Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

Seite: 68
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tafel. Wien, Druck und Verlag von
Karl Gerold's Sohn. 118 S. Preis:

M. 7.20.

Bevor der Verfasser auf sein eigentliches Thema
kommt, gibt er zuerst eine kurze Vorgeschichte und
Geschichte der Oelmalerei bei den Aegyptern,
Griechen und Römern, bespricht dann die Tem-
pera- und Freskomalerei. Letztere, „eine fast
ausschließlich italienische Kunst, stand zu Giottos,
Mantegnas und Botticellis Zeiten in besonderer
Blüthe, artete aber später geradezu m Virtuosen-
thum aus. Sie fand auch im übrigen Europa
Eingang, wurde aber zumeist durch italienische
Künstler ausgeübt. Die Freskotechnik diente
hauptsächlich zur dekorativen Ausschmückung großer
Räume, in Kirchen, Palästen rc. Heute sei sie
fast gänzlich außer Gebrauch, und da sie eine
enorme Gewandtheit erfordert, so finden sich auch
kaum mehr Künstler, welche einer solchen Auf-
gabe Herr werden".

Nach einigen Bemerkungen über die Farben-
lehre führt der Verfasser die Farben auf, welche
heutzutage hauptsächlich in den Handel kom-
men, gibt die bedeutendsten Fabriken an, in
welchen sie hergestellt werden und handelt dann
von den Malutensilien. Interessant war uns hier,
was er über die Malbretter sagt: „Die alten
Meister bis zum 15. Jahrhundert malten durch-
weg auf Holz. Dieses Material ist auch für
kleinere Bilder das beste und angenehmste. Die
Italiener des 15. und 16. Jahrhunderts malten
zumeist auf Pappelholz, seltener auf Kastanien-,
Pinien- und Nußholz. Die Niederländer, die
Niederdeutschen und Franzosen verivendeten vor-
züglich Eichenholz, die Oberdeutschen Linde und
Rothbuche, seltener Tanne, Fichte oder Erle.
Holbein's Darmftädter Madonna ist auf Tannen-
holz gemalt. Dürer, Hans v. Kulmbach und
Penez bevorzugten das Lindenholz, doch inalte
Dürer in den Niederlanden auch auf Eichenholz.
Lucas Cranach d. Ae. benützte meist Rothbuche.
Mahagoniholz wurde erst im 17. Jahrhundert
eingeführt (Rembrandt). Man kann also auf
Bretter aller Holzarten malen, nur müssen sie
astfrei und ganz trocken sein, und ich habe
selbst vor acht Jahren einen Kreuzweg auf Tannen-
holz malen lassen, der bisher ohne allen und
jeden Sprung ist und so frisch in der Farbe
wirkt, als wäre er erst heute fertiggestellt worden.
Die Gefahr des Springens und Werfens läßt
sich durch Verspreizung an der Rückwand beheben.
Gegen Wurmstichigkeit des Holzes läßt sich dadurch
begegnen, daß die Querhölzer, die an der Rück-
seite angebracht werden müssen, mit einer Beize
eingelassen werden oder einfach die ganze Rück-
seite stark mit Oelfarbe angestrichen werde.
Bretter, welche die Größe von 30 cm über-
schreiten, sollen immer an der Rückwand init
Querleisten (Rost) verspreizt werden und sollen
diese Leisten stark, in das Holz verzapft und nicht
aufgeleimt sein, so daß dem Brette freie Be-
wegung bei Temperatur- und Feuchtigkeitsdiffe-
renzen gestattet ist.

Erst auf S. 60 kommt dann der Verfasser
auf sein eigentliches Thema „Die Technik der
Oelmalerei" zu sprechen, welches Thema aber so
umfangreich, daß er sich wohl bewußt ist, daß es

in dem kleinen Rahmen des vorliegenden Merk-
chens unmöglich erschöpfend behandelt werden
konnte. Zur Technik der Malerei gehört ja die
Kenntniß einer ganzen Reihe von Wissenschaften,
wie Perspektive, Chemie, Physik, Farbenlehre,
Costümkunde u. f. w. Diese Kenntnisse müssen
vorausgesetzt werden und dann wird das Büchlein
ohne Zweifel auch fertigen Technikern ganz gute
Dienste leisten. Das praktisch angelegte Werkchen
gibt zum Schluffe beachtenswerthe Winke für
„Conservirung von Qelgemälden", worauf wir
gelegentlich einmal später zurückzukommen hoffen.

D etzel.

Jonas auf den Denkmälern des christlichen
Alterthums von Dr. Dtto M itius.
114 S. in 8 0 mit 2 Tafeln und 3 Ab-
bildungen im Tert. Archäologische Studien
zum christlichen Alterthum und Mittel-
alter, herausg. von Joh. Ficker. IV.
(Preis M. 3.60.)

Von vorstehender Studie, die mit einigen Er-
weiterungen hier der Oeffentlichkeit übergeben
wird, wurde bereits im vorigen Jahre ein Theil
von der philosophischen Fakultät der Kaiser Wil-
helms-Universität zu Straßburg als Doktordisser-
tation angenommen. In der Einleitung gibt der
Verfasser eine Darstellung dessen, was das alte
Testament und die Evangelien von dem Pro-
pheten Jonas berichten und aussprechen, und
>vas sich aus der Literatur über feine Bedeutung
für" die christlichen Gemeinden in dem Wandel
ihrer religiösen Stimmungen und Interessen ge-
winnen läßt. Dann gibt er mit eingehender
Kenntniß die betreffenden Kunstdenkmäler in den
Katakomben, cutf den Sarkophagen, in den Er-
zeugnissen der Kleinkunst und in den Miniaturen.
Aus Zahl und Alter dieser Denkmäler, die den
ersten Platz im altchristlichen Typenschatz ein-
nehmen, kann man die Bedeutung des Propheten
für das Glaubensleben der ersten Christen er-
kennen. Als Hauptbild m den Cyklus der Ge-
schichte des Jonas bleibt innner die Rettung des
Propheten aus dein Bauche des Fisches, „Tod,
Rettung und seliges Ende" aber schildern die
drei Hauptscenen. Es war somit die Geschichte
des Joims den alten Christen eine Hoffnung „aus
Rettung aus Not und Tod", eine Erinnerung
an Christi Tod und Auferstehung (nach Matth.
12, 38 und Luk. 11, 29 f.) und, der Anbetung
der Magier gegenübergestellt, eine Beziehung
auf die Theilnahme der Heiden an der Erlösung.
Die gläubige, christliche Gesinnung des Verfassers
tritt, wie im ganzen Elaborat, so auch im zu-
snmmenfassenden Schlußsätze hervor: „Den Heiden
ein Gegenstand des Spottes ist der Jonas-Cyklus
den alten Christen ein Typus ihrer Hoffnung
und ihres Herrn." b.

Hiezu eine Kunslbeilaae:

Mater dolorosa,

nach dein Entwurf von Hans Baldung Grien und
^t. Ivolfgaug,

nach dem Entwurf von Hans Holbein d. I., aus
der Graf Douglas'schen Glasgemäldesammlung.

Stuttgart, Buchdruckern der Akt.-Ges. ..Teutsches VolkZblait".
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