Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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minderwerthig ist; 3. wenn der Guß
sorgfältig von Hand nachgearbeitet — cife-
lirt — ist. ssterisehniig folgt.)

Albrecht Dürers Stellung zur
Reformation.

Von E. Drexler, Nnvensburg.

Unter allen Künstlern, die uitfer deutsches
Vaterland hervorgebracht hat, erfreut sich
keiner auch heute noch einer so allgemeinen
Beliebtheit wie Alb recht Dtirer. Es
ist keine Uebertreibnng, wenn ihn Wolt-
mann liub Wönnann (Gesch. d. Malerei,
II. Band, S. 370) den „gründlichsten und
charaktervollsten, den gedankentiefsten unb
phantasiereichsten Künstler seiner und aller
Zeiten" nennen. Sein Schassen ist kein
leeres Formenspiel, sondern der Ausdruck
und Widerschein dessen, was in seinem
Innern vorging, seine Bilder spiegeln die
Tiefe seines Geistes und seines echt deut-
schen Gemüthes wider. Bei wenigen
Künstlern ist Werk und Persönlichkeit so
enge verknüpft, wie bei Dürer. Daher
ist ein richtiges Verständniß seiner Schöpf-
ungen ohne die Kenntnis; seiner Persön-
lichkeit, sein.er inneren Stimniungen und
Wandlungen, vor allem seiner religiösen
Anschannngen ein Ding der Unmöglich-
keit. So hat auch die vielfach diametral
entgegengesetzte Auslegung gerade seiner
religiösen Hauptwerke zum großen Theile
ihren Grund in der Verschiedenheit der
Benrtheilnng seiner kirchlichen Stellung.

Heber Dürers Glailbensbekenntniß ist
viel geschrieben und gestritten morden. Ü
Die weitgehenden Ausstellungen des sonst
so schätzenswerthen Dürer - Biographen
M. Thansing, der unseren Maler als den
evangelischesten aller Künstler darzustellen
versucht bat, haben auf katholischer Seite,

b Eine Uebersicht über die einschlägige 2itte-
ratur bietet Danks, Alb. Dürers Glaubens-
bekenntnis), Theol. Quartalfchr. 1888. S. 244 ff.
— Von protestantischer Seite behandelt die Frage
am ausführlichsten A4 Z u ck e r, Dürers Stellung
zur Reformation. Erlangen 1886. — Die be-
reits in zweiter Auflage erschienene Broschüre
des katholischen Autors A. Weber, A. D., sein
Leben, Wirken lind Glauben (Regensburg 1894),
hat eine scharfe, leider zum großen Theil ver-
diente Kritik durch M. Zucker in „Beiträge z.
bayer. Kirchengesch., Bd. 1, 1895, Heft 6 und
K. Lange in den „Grenzboten", 55. Jahrgang,
1896, Nr. 6, erfahren.

lvo Dürer in der letzten Periode seines
Lebens nanlentlich ans Grund seiner
Knnstthätigkeit und gewisser — freilich
mit Unrecht beigezogener — Aenßernngen
seines Freundes Pirkheimer fast allgemein
zil beit nachmaligen Gegnern der Refor-
mation gezählt wird, eine heftige Oppo-
sition hervorgernsen. Die Sache selbst
brachte es mit sich, daß die konfessionelle
Polemik manchmal nur zu stark tu den
Vordergrund trat. In seinen „Wiener
Knnstbriefen" (Leipzig, 1684) klagt Th an-
sing, daß, während England und Frank-
reich wetteifern, den Namen Dürers zu
verherrlichen, dieser seinen Landsleuten
gut genug sei, um zu einem Schibboleth
ihrer konfessionellen Zwistigkeiten zu dienen.
Daß er daran zum Theile selbst die Schuld
trägt, ist bereits angedentet worden.
Uebrigens hat er am genannten Orte
(S. 99 sf.) der katholischen Auffassung
anerkennenswerthe Zugeständnisse gemacht.
— Eine kritische Untersuchung des ge-
sammten einschlägigen Materials soll dem
verehrlichen Leser einen Einblick in die
Sachlage gewähren.

Atbrecht Dürer war einer der edelsten
Charaktere seiner Zeit, ein Mann von
aufrichtiger Frömmigkeit, von seltener
Treue und Ehrlichkeit. Von feiner from-
men Gesinnung geben eine Reihe von
Reimen religiösen Inhalts, die er in den
Jahren 1509 und 1510 verfaßt hat,
Zeugniß.') So mahnt er zur christlichen
Vorbereitung auf den Tod mit den Worten:

Wiewol es forchtsam ist zu sterben,

Längs Leben thut nit allweg werben
Göttliche Gnad und Innigkeit,

Mehrt aber dick das höllisch Leid.

Dem die Stund seines Tods allweg
Wohlbetracht't in sei'm Herzen läg.

Und sich all Tag zum Sterben schickt.

Den hält göttlich Gnad angeblickt.

Und würd in dem rechten Fried stahn.

Den Gott gibt unö Welt nit geb'n kann.
Darum, welcher recht leben thut,

Der überkummt ein' starken Muth,

Und ihn erfreut des Todes Stund,

Darin ihm Seligkeit wird kund. u. s. w?)

U Die Jahreszahlen zeigen, daß diese Gedichte
nicht als Beweismittel für den Katholizismus
Dürers n a ch der Reformation zu gebrauchen
sind, was Weber, um nur Ein Beispiel anzu-
führen, mit Verschweigung des Datums fertig
gebracht hat (II. A. S. 97).

2) Dürers schriftlicher Nachlaß, herausge-
geben von K. Lange und F. Fuhse, Halle a. S.
1893. S. 92 (im folgenden unter „Nachlaß" citirt).
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