Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

Seite: 85
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und erhält dadurch alle in frisch pnlsiren-
dem Leben, daß er gerade den Moment
sirirt, wo sie sich zu dieser Gruppe zu-
sannuengefunden haben. Eben ist der
Hohepriester in die Scene hereingetreten,
eben haben die Verlobten den letzten Schritt
einander entgegen gethan, eben hat die
beiderseitige Begleitung sich aufgestellt, so
daß die Bewegung auch in beit ruhig
dastehenden Figuren noch nachzittert. Schon
diese Personengruppe voll Fluß und
Schwung und die Schilderung des Aktes
der Verwählung und des Eindrucks, den
er hervorrnft, ist hochtnnstlerisch, in der
Wirkung noch bedeutend gehoben durch
das melodisch gestimmte Colorit, durch
die treffliche Abwägung und Abtönung
der dunklen und Hellen Farben.

Und doch, so vorzüglich diese Gruppe
ist, würden wir sie ans dem Bilde ans-
schneiden, sie hätte nur die halbe Wir-
kung. Was ist es, was ihre Wirkung
vollendet, das Kunstwerk auf den ersten
Rang erhebt? Das ist der Hintergrund,
der in dieser Composition nicht blos von
nebensächlicher Bedeutung ist, sondern ein
ganz gewichtiges Wort mitspricht. Das
ist vor allem die Architektur, der herr-
liche Tempelbau, der nicht umsonst auf
eine Anhöhe gestellt ist, von der herab
er die ganze Scene beherrscht. Er soll
nicht bloß den Raum ansfüllen nicht bloß
einen guten Abschluß für das Auge schaffen,
nicht bloß den Hintergrund beleben und
die Composition durch edle Architektnr-
formeu bereichern. Er hat eine viel
wichtigere Funktion, die wir uns klar
machen müssen.

(Schluß folgt.)

Die kirchlichen Metallarbeiten.

Eine systematische Darstellung von
K o n r a d K ü in m e l.

(Fortsetzung.)

II. Die Legirungen.

Durch Mischung (Verschmelzung) meh-
rerer einfacher Metalle ans der Zahl der
aufgesührteu entstehen neue Metallarten,
welche bestimmte Eigenschaften zeigen, die
keinem der einzelnen Metalle für sich im
gleichen Maße eigen, die aber von her-
vorragender Bedeutung für die Bearbei-
tung wie für die Benützung sind. So

erfahren die Farbe, die Härte, die Debn-
barkeit, der Schmelzpunkt uitb die Dichte
der betreffenden Metalle bedeutende Aende-
ruugen in den Legirungen?) So
bezeichnet man im allgemeinen die ans
Mischung entstandenen Metallarten. Le-
girnngen gibt es sehr viele. Der hierin
wohl als erste Auktoritüt geltende Alfred
Krupp (Essen) zählt in seinem Werke über
Legirungen etwa 40 Hanptmischnngen ans;
dazu und darüber grnppiren sich indessen
noch eine kaum 31t übersehende Zahl von
Ab- uitb Spielarten derselben, die indessen
für die Technik alle ihren erheblichen
Werth besitzen. Zweifellos ist die Technik
noch lange nicht am Ende der Kenntniß
der Legirungen angekommen; je sicherer
die Chemie arbeitet, um so überraschen-
dere Resultate findet man; haben jetzt
schon die Knpserzinn- itnb Kupserzink-
legirungen neben dem Eisen die doiui-
nirende Stellung in der Metallbranche,
so ist gar nicht abzusehen, welche Zukunft
verschiedene neueste Legirungen, wie z. B.
die Phosphorbronce, die Alnmininmbronce,
die Silberzinklegirnugen (für das Münz-
wesen) n. s. w. n. s. w. haben werden.
Auf diesem Felde kann noch vieles er-
rungen werden. Indessen wollen wir
uns hiermit nicht weiter beschäftigen;
wir haben es nur mit den ganz besonders
bekannten und hervorragenden Legirungen
zu thnn. Angefügt soll noch werden, daß
das Zusammenschmelzen verschiedener Me-
talle durchaus nicht so einfach ist, wie
dies ans den ersten Blick erscheinen möchte.
Oft kann nur allmählig legirt werden,
oft sind Gefahren damit verbunden; die
Hanptschwierigkeit ist meistens die ver-
schiedene Schmelztemperatur der zu mischen-
den Metalle.

Wie schon oben sub I, 4 („Kup fer")
angedeutet, ist dieses Metall in allererster
Linie das Metall der Legirungen. Und zwar
sind es hauptsächlich zwei andere dRetalle, mit
welchen es seit alten Zeiten gemischt
wird: Zinn und Zink. Kupfer mit
Zinn legirt gibt Bronce, Kupfer mit
Zink das Ales sing. Wir behandeln
nachstehend diese beiden und nach dem-
selben die für kirchliche Zwecke auch noch
in Betracht kommenden Silberimitationen.

) Legiren ist nicht „löthen", wie manche meinen.
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