Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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grünem Pfauenfederbusch auf langen:
Stiele. Man darf nun wohl anneh-
men, daß diese Barbara Schnewlin die
Tochter des Johann Baptist Schnewlin-
Gresser (von Bollschmeil) mar und daß
diese Glasgenrälde um das Jahr 1525
entstanden sind. Da keine Beziehung der
Schnewlin-Bollschweil zur Karthause in
Basel nachweisbar ist, so muß man an-
nehmen, diese Barbara Schnewlin sei an
einen der Stifter jener Fenster vermählt
gewesen.

Der heilige La in be rt, Bischof von
Al ästricht (um 638—698), hat als Attri-
but bloß ein Buch in der Linken und den
Hirtenstab in der Rechten. Er trägt ein
blaues Untergewand mit grünem Rauch-
mantel mit steinbesetzter gelber Bordüre.
Die Gestalt des Heiligen hat in ihrer
markigen Zeichnung, in ihrem charakte-
ristischen Gesichtsausdruck und in der glas-
nralerisch technischen Behandlung die größte
Aehnlichkeit mit den Heiligengestalten
Bruno und Hugo und ist offenbar wie
von: gleichen Meister stammend auch ii:
der gleichen Zeit angefertigt worden. Das
große Kreuz ist das Freiburger Stadt-
Wappen und deshalb angebracht, weil
die Reliquien des Heiligen in: Freiburger
Münster sind. Das Fenster kan: ins
Historische Museum nach Basel im:
den Preis von 8000 Mark; eine Kopie
wurde für das Freiburger Münster ge-
sertigt.

Die heilige Elisabeth von Thü-
ringen hat als Landgräsin und Königs-
tochter eine Krone ans den: Haupte und
trägt violettes Ober- und gelbes, schwarz-
damascirtes Untergewand. Sie theilt
mit der Rechten Brot aus und hält in
der Linken einen Krug und weitere Brode
in: Arm. Das schöne Köpfchen hat Por-
trait-Aehnlichkeit mit Maria von Burgund,
der Gemahlin Kaiser Maximilian I. Un:
das Haupt hat sie ein Tuch geschlungen
von meisterhaft vollendeter Draperie. Das
Stück wurde von Hauptmann Roth in
Berlin für 7100 Mark ersteigert.

Der heilige Lud w i g IX. von Frank-
reich zeigt große Portrait-Aehnlichkeit mit
Kaiser Maximilian I. Er trägt einen
violetten Mantel mit einen: Hermelin-
kragen darüber, den Kopf bedeckt eine
Krone und in der Rechten hält er den >

Stab mit der schwörenden Hand, in der
Linken das Scepter. Die vortreffliche
Scheibe kan: un: den Preis von 8000 Mark
ins Museun: nach Berlin.

Die glasn:alerisch technische Be-
handlung dieser vierten Serie an-
langend, Haben wir auch hier noch die
zweite Periode der Glasinalerei vor uns:
wir finden als Malfarbe nur das Silber-
gelb und das rothe Ueberfangglas, und
nur die Negation der Farbe, das Schwarz-
loth, zur Zeichnung verwendet, sonst aber
ist vollständig auf die Palette aller far-
bigen Flüsse verzichtet. Doch in einen:
Hauptfaktor, der schwarzen Contur, zeigt
sich ein Unterschied; denn während in der
ältern Periode diese als Hauptsache mit
viel Sorgfalt behandelt wurde, erscheint
sie hier, besonders bei den 14 Scheiben
von Hans Baldnng Grien, mehr flüchtig
und oft von ganz untergeordneter Be-
deutung. Die dunkle Coutur dient ineist
nur dazu, die radirte Lichtcontur hervor-
zuhebeu, und wird von letzterer korrigiert
und stellenweise auch ganz verdrängt.
Diese, die Lichtcontur, ist denn auch
ein ganz b e s o n d e r s ch a ruft e r i st i-
sches Merkmal unserer Fenstermalereien.
Der Ueberzugsthon, welcher durchschnitt-
lich dunkler als bei den ältern aufgetragen
erscheint, bildet den Uebergang von Licht
zum Schatten. Letzterer zeigt sich zieinlich
oberflächlich angebracht, den plastischen
Effekt eigentlich nur andeutend, und findet
seine Vermittlung durch eine inehr oder
vlinder willkürliche Schrafsirnng, welche
zwischen tiefen: Schwarz ui:d den hellsten
Tönen variirt. Diese vorbereitenden
Arbeiten dienen jedoch nur als Folie der
nun folgenden des Radirens. Man könnte
eigentlich s agen: Diese F e n st er sind
u: i t Li ch t gemalt, so sehr liegt
hierin, n e n: l i ch den a n s r a d i r t e n
Lichtern, der Glanzpunkt und
aller Reiz der Ausführung, mit-
hin des Ges au: u:t-Effektes. Aus
diese Arbeit ist denn auch eine Sorgfalt
verwendet, welche geradezu staunenerregend
ist. Eine vorzüglichere und zugleich effekt-
vollere Modellirnng des Ganzen wie der
Details kann nicht gedacht werden. Aus-
fallend schön in der Brillanz seiner Farbe
und in seiner Stärke ist auch das Glas-
material, das hier verwendet ist; man
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