Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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Archiv für christliche Kunst.

Drgail des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Ru,ist.

perausgegeben und redigirt von Pfarrer Detzel in Sk. Lllriftiiia-Raveusbnra.

Derlag des Rotteuburger Diözesan-Knnstvereins,
für denselben: der Vorstand Pfarrer Detzel in St. Lhrislina-Ravensbnrg.

Or. i

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für M. 2.05 durch die württembergischen (M. 1.90
jni Stuttgarter Bestellbezirk). M. 2.20 durch die bayerischen und die Neichspostanstalten.
st. 3.27 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden
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bon der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, ltrbansstraste 94, znm
Preise von M. 2.05 halbjährlich.


Das dchorgeftühl in der Airche
zu Weissenau.

Von Pfarrer Detzel.

Hundert Jahre lmgefähr vor der ge-
waltsamen Unterdrückung (1802 n. 1800)
der Prämonstratenser-Abtei Weissenau
Minor oder Ll1d>3) bei Ravensburg
waren die Klostergebäude sowie die Kirche
in eilten derartigen Zerfall gerathen, daß
der damalige Abt Leopold') einen Neubau
beschließen mußte. Während der Grundstein

0 Dieser thatkräftige, einst hochangesehene
Prälat von Weissenau, Leopold M a u ch, war
gebürtig von Wangen im Allgäu und regierte von
1704—1722. Er erlebte die Vollendung des
Baues nicht mehr. Durch einen Schlaganfall
halbseitig gelähmt, legte er den 22. Januar 1722
die Würde eines Abtes von Weissenau und
Generalvikars und Ordensvisitators der Prämon-
stratenser in Schwaben und Elsaß nieder und
zog sich nach St. C h r ist in a zurück (vgl. Bus l,
Zur Geschischte des Prämonstratenserklosters und
der Kirche Weissenau. Ravensburg 1883 S. 17).
Er bewohnte hier das jetzige Pfarramtszimmer
mit seiner herrlichen Aussicht auf Ravensburg
und das Schussenthal, den Bodensee und die
Gebirgswelt; das Zimmer wurde vorher in den
besten Stand gesetzt und der Plafond desselben
mit Stuccaturen versehen, welche das Wappen
des Abtes — quergetheilter Schild, oben ein
Stern, unten eine liegende Mondsichel — und in
Medaillons die vier Elemente und andere alle-
gorische Darstellungen enthalten. Die Stucca-
turen wurden offenbar vom gleichen Meister aus-
geführt, der damals gerade die Stückarbeiten
im Kloster und in der ueuerbauten Kirche zu
Weissenau machte, nämlich von F r a n z S ch m u z e r
aus Wessobronn (geb. 1676, geft. 1741). Abt
Leopold starb aber schon kurze Zeit, nachdem er
sich nach St. Christina zurückgezogen hatte, am
7. März 1722 in seinem 50. Lebensjahre und
wurde in der Pfarrkirche zu St. Christina vor-
dem Eingänge in den Chor begraben und hat
heute noch daselbst seine Ruhestätte. Der über
seinem Grabe liegende Stein hat lnach Polln,
llist. eanoniae Minoraug. Constant 1763 S. 114)
folgende Inschrift:

zlnil Baue des Klosters von ihm selbst im
Jahre 1708 gelegt wurde, fand die feier-
liche Legung desselben zur Kirche erst den
29. Sept. 1717 statt und zwar auf Ein-
ladung Leopolds durch ben Abt Hermann
vom Mutterkloster Roth. Aber erst fein
Nachfolger Abt Michael IH. (Helmling
von Ravensburg 1722—24) konnte am
23. April 1724 nach einer Bauzeit von
kaum 7 Jahren die Kirche sammt drei
Altären einweihen. Bei diesem neuen
Kirchenbau null blieb der alte Chor stehen,
der erst iit den Jahren 1628—1631 voll
„Martin Barbierer, Werk- unb Maurer-
meister von Rueffle int Sachsserthal unter
Abt Johnllii Christoph (Härtliu von Alts-

Hic i 11 e jacet, per quem stat Augia candida,
Reverendissimus Praesul
Leopoldus Mauch,

Sueviae, Alsatiae et Grisoniae Vicarius Gene-
ralis dignissimus Omnibus omnia factus, Quid
mirum ?

Vere filius erat Dei parae Virginis Mariae, Pater
pauperum et pupillorum,
Portavit pondus caruis suae Albaugiae,
Anrbulavit in Albis Religiosis votis circum-
cinctus Albaugiae.

Abbatiali Dignitate ceteris liumilior enituit
Albaugiae.

Candaugiae Arcliitector, requiem non liabuit
Albaugiae.

Tandem exiens a valle Crucis ascendit ad
Montem Set. Christiuae, ubi VII Martii abiit
ad Patrem suum et Patrern nostrum.

Sta viator et attende voci deprecationis suae,
ETa Vos oMnes qVi transltls DICRe, recqYl

Als im Jahre 1889 in Folge einer durch-
greifenden Kirchenrestauration auch ein neuer
Bodenbelag nothwendig wurde, wurde der Stein
mit seiner schon halb zerstörten Inschrift belassen
und darüber der neue Boden gelegt. Dafür
wurde an der südlichen Wand vom Verfasser
dieses eineMarmortasel angebracht mit entsprechen-
der Inschrift.
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