Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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Erz gegossen (an der Laterankirche ist noch
solch' eine antike Dhüre, nämlich die
mittlere des Hauptportals, vorhanden);
Tempel und Paläste hatten oft genug
eherne Dachgebälke, vgl. das Pantheon,
und Erzmonumente aller Art fiillten öffent-
liche Plätze und Privathänser. Unter den
älteren (ca. 150 v. Ehr.) ist der dorn-
ansziehende Knabe (int Capitol) wohl das
schönste erhaltene Broncewerk, unter den
späteren das Reiterbild Mark Aurels
(ca. 150 n. Chr.) auf dem Capitols-
platz; im sogenannten Konservatorenpalast
auf dem Capitol sind noch eine Menge
Broncegüsse 51t sehen. Das größte Bronce-
werk Roms dürfte die über 100 Fuß
hohe (ca. 33 Dieter) Erzkolossalstatue
Neros gewesen sein, die vor dem Kolossenin
stand (Reste im Eapitol?). Das älteste
Broncewerk Roms ist zweifellos die capi-
tolinische SBMfiit, das Symbol Roms,
ein Werk altjonischer Kunst aus der Zeit
des Endes des Königthnms (ca. 520
v. Chr.).

Das CH r ist eilt hu m hat in frühester
Zeit den Erzguß in feine Dienste genom-
men. Kandelaber, Leuchter, Lampen,
Dausgesäße, Figuren, ganze Ciborien
u. s. w. u. s, w. wurden aus Erz herge-
fteltt. Das Früheste dieser Art sind die
ehrwürdigen Broncelämpchen ans den Kata-
komben, die bereits das christliche Mono-
gramm im Gusse tragen. Das älteste
christliche Erzgußwerk monumentaler Art
ist zweifellos die große Broncestatne in
St. Peter in Rom, nahe bei der Con-
session am ersten Pfeiler rechts, welche in
Ueberlebensgröße den Fürstapostel sitzend,
etwa im Gewände eines römischen Sena-
tors, darstellt, und deren Fuß von den
Küssen der Pilger zum Dheile abgeschliffen
ist. Die Statue soll ans dem Erzbild
des Jupiter Kapitolinus gegossen worden
sein; andere meinen, sie stamme aus
Byzanz; ihr Alter geht zweifellos ins
5. Jahrhundert zurück. Nach der Völ-
kerwanderung kam namentlich der monu-
mentale Erzguß für Kirchen n. s. w. auf;
allein die schönsten Werke kamen anfangs
ans Byzanz herüber, z. B. die Thore von
St. Paul vor den Mauern (jetzt noch er-
halten) in Rom, die Thüren der Kathe-
drale von Amalfi n. a. Seit Mitte des
12. Jahrhunderts beginnen in Italien

selbst die monumentalen Erzgußwerke zu
erstehen, die heute noch die Bewunderung
der Künstler und Fachleute bilden, z. B.
die Dhüren von St. Marco in Venedig,
der siebenarmige Leuchter im Dom von
Mailand u. s. w. Ans dem 13. bezw.
14. Jahrhundert stammen die Erzarbeiten
der Pisani darunter die ältesten Dhor-
flügel vom Baptisterium in Florenz und
die Arbeiten im Dom zu Siena und
Drvieto. Reicher entfaltete sich indessen
der Erzknnstguß im Mittelalter in Deut s ch-
land. Karl der Große hatte in Aachen
unter Einhards Leitung schon ein Gieß-
hans, aus welchem zweifellos die Erz-
thüren und beriihmten Gitter des Domes
von Aachen hervorgegangen sind. Nach
diesen find die Mainzer Domthüren (mit Lö-
wenköpfen) wohl die ältesten erhaltenen Erz-
bildwerke des Mittelalters; fie wurden bestellt
von Erzbischof Willegis und dürften un-
gefähr gerade 900 Jahre alt sein. Der
berühmteste Metallkünstler jener Zeit war
Bischof Bernward von Hildesheim, der in-
dessen ebenso im Gusse monumentaler
Werke, — z. B. die große Säule in Hilöes-
heim am Dom mit den Reliefs (offenbar eine
Erznachahmung der marmornen Drojans-
säule in Rom) und die Broncethüren des
Doms — wie in der Kleinkunst mit edlem
Metall bewandert war. Der Glockenguß
beginnt für größere Stücke etwa mit dem
Ende des 11. Jahrhunderts. Vorher
wurden nur kleine Glocken gegossen,
größere aus Blech znsammengenietet. An
Grabmälern aus gegossenem Erz sind die
des Erzbischofs Adalbert im Dom zu
Magdeburg und des Königs Rudolf von
Schwaben (Merseburg) am meisten be-
kannt; die berühmteste Erzstatne ans jener
Zeit ist das Reiterbild des heiligen Georg
ans dem Hradschin in Prag (in der Nähe
des Eingangs zur fürstbischöflichen Wob-
nnng).

Das goldeneZeitalter des Bronce-
gnsses aber tritt mit der Renaissance
zuerst in Italien und dann in Deutsch-
land ans. Die herrlichen Werke, auch
nur die allerbedentendften der italienischen
Meister und die Namen der tüchtigsten
Künstler unter den letzteren alle anfzufüh-
ren, ist in diesem Raume ganz unmöglich.
Wir nennen hier zunächst den ersten
Dc e i st e r in diesem Fache, L 0 r e n z 0
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