Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

Seite: 80
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Thränen aus den Augen wischend). Der Kruzi-
fixus hat die Hände fast wagrecht ausgestreckt,
die Füße mit einem Nagel befestigt ohne Suppe-
daneum, die Inschrift am Oberbalten in gothi-
schen Minuskeln. Die Gewandung von Maria
und Johannes zeigt schönen Faltenwurf. Unter
dieser Kreuzigungsgruppe sind drei Wappenschilde
ausgemeißelt: links (heraldisch) das schwarze
Kreuz aus silbernem Feld der Deutschordensritter;
rechts das Ordenskreuz des Deutschordens: ein
schwarzes Kreuz in Silber; auf ersterem ein
silbernes Stabkreuz mit goldenen Lilienenden;
in der Mitte auf dem Durchkreuzungspunkt der
Arme ein goldenes Schildchen mit schwarzem
Adler (Sacken, Heraldik p. 118). Der mittlere
Schild enthält das Familienwappen der Rüd
von Collenberg am Main: ein silberner
Hundskopf mit goldenem Halsband aus rothem
Feld, mit Stechhelm über dem Schild und als
Helmkleinod die Figur des Schildes, dasselbe
Wappen findet sich am dritten Schlußstein im
Chor der Marienkirche in Mergentheim (Zimmerte,
Geschichte der Marienkirche). Wie aus diesem
Wappen zu schließen, ist ein Deutschmeister Rüd
von Collenberg der Errichter dieses Bildstocks
oder letzterer ist unter einem Rüd als Deutsch-
meister ausgestellt worden, weil-das Familien-
wappen und das des Deutschmeisters zugleich
Vorkommen. Ein Conrad Rüd von Collen-
berg war mehrere Jahre Komthur zn Mergent-
heim und Landkointhur in Franken. Seine Wahl
zum Deutschmeister erfolgte nach Voigt (Geschichte
des deutschen Ritterordens) im Frühjahr 1379,
die Eidesleistung der Mergentheimer Bürger nach
der Oberamtsbeschreibung im Jahre 1380. Der
römische König Wenzeslaus ernannte ihn zu seinem
Rathgeber. Aber nur bis zum August des Jahres
1382 weisen urkundliche Nachrichten seine Amts-
thätigkeit aus; denn die letzte Urkunde von ihm
ist datirt am Tag Assumt. Mariä 1382. Nach
Voigt starb er noch in diesem Jahre, während
die Oberamtsbeschreibung seinen Tod ins folgende
Jahr verlegt und hinzusügt, daß er in Mergent-
heim begraben liege. Mit dieser Zeit stimmen
auch bie- Formen des Bildstockes überein, der
jedenfalls einer der ältesten des Landes sein wird.

Atttlheilungen.

Goldstickereien uitb Goldborten zu
reinigen taucht man eine feinhaarige Bürste in
feinst gepulverten Blutstein und reibt damit vor-
sichtig die Stickerei lind Borten, wobei zu be-
achten ist, daß vom Pulver nichts auf den Stoff
kommt. Den Blutstein verkamt fast jede Apo-
theke, ist aber nur anzuwenden, wenn die Gold-
stickerei auf „dunklem Grunde" erscheint, hat man
es mit einem „bellen Stoffe" zu thun, so nimmt
man Gipsstaub und verfährt wie oben angegeben
ist. Häufig wird aber die Stickerei durch dieses
Mittel zu hell; in diesem Falle überzieht man
nachträglich vermittelst eines kleinen feinen Pinsels
die geputzten Stellen mit folgender Mischung:
10 gr Gummilack, 1 gr Drachenblut und 1 gr
pulverisirte Curcumawurzel in 50 gr Weingeist
aufgelöst. Der Stoff darf wiederum damit nicht
berührt werden, sonst leidet er Schaden.

Nur natürliche Blumen gehören in
die Kirche! In Vasen gesteckte Blumen-
sträuße sind ein ganz geeigneter Altarschmuck.
Wie die verschiedenen BluMen geschmackvoll zu
einem Strauß zu vereinigen sind, darüber geben
wir folgende Lesefrucht: „Die Farben müssen
harmonisch zusammengestellt und über beit ganzen
Strauß gleichmäßig vertheilt werden; niemals
darf ein ganzer Klumpen einer Blumenart oder
Farbe sich aus einer Stelle geltend machen.
Um einen harmonischen Farbenkontrast hervorzu-
bringen, folgen wir der Farbenlehre, nach welcher
es nur drei Farben gibt: Roth, Blau, Gelb.
Aus Roth und Blau entsteht Violett, aus Blau
und Gelb wird Grün, aus Gelb und Roth wird
Orange. Man stelle deshalb neben eine Haupt-
farbediejenige Mischfarbe, in welcher nicht jene ent-
halten ist, also Roth neben Grün, Gelb neben
Violett, Blau neben Orange, und wo solche Zu-
sammenstellung nicht oder nur annähernd möglich
ist, da verwende man viel Weiß, das jeden Fehler
gut macht. Diese Regel für den harmonischen
Kontrast gilt oder sollte gelten für alle Gebilde
der Binderei, für die Bepflanzung der Blumen-
beete, wie für die Zusammenstellung von Blumen
überhaupt. Tie schönste Form ist die der Kugel,
auch die der Halbkugel. Pyramidenförmig bindet
man die Sträuße gut mit Hilfe des belaubten
Stengels der Spargelpflanze; er dient als Gestells
nachdem die Spitze abgenommen."

Holzwurmbeize, die gegen Wurmfraß in
Gemälden aus Holz oder in plastischen Werken
schützen soll: es werden je ein Theil Wermut-
blätter, Knoblauch, Senfkörner, Pfeffer und Koch-
salz in zwei bis drei Liter Essigsprit abgekocht.
Mit dieser Mischung wird der gegen Holzwürmer
zu schützende Gegenstand zweimal bestrichen.

Pfr. B. in O. lieber K i r ch e n g e st ü h l,
tvie es sein soll und nicht sein soll, finden Sie
alles nöthige im Archiv 1887, Nr. 8 und 9,
daselbst auch Zeichnungen und Normalmaß-
angabe.

Nach St. in Vorarlberg. Entwürfe zu einem
Leuchter für die Osterkerze finden Sie
im „Archiv" 1884, Nr. 12 (in Messing oder in
Holz, über Bemalung des letztern vgl. 188»
L. 9 f.) und 1887 dir. 8 (schönes Muster für
Schlosserarbeit!).

Hiezu eine Mmftbeilage:

51. Bruno und 5 t. Hugo
nach dem Entwurf von Hans Baldnng Grien
aus der Graf Douglas'schen Gemäldesammlung..

Annoncen.

HltailnuljtLT,

seinpolirte, in Messing und Rothguß, von 22 cm
Höhe an — O st1*flPl*5C111tll llj1tL* bis zu
1,20 m Höhe im Preise von 8—140 M., nach
Zeichn. des selig. Herrn Präl. Schwarz, verfertigt

Will). .Lcdlmkiur,

Gelb- und Glockengießerei,

E l l w a n g e n.

Preislisten, Entwürfe, Empfehlungen stehen
zur Verfügung.

Stuttgart, Luchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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