Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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liefert. Das Zink, das viel billiger ist
als Zinn, hat aber die gesuchten Eigen-
schaften. Alan kann es bis zn 30 °o dein
Kupfer beiinifchen, uitb das letztere
l a ß t f i ch v o r z ü g l i ch h n m m ent,
treiben, ziehen u. s. w., ja es
wird geschmeidiger als int reinen
Z n st a n d e. Von da ab verringert sich
die Geschmeidigkeit und mit 50 °/o Zink
wird das Messing auch nur mehr gießbar,
aber es ist dann ein billigeres Metall als
die edlere Bronce und thnt dieselben
Dienste für bestimmte Zwecke. So hat
das Messing mehr einen handwerksmäßigen
Charakter neben dem monumentalen der
edlen Bronce.

Das Messing hat neben der letzteren
noch gar kein Alter; erst vor ca. 120
Jahren lernte man es int Großen dar-
stellen. (Einzelne mehr theoretische Proben
kamen seit 1550 vor, wo der Nlirnberger
Erasmus Ebner diese neue Legirung machte
und bekannt gab.) Wenn vor einigen
Jahren der Aprilscherz mit dem „Messing-
bergwerk" durch die Blätter gieng, so ist
doch auch zu sagen, daß die Fachmänner
es nicht als gerade ausgeschlossen erklären,
daß nicht auch in der Natur richtiges
Messing, also Kupfer mit Zink zusammen
verschmolzen sich finden könnte. Eine andere
Frage ist freilich, ob sich auch eine solche
Menge dieser Legirung findet, welche ein
eigentlich bergmännisches Ausbeuten er-
möglichte. Das Alessing schmilzt im
Durchschnitt erst bei ca. 1000 0 Celsius.
Es gibt Messing von nur einem Prozent
Zinkgehalt bei 99 °/o Kupfer; es gibt
aber auch solches bis zn 90 °/o Zink und
nur 10 o/o Tupfer, dazwischen liegt eine
ganze Skala der verschiedensten Produkte
der Mischung dieser zivei Urmetalle. Selbst-
verständlich ist das Messing um so ivohl-
feiler, je mehr Zink dabei ist. Die Farbe
geht allmählig voin Kupferroth (bei ca.
7—13°/o Zink) in ein schönes Rothgelb
über, von 13 °/0 Zink ab bis etwa 16 "io
ist es schön goldig gelb, dann wieder wird
es rötblich; die schönste Goldsarbe erhält
es bei je 50 °/u Zink und Kupfer; von
da nimmt es mit Zunahme der Zink-
menge allmählig eine weißere Farbe an.
Bei 15—20 0 » Zink ist das Messing (-Blech)
am uteiftcit dehnbar, bei 28 °/0 hat es
seine höchste Festigkeit, bei ca. 60" o Zink

und darüber ist es ungemein spröde und
für den Hammer völlig unbearbeitbar.
Ein Messingdraht von einem Qnadrnt-
millimeter im Querschnitt trägt noch je
nachdem 3000—4000 Kilo, ohne zn reißen.
Wir führen nun einzelne Hanptarten des
MTssings an.

a) Das Rothmessing (der Rotln
guß) hat einen Knpsergehalt bis zn 80 °/o
und darüber und eine schöne röthliche
Farbe. Es ist die feinste und theuerste
Acessingart. Zu ihn: zählen die Gold-
imitationen, deren Bleche besonders für
das Prägen geeignet sind, also das
Tombak (mit ca. 87 °/o Kupfer und
13 0 o Zink), das Similor, Chrysokalk,
Pinchbeak, Oreide und Talmigold.
Bei letzterem ist indessen vielfach ein
eigentlicher Goldüberzng vorhanden, aber
in außerordentlich dünnen: Zustande. Ans
den Rothmessingarten :verden alle erdenk-
lichen Arten von Schmuck- unb verwand-
ten Gegenständen hergestellt, meistens durch
Druck, Prägen, Hämmern, Treiben n. s. w.

b) D as Tafel tu essing, ans wel-
chem Messingdraht und Bleche gemacht
werden, hat von 27—37 °/o Zink; nament-
lich sind Messingbleche mit dem letzteren
Gehalt außerordentlich dehnbar und also
besonders geeignet für Bearbeitung mit
dem Hammer. Dieses Blech wird zur
Herstellung von solchen kirchlichen Ge-
säßen besonders viel verwendet
bei welchen nicht Silberblech gewühlt
werden kann, also zu Kelchsüßen, Mon-
stranzen, Ciborien, getriebenen Arbeiten
aller Art und sonstigen Geräthen, welche
nicht durch Guß hergestellt werden.

G D a s G n ß m e s s i n g hat gewöhn-
lich einen noch höheren Zinkgehalt als das
zu Draht und Blech dienende. Es ist
indessen sehr verschieden an Qualität und
Werth. Die niederste Stufe nimmt das
o r d i n ä r e G n ß m e s s i n g ein, welches,
ohne daß man ans besondere Reinheit
der beiden Urmetalle sieht, vielfach ans
Messingabsällen n. s. w. dargestellt wird.
Dies Messing gibt die gewöhnliche „Gelb-
gießwaare", Faßhähne, Rcörser, Gehäuse,
auch die nleisten Ken ch t e r. Das seine
G n ß m essing muß sich leicht gießen,
mit Feile und Meißel leicht bearbeiten
lassen und woinöglich eine goldähnliche
Farbe haben, nin bei der Vergoldung
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