Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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1. Die Broncen.

Das sind die urältesten Legirungen,
welche inan kennt. Das Wort „Bronce"
(von ital. dron^o) kam indessen erst ani
Ende des Mittelalters auf; früher, auch
im alten Testamente wird das Metall,
welches wir heilte Bronce nenneil, „Erz"
genannt (vrgl. die ehernen Gerüthe des
Tempels, des salomonischen Palastes, die
eherne Schlange n. f. w.). Das Charak-
teristische der Bronce ist ihre Zusammen-
setznng ails Kupfer ltnb Zinn. Das
Zinil hat die merkwürdige Eigenschaft,
daß es, während es für sich allein sehr
weich ist, in Verbindung mit Kupfer ge-
bracht, diesem eine ganz bedeutende Härte
verleiht uiid demselben entsprechend seine
Geschmeidigkeit benimmt. Hier liegt auch
der historische Grund der früheren Ver-
wendung der Vroiice, beim es handelte sich
im Alterthum gerade darum, das häufig
vorkommende weiche Kupfer zil härten,
um es zu Waffen, Geräthen, Säulen
u. s. w. tüchtig zu machen. Ein Zinn-
zusatz von nur 6 °/0 macht das Kupfer
so hart und spröde, daß es mit dem
Hammer nicht mehr verarbeitbar ist und
nur m i t t e l st des Gusses behandelt
werden kann. (Es gibt also keine
Bleche n. s. w. von Bronce.) Das eben
ist seine Haupteigenschaft, daß es das
vorzüglichste Gußmaterial ist.
Seine Domäne ist das Reich der Glocken,
der Geschütze, der Denkmale aller Art,
der Prachtthüren u. s. w., im Kleinen der
Medaillen und Minzen und nenestens des
Alnschinenbanes. llebrigens steigert sich
die Festigkeit und Härte der Bronce nicht
fortgesetzt mit der Zunahme des Zinns,
sondern sie erreicht bei 25—27°/o ihren
höchsten Stand; von da an verringert sie
sich wieder. Daher ist das Verhältnis
des Zinns zum Kupfer in der Bronce
niemals mehr als 35 zu 65, fast immer
erheblich geringer. Unter Bronce im
eigentlichen Sinn versteht man also die
Legirung, bei welcher das Kupfer neben
dem Zinn in erheblich ü b e r w i e g e n d e r
Menge vorhanden ist.

Eine bestimmte Farbe der Bronce als
Erkennungszeichen festzustellen ist nicht
möglich, weil mit dem Verhältniß des
Kupfer- zum Zinngehalt es auch die Farbe
der Legierungwechselt, und zwar vom kupfer-

ähnlichen Braunroth bis zum sogenannten
Weißmetall oder Weißguß, der fast ganz
die Farbe des Zinns zeigt. Genauer
gesagt sieht Bronce mit 90 °/o Kupfer
und darüber kupferroth aus, dann wird
es orangefarbig und bei 85 °/o rein gelb.
Unter 50°/o Kupfer wird die Bronce
weißlich, stahlgrau und zuletzt rein weiß.

Gehen wir nun die wichtigsten Brouce-
arten durch, und zwar angefangen vom
höchsten Kupfergehalt.

a) Die Berg old bronce, fälschlich
or moulu genannt, die thenerste und
feinste Bronce, mit ca. 95 °/o Kupfer uud
5 °/o Zinn, für kleinere Knnstgegenstände
zum Guße vorzüglich (z. B. hochfeine
Uhrgestelle, Statuetten n. s. w.), von gold-
ähnlicher Farbe, weshalb sie nur eine ganz
geringe Menge von Gold bedarf, um stark
vergoldet zu erscheinen.

b) Die M ed a i l le n br o n c e. Sie hat
4—8°/o Zinn und besitzt noch einige Ge-
schmeidigkeit, so daß sie mittelst des Präge-
hammers bearbeitet werden kann.

c) Die Kano neu- oder Geschütz-
bronce. Dieselbe soll Hieranch erwähnt
werden; denn es kommt nicht selten vor,
daß für bte ■ Herstellung von Glocken
Kanonenmetall, fei es geschenkt oder sonst
erworben, verwendet wird. Die Geschütz-
bronce ist dem Glockengnt nahe verwandt,
insofern auch sie reine, ächte Bronce
ist, bestehend in ihren Hanpttheilen ans
Kupfer und Zinn. Krupp, der ja hierin
vielleicht die erste Auktorität ist, sagt, daß
man in neuerer Zeit von den Zusätzen
weiterer fremder Metalle so ziemlich ab-
gekommen sei und daß es vielmehr für
die Zwecke, um welche es sich hier han-
delt, nur darauf ankomme, die Vermi-
schung der beiden Metalle physikalisch
passend zu behandeln beim Schmelzen,
Gießen u. f. w. Der Kupfergehalt der
Gefchützbronce ist größer, als der des
Glockenguts; es kommen ans je 100 Theile
Kupfer 9—12 Theile Zinn, so daß mau
also bei Verwendung von Geschützen zum
Glockenguß Zinn znsetzen muß.

6) Das Glockenmetall. Dasselbe
hat eigentlich den Broncecharakter am
reinsten, sofern zur Herstellung eines Me-
talles, welches einen schönen, vollen Klang
gibt, möglichst blos Kupfer und Zinn ver-
wendet werden können — nur ganz un-
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