuskind aus seiner linken Schulter,
um welches ein rother Königsmantel flattert
und das mit den Händen die Weltkugel
auf dem Haupte des Heiligen hält. Letz-
terer ist mit einem grünen Wamse mit
weiten Aermeln in der Tracht der Lands-

knechte bekleidet, hat aber auch den quer
gestreiften Ritterrock an, wie solcher bei
den Turniren über der Rüstung getragen
wurde. Seiner Kleidung nach repräsentirt
er sonach den Bauern wie den Edelmann.
Er zeigt einen sehr guten, porträtartig
gezeichneten Kopf und die ganze Gestalt
— die Scheibe ist 81 cm hoch und 53 cm
breit — vollständig erhalten mit Aus-
nahme von einem eingesetzten Armstück
und einigen Flickscheiben in der Land-
schaft. Das Bild kam in das H i st o r i s ch e
M u s e um in B a s e l um den Preis von
6500 Mark.

Die Zeichnung zu diesen beiden Bildern
ist flott, Faltenwurf, Fleischparthieen und
Hnartheile sind von hoher künstlerischer
Vollendung und es ist deshalb zweifellos,
daß die Kartons zu denselben aus Hol-
bein d. I. znrücksühren. Sie gehören
wohl der Blüthezeit des Meisters in
Basel an (1525—1526). Die Legende
auf den Spruchbändern weist ans Johann
von Botzheim als Verfasser hin, was eben-
falls für Holbein spricht. Aller Wahr-
scheinlichkeit nach, wie Hone (Katal. S. 7)
meint, waren die Fenster in eben derselben
Prioren-Kapelle der Karthause in Klein-
Basel.

Der heilige Wolfgang mit rothem
Pluviale und grüner Dalmatika hält in
der Rechten das Modell einer gothischen
Kirche und in der Linken den Hirtenstab
sammt einem Beil, seinem Attribute;
seine Mitra ist weiß und gelb mit reicher
Ornamentirnng. Er steht fast ganz en
face vor einem reichen landschaftlichen
Hintergründe, der mit größter Sorgfalt
nach Art der Schweizer Scheiben treff-
lich ansgearbeitet ist. Die Höhe des
Feldes dieser Scheibe beträgt 137, die
Breite 53 Centimeter, die Figurengröße
sammt der Mitra des Heiligen einen Nieter.
Der Hirtenstab des Heiligen ist eine feine
und sehr delikat gezeichnete Arbeit und
zeigt in der Krümmung eine zierliche, reiz-
voll ansgeführte Madonna mit dem Kinde.
Unten kniet der Stifter des Bildes Mo-
rand von Brunn mit dem vom Brnnn-
fchen Wappenschild und Helmzier; von ihm
geht ein Spruchband aus mit den Worten:
Lanctus Wolfgangus Ora pro nobis; ein
zweites Spruchband unterhalb des Wappens
hat die Worte: Morand von brunn. Die
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