Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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7. Der heilige Hiero n ij nt u I, der
Kirchenlehrer, nüt dein Kardinalshut, dessen
Schnüre bis ans den Boden hinabreichen,
hält in der Linken ein Stabkreuz. Als
Attribute hat er den an ihm hinansspringen-
den Löwen imb in den Ornamenten drei
Dodtenköpfe mit Gebeinen.

8. Gin Ordenspriester (Prämonstra-
tenser) hält in der Linken ein Buch, in
der Rechten einen Palmzweig, auf dem
ein Vogel sitzt; auch ans bem Rankenwerk,
das den Ordensmann umgibt, sitzen rechts
nnb links je ein Vogel, die ben Heiligen
am Gewände zupfen.

9. Der heilige Nikolaus, Bischof
non Mpra, ztt dessen Seite ein Weinstock,
hat in der Rechten den Bischofsstab, mit
der Linken theilt er an Kinder die gol-
denen Aepfel aus.

10. Wieder ein unbekannter Prämon-
ftratenfer, hält rechts einen Palmzweig,
lniks einen Stab und trägt Rosen im
Schoosie.

11. Eine ganz eigenthümliche Darstel-
lung: ein Mann mit Nilnbns nnb in
vornehmer weltlicher Gewandung sitzt in
einem Lehnstuhle. Vor ihm schwebt auf
Wolken eine Franengestalt, wohl die hl.
Jungfrau, nnb heilt ihm, wie es scheint,
die vom Arme getrennte rechte Hand wie-
der an. Links sieht man eine ganz eigen-
tbümliche Maschine, die auf einem Sockel
steht, durch eine Kurbel drehbar ist und
auch von einen: Engel in Bewegung ge-
setzt wird; darüber ist die Inschrift: vis
certa consequentiae. Oben halten zwei
Engel mit einander drei brennende Fackeln,
welche oben selbst wieder mit einander
verbunden sind.

12. Ein Einsiedler, mit Kutte, Mantel
und Kapuze bekleidet und einen Rosen-
kranz am Gürtel, trägt eine Kirche oder
Kapelle, vor der ein kleines Haus, wohl
die Einsiedelei andeutend, steht.

13. Der heilige Petrus nimmt,
wie im südlichen Gestühl der hl. Paulus,
hier die vorderste, d. b. die dein Hochaltar
nächste Stelle ein, weil beide Patrone der
Kirche sind.

Die K. Regierung, welche die Baupflicht
an der Kirche hat, ließ dankenswerther
Weise durch das K. Bezirksbanamt Ravens-
burg das Chorgestühl renoviren, welches
den Bildhauer M. S ch l achte r iu

Ravensburg mit der Arbeit betraute.
Es mnrben die vielen fehlenden Theile
besonders an den Ornamenten, aber auch
an den Figuren wieder richtig ergänzt
und in Harmonie gebracht mit dem Vor-
handenen und das Ganze mit einem La-
surton überzogen, der das Chorgestühl jetzt
wieder herrlich und wie aus einem Gusse
erscheinen läßt. Möchte in dieser Weise
mit der Restauration fortgefahren werden
und namentlich bald der schöne Hochaltar
an die Reihe konunen!

Die kirchlichen Metallarbeiten.

Eine systematische Darstellung von
Konrad Kümmel.

(Fortsetzung.)

Voll ben Kunstgußw erken; Schluß.

Die deutsche Kunst in der frühesten
Renaissancezeit zählt viele Namell, aber
Einer überragt sie alle thurmhoch. Das
ist der Nürnberger Meister Peter
Bischer, der 1488 Meister wurde und
1529 starb. Er hat Nürnberg zum Mittel-
punkt der edlen Metallgießkunst gemacht,
und seilt Werk, das St. Sebaldus-
grab in der gleichnalnigen Kirche, ver-
kündet ebenso hell nnb laut seinen Ruhm,
wie die Erzthüren in Florenz ben G h i-
bertis. Mit feinen Söhnen arbeitete
P. Bischer von 1508—1519 an dem
großartigen Werke, das noch vollständig
erhalten ist. Allerdings ist es ganz anders
ausgefallen, als sein ursprünglicher Plan
zeigte. Aus demselben war das Grab nem-
lich gedacht mit einem geradezu riesigen
Aufbau voll sich verjüngeilden (3) PprgmideL
mit Fialen, Nischen, Konsolen, Krabbelt
nnb Eselsrücken spätgothischer Art. Teilt
Künstler schwebte offenbar beim Entwurf
etwa das Sakramentshäuschen von St.
Loreltz vor, das die Höhe des gangen
Chors noch überragt; denll sein Plan zeigte
eine Gesantlnthöhe des Sebaldusgrabes,
tvelche fast das Vierfache der heutigen
wirklichen Höhe geworden wäre, also ca.
30 Meter hoch. Aber dieser ganze, jtrelig
gothisch gedachte Aufbait über den: Sarg
siel weg, bezw. wich er drei stuntpf nnb
nicht eben sehr geschmackvoll abbrechenden
Kegellt mit buntem Kleinzeug. Dagegen
hat der Sarg selbst nnb die Halle, unter
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