Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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Untergewand und rothem Mantel darüber,
hat tu der Linken das Lamm nüt der
Fahne, über das er segnend seine Rechte
erhebt; er zeigt einen ausgezeichnet charak-
teristischen, schönen Kopf. Man hat diese
Darstellung des hei-
ligen Johannes Bap-
tista mit derjenigen
auf der Rückseite des
Hochaltars in: Frei-
lnrrger Münster
(1516 non Hans
Baldung Grien ge-
malt) vergliche)! und
will gefunden haben,
daß unser Glasge-
mälde und das Bild
Johannes des Täu-
fers auf denr Frei-
burger Hochaltar von
ein und demselben
Meister sein müsse.

Die heilige
V arbara bildet das
Gegenstück zu der
vorhergehenden Fi-
gur; sie trägt ein
violettes Oberge-
wand und hat unten
ihre Attribute, den
Thurnl und Kelch,
neben sich. Die sehr
schöne Scheibe zeigt
eine kräftige Zeich-
nung und in denr
Franenkopf liegt ein
chnrakteristis cherAus-
druck. lieber die
Schultern wallt rei-
ches Lockenhaar, das
von einer reichen
Krone bedeckt ist; in
beiden Händen hält
sie ein Buch. Die
Figur steht hinter
denr unten ange-
brachten Wappen der
Schnewlin mitreicher
Helurzier. Das Fen-
ster ist daher gestiftet von Barbara
Schnewlin (Gresser) von Bollschmeil oder
zunr Wier (Weiher) von Freiburg i. Br.
Das Fenster hat wohl mit denr vorigen
in der Weise zusamnrengehört, daß Jo-

hann Baptist R. N. der Ehcgemahl der
Barbara Schnewlin war. Obgleich die
zwei Glasgemälde zusammengehören und
Gegenstücke sind, kamen sie bei der Ver-
steigerung doch nicht in ein und dieselbe
Hand: St. Johannes
der Täufer wurde
für die Karls-
ruher Sammlung
unr 8400 Mark, St.
Barbara für die in
Berlin unr 6000
Mark angekauft.

Bezüglich der Zeit
der Entstehung der
drei letztgenannten
Glasgemälde sagt
Mone (Kat. S. 16):
Was das Wappen
der Schnewlin be-
trifft, welches bei
vorstehenden! Fenster
angebracht ist, so dient
dasselbe zur Bestim-
nrung der Zeit, wann
dieses Fenster (und
die beiden andern)
entstanden sind. Auf
dein Schnewlin'schen
Schilde ist als Helin-
zier die Abtsmütze
mit zweireihigem
Pfauenfederbüschel
an langem Stiele an-
gebracht. Da die Fa-
nülie Schnewlin sich
in einige Aeste theilt,
wie Landet, Wier,
Bollschweil, so kann
die Identität der
Person nur aus der
Helmzier festgestellt
werden. —• Die
Snewlin- oder St.
Johannes -Baptista-
Kapelle im Freibur-
ger Münster baute
laut Inschrift Ritter
Johann Baptist
Schnenilin init dein Beinamen Gresser
(Bollschweil) 1525. Im Gewölbe-Schluß-
stein ist das Schnewlin'sche Wappen wie
hier bei der Barbara Schnewlin gezeich-
net und colorirt: grüne Abtsmütze mit
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