Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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hat in der Rechten die Palme, in der
trinken das Bnch; er ist mit Pluviale mtb
der Tiara angethan nnd es erscheint über
seinenr Haupte die strahlenbekränzte Taube.

10. Der heilige A n g it st inus, der
Kirchenlehrer, dessen große Statue sich
auch am Hochaltar befindet, ist als Bi-
sehos mit dem Hirteustab und Buch ab-
gebildet ; 31t seinen Füßen sitzt der Knabe
mit dem mnschelartigeu Gefäße zum Wasser-
schöpfen. Oben in dem Rankenmerke hält
ein Engel sein weiteres Attribut, das mit
Pfeilen durchbohrte Herz.

11. Der heilige A it t 0 uius der Ein-
siedler, der Patriarch der Cöuobiten, trägt
in der Rechten ein Bnch, in der Linken
hat er den Kreuzstab mit dem Glöckchen
und zu seinen Füßen das Schwein.

12. Der heilige U lrich, Bischof voll
Augsburg, hält iit der Rechten den Hirten-
stab, in der Linken ein Buch, woraus sein
Attribut, der Fisch. (Es ist wohl nicht der
hl. Belino, Bischof von Meißen mtb Apostel
der Sinnen, beffeit Leichnam 1576 in der
Frauenkirche zil München beigesetzt lind
Schutzpatron von München wurde, da
dieser gewöhnlich den Fisch mit einem
Bund Schlüssel in dessen Maul oder zwei
neben bent Fisch liegende Schlüssel als
Embleme hat.)

13. Der heilige Apostel Paulus
hält in der Rechten das Buch, in der
Linken das Schwert.

Wir gehen, um auch hier die einzelnen
Bilder anfzuzählen, zil bent nördlichen
Chorgestühle nnd treten zuerst vor den
Stuhl des Priors. Wir finden auch hier
>vie in dem Abtstuhle eine Muschelnische,
aber sie ist leer, ohne Statuette; das Pen-
dant zur Christnsstatue int Abtftuhle, die
Statuette der heiligenJtlNgfrau,
fehlt hier. Wenn, wie offenbar beabsichtigt
war, das ganze Chorgestühl ztl renouireit,
d. h. in seinem ursprünglichen Zustande her-
zuftellell, ist nicht abzusehen, warum der'
Staat gerade an diesem Bilde erliegen
sollte. Oder wird es vielleicht noch nach-
träglich gemacht?

In der Fortsetzung nach rechts nom
Priorstnhle aus sind hier folgende Bilder:

1. Der K ö n i g D a v i d aus bent Throne
sitzend und die Harfe spieletid. Unten sieht
man in einer Reliefdarstellung, wie der
kleine David mit einem gewaltig aus-

holenden Hiebe dem Riesen Goliath das
Haupt abschlügt.

2. Die heilige Adelheid (oder
Mathilde?) trägt eilte Fürstenkrone und hat
unten einen Wappenschild mit dem alten,
einfachen Reichsadler. Sie hält in der
Linken ein aufgeschlagenes Buch, die Rechte
streckt sie ans, wie meint sie Almosen aus-

j theilen würde; sie hatte offenbar Geld-
j stücke u. dgl. in der aus gestreckten Hand.
Unten sieht man ein Kinderfigürchen als
Kariatyde, das vorzüglich geschnitzt ist,
wie auch der Kopf der Heiligen gut ge-
arbeitet ist; überhaupt erscheineit die Fi-
guren, besonders die Köpfe, an dem nörd-
licheit Chorgestühl vielfach feiner und
korrekter geschnitzt als an dem südlichen.

3. Der heilige Franziskus (nicht
Benedikt von Nursia!) trägt das Franzis-
kanerkreuz. Der Heilige erscheint int Habit
eines Franziskaners mit der spitzen Kapuze
und hat den Strick um den Leib; deutlich
sieht man auch die Wundmale an seiner
Seite und seinen Händeit und die ganze
Physiognomie des Kopfes weist auf St.
Franziskus hin.

4. Der heilige Gottfried non
Kappenberg war Prämonstratenser; er
wurde 1097 auf bent westphälischen Schloß
Kappenberg geboren und verwandelte, durch
den Eifer des hl. Norbert angeregt, 1122
sein väterliches Stammschloß in ein Kloster.
Er ist hier ans einen: Stuhle sitzend dar-
gestellt mtb hält Ruthen, Geißel mtb den
Hirtenstab in der Rechten, in der Liitkeit
eilt Cruzifir, auf das er betrachtend schaut.
Zn seinen Füßen steht ein Korb voll Broden,
hinweisend ans seine Wohlthätigkeik gegen
die Arnteit.

5. Der h e i l i g e A nt b r 0 s i n s, Kirchen-
lehrer und Bischof von Mailand, hat in
der Rechten die Geißel, in der Liitkeit das
Buch und ist mit Pluviale und Mitra
angethan.

6. Der heilige Dontinikus, Stif-
ter des Dominikanerordens, hält in der
Liitkeit eine Fahne, worauf die Rosen-
kranzkönigin mit bent Christuskinde ab-
gebildet ist. Deit Fahnenschaft stößt der
Heilige tn beit Rachen einer Schlange;
unten links der Hund mit der brennenden
Fackel int Akaule, welche die Erdkugel er-
leuchtet; Hinweis aus deit Traum seiner
Mutter.
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