Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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Literatur.

Tie Katholische Kirche unserer Zeit und
ihre Diener in Wort und Bild.
Herausgegeben von der Leo-Gesell-
schaft in Wien. Berlin, Allgemeine
Verlagsgesellschast m. b. H.

Leit unserer ersten Anzeige obigen Pracht-
werkes („Archiv" Nr. 1 d. I.) ist dasselbe schon
bis zum 15. .'öefte gediehen, wodurch das Werk
schon zur Hälfte vollendet ist. Das 3. Heft
schließt die biographische Studie über Leo XIII.
ab mit einer interessanten Darstellung der Per-
sönlichkeit, des Charakters und der Lebensweise
des greisen Papstes, der mit der Würde seines
Amtes die anspruchsloseste ascetische Einfachheit
verbindet. Der Rektor des Campo santo, Msgr.
de Waal, schildert sodann zur Einleitung der
Darstellung des Pontifikates Leo's Xlll. in klarer,
kurzer Weise die Weltlage beim Tode Pius IX.
und stellt darin die Pontifikate Pius IX. und
Leo's XIII. in wirksame Parallele. Zuletzt be-
ginnt in diesem Hefte die gründliche und geist-
volle Abhandlung des Prälaten Dr. Schindler in
Wien über „Leo XIII. m seinen Rundschreiben".
Als Vollbilder finden sich in diesem Hefte die
Photographie der berühinten Mosesstatue von
Michelangelo, die treffliche Photographie des
Wiener Nuntius Kardinal Agliardi und ein
Detailbild, Plato und Aristoteles, aus den Fres-
ken „Tie Schule von Athen" von Raphael.

Das -I. und 5. Heft beschreiben die weitere
Wirksamkeit des jetzigen Papstes bezüglich der
getrennten Kirchen, der Erweiterung der Hier-
archie, der Kunst und Wissenschaft und schildern
zuletzt den wachsenden Einfluß, welchen das 2ln-
fehen des Papstthumes während der zwanzig-
jährigen Regierung Leo's Xlll. in der Welt ge-
wonnen hat. Von größeren bildlichen Dar-
stellungen ist hier vor allem die Reproduktion
des Deckengemäldes von L. Seitz im Saale der
Kandelaber im Vatikan überaus anziehend „der
hl. Thomas legt seine Schriften zu Füßen der
Kirche nieder", deßgleichen das obere Mittelstück
aus dem Fresko: „Die Disputa" von Raphael;
weiterhin finden wir die Wiedergabe des schönen
Bildes „Die Vermählung der hl. Katharina mit
dem Jesuskinde" von Murillo, in der Vati-
kanischen Pinakothek.

Tie Hefte 6—11 behandeln „Die k atho-
lt s ch e Hierarchie", nemlich den Kardinalst
und die Kardinäle, die Patriarchen, Erzbischöfe,
Bischöfe, 2lebte und Prälaten mit bischöflichen
Insignien, zuletzt die Orden und religiösen Ge-
nossenschaften. 2lls Abbildungen find in treff-
lichen Photographien eine Menge Porträts von
Kardinülen und Patriarchen, Erzbischöfen und
römischen Prälaten gegeben, auch viele Kardinals-
und Domkirchen in und außerhalb Roms repro-
duzirt. 2lls Vollbilder erwähnen wir hier „Die
Berufung des Petrus und 2lndreas" von Ghir-
landajo in der Siftina, „Papst Bonifaz VIII.
zwischen zwei Kardinalen und einem Diakon"
von Giotto in der Lateranensischen Basilika, das
sehr schöne Porträt des Kardinal-Staatssekretärs
Rampolla del Tindaro, und verschiedene Porträts
anderer Kardinäle, Erzbischöfe u. s. w., auch viele

Aufnahmen von Städten, Kirchen, Palästen u. s. w.
bergen diese Hefte.

Das vierte Kapitel, vertheilt ans die Hefte lü
und 13, bringt eine Erörterung der p ä p st l i ch e n
Familie; hierunter ist zu verstehen die „große
Anzahl von Geistlichen und Laien, die auf Grund
ihres Amtes und der damit verbundenen aus-
zeichnenden Stellung oder einfach auf Grund be-
stimmter ihnen übertragenen Ehrentitel als zur
näheren Umgebung des Papstes gehörig bezeichnet
werden", wie die Palastkardinäle, Palaftprülaten,
die Kammerherrn geistlichen und weltlichen
Standes. 2lls Illustrationen sind eine Menge
Porträts und als Vollbilder die „Marmor-
statue des hl. Hippolytus" im Lateranensischen
Museum und die „Communion des hl. Hierony-
mus" von Domenichino in der Vatikanischen
Bibliothek beigegeben. Im 5. Kapitel wird von
der „päpstlichen Kapelle" gehandelt; es
sind aber hier jene feierlichen Funktionen ver-
standen, bei denen der Pontifex selbst celebrirt
oder assiftirt, und wobei er von der ganzen hier-
archischen Stufenleiter des Priesterthums, vom
heiligen Kollegium herab bis zur untersten Klasse
der 2lkolythen, beim Opfer des neuen Bundes
umgeben ist. „Die Funktionen selbst werden
demgemäß päpstliche Kapelle genannt, ebenso wie
die Gemeinschaft der pflichtgemäß dabei Erschei-
nenden mit dem Ausdrucke „päpstliche Kapelle"
znsammengefaßt wird."

Die beiden neuesten Hefte endlich, Nr. 14 und
15, enthalten Studien über die päpstliche
P a l a st v e r w a l t u n g, zuerst über die Präfektur
der apostolischen Paläste. Dann folgt aus der
Feder des deutschen Gelehrten Stefan Ehses die
ausführliche Geschichte unb Beschreibung des vati-
kanischen Geheimarchives, welches Leo Xlll. er-
öffnet und wodurch er sich so hohe Verdienste
um die Geschichtswissenschaft erworben hat. Es
folgen die Darstellungen der Geschichte, Entwick-
lung, des Bestandes und der Verwaltung der
vatikanischen Bibliothek und der ihr unterstellten
verschiedenen Sammlungen. Eine umfangreiche
Abhandlung über die vatikanischen Museen und
Gallerten, sowie die Geschichte und Beschreibung
des vatikanischen astronomischen Observatoriums,
dürften gleichfalls die weitesten Kreise interessiren.
Der vielfach ganz neue Bilderschmuck in diesen
Heften führt uns die Räume des 2lrchivs, der
Bibliothek, der Museen und Gallerten im Vati-
kan vor Augen. Von reproduzirten Kunstbildern
nennen wir das Raphael'sche Gemälde „Die
Philosophie" aus den Stanzen des Vatikans, das
Gemälde „Die Gründung der vatikanischen Biblio-
thek" von Melozzo da Forli und das herrliche
Bild von Frau 2lngelico da Fiesole „Die Ma-
donna mit dem Jesuskinde" aus der vatikanischen
Pinakothek. Wir wiederholen, daß wir es hier
mit einem Prachtwerk zu thun haben, mit einem
Werk, das eine Zierde ersten Ranges unserer
katholischen Literatur zu werden verspricht.

D e tz e l.

Tie Technik der Telmalerei von Ludwig
Hans Fischer. Mit 24 Textillustra-
tionen, 4 Illustrationen in Farbendruck,
2 Farbenproben- und 1 Leinwandmuster-
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