Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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Heimat dieses Stifters ist die Stadt Basel,
wo die Familie Von Brunn oder Vonl
Brunn noch heute eristirt. Das Bene-
diktinerkloster St. Morand, von welchem
Heiligen von Brunn seinen Taufnamen hat,
lag bei Altkirch in Elsaß (Sundgau). Das
Gegenstück zu dieser
Figur ist verloren
gegangen; es stellte
wahrscheinlich eine
heilige Frau dar mit
der unten knieenden
Gestalt der Ehefrau
oder Mutter des
Morand von Brunn.

Da der letztere, dessen
Nichte an den Maler
Arsus Graf von So-
lothurn verheiratet
war, als eilt sehr
reicher Mann be-
kannt war, so darf
man annehmen, daß
er bei feinem mittel-
mäßigen Künstler
Glasgemälde ma-
chen ließ. Auch wir
sind daher der An-
sicht, daß die Kar-
tone auch dieser
Scheiben Holbein
den Jüngeren
zunr Zeichner haben.

Die zart behandelten
Fleischtheile auch in
dieser Scheibe, die
Darstellung des Do-
nators, welche, mi-
niaturartig fein be-
handelt, beweist, daß
der Künstler auf den
Ruf eines Porträt-
malers erster Güte
Anspruch hat und der
herrlich detaillirt ge-
zeichnete Faltenwurf,
lassen nur auf einen
Künstler ersten
Ranges schließen. Das Bild kam ins
H i st 0 r i s ch e M u s e u m nach Basel um
den Preis von 7900 Mark.

Was die glasmalerische Technik dieser
drei Stücke anlangt, so ist sie im Allge-
meinen die gleiche wie die der vorigen

Serie, nur finden wir hier, besonders in
dem Madonnabilde, eine noch feinere Ver-
wendung des Silbergelbes, welches hier

besonders für Haare, Geschmeide it. dgl.

auf weißem Glase als prachtvolles Pig-
ment erscheint. Es ging aber hier der
Meister noch weiter,
indem er an seinen
Malereien sogar ben
Versuch zeigt, eigent-
liche Transparent-
farben, wie Grün,
Roth und Blau anf-

geschmolzen zu ver-
wenden. Eine hier

einzigartig technische
Erscheinung nenckich
gegenüber allen an-
dern Figuren bildet
die glasmalerische
Behandlung des
Untergewandes oder
Turnirrockes beim,
heiligen Ehristopho-
rus: man sieht hier
außer gelben, durch
Silbergelb herge-
stellten Streifen auch
solche von rother
und blauer Farbe,
welche hier eigen-
thlimlieher Weise
durch Schnmlz-
farben anfgetra-
geu sind, ivas na-
nrentlich bezüglich
des Rüth merkwür-
digist, t>as nlan auch
später, bei der so-
genannten Kabinets-
Glasuralerei, sonst
liberall nur als
Ueberfangglas ange-
wendet findet. Es
sind diese Probeil
allerdings nur schnch-
terne Versuche zu
nennen, da sie nur
an kleinen untergeordneten Stellen An-
wendung finden, aber doch sind diese
Versuche wohl 51t den allerältesten zu zählen,
welche DeMschland in der Glasnralerei
aufzuweisen hat.

3. Die folgenden drei Feilster, eine
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