Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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da sollte man entweder den Erzguß an-
wenden, oder, wenn man sparen will, es
bei einer guten Holzschnitzarbeit belassen,
wenn keine Arbeit in Stein geeignet er-
scheint. Gerade letzteres Material ist wie
kein anderes geeignet, viel wärmer und
inniger anzusprechen, als das starre, spröde,
fabrikmäßige Gußeisen. Alan vergleiche
z. B. einen modernen Gußcruzifixus mtf
irgend einem Gottesacker mit einem alten,
mächtigen Holzschnitzwerk — das letztere
spricht selbst im Zustande der Halbzerstö-
rung durch Wind und Wetter noch unend-
lich tiefer an, als ersterer!

Es kämen noch Zinnguß werke in Be-
tracht. Seit beni 13. Jahrhundert, wo
im Erzgebirge Zinnlager entdeckt wurden,
nahm die Zinngußknnst ihren Aufschwung
und man goß damals sogar Kelche ans
diesem Metall (z. B. um 1469 im Kloster
Heilsbronn). In Nürnberg und Prag
goßen Meister der Zinngießerei (mit eigenen
Jnnungssatznngen) kirchliche uub weltliche
Gefäße und Geräthe. Besonders waren
es Sakristeigeräthe, Lavabo-, Sans- uub
andere Kannen, Schüsseln n. s. w., welche
auf diese Weise hergestellt und namentlich
zur Renaissancezeit noch mit Reliefs und
Gravirungen reich verziert wurden. Gerne
wurden auch aus solchen Gefäßen, die zu
Familien-, Zunft- und ähnlichen Zwecken
dienten, die Figuren der seligsten Jung-
fmu, der Apostel rc. eingegossen. Die
bedeutendsten Zinngießer sind die beiden
Schweizer Meister Endterlein von
Basel (F 1633) und Briot, seit 1604
in Lucens im Canton Waadt ansässig.
Der letztere ist in gewisser Weise der Ge-
burt nach Württemberger, sofern er in
Mömpelgard, der Hauptstadt der dama-
ligen württembergischen Herrschaft geboren
ist. Eine Neuerung des ersteren Meisters
war, daß er Hängeleuchter von Zinn goß.
Auch Särge edler und vornehmer Verstor-
benen wurden ganz ans Zinn gegossen;
so z. B. finden sich in der Gruft der
Stuttgarter Stiftskirche prachtvolle Zinn-
särge aus dein späteren Mittelalter.

Guß werke aus edlem. Metalle, Silber
und Gold, kommen aus begreiflichen Grün-
den — der Kostbarkeit des Materials —
selten und nur in kleineren Stücken vor.
Aus dem Alterthunl allerdings wird wie-
derholt von massiv, d. h. gegossen gol-

deilen Gerüchen berichtet uub man hat,
z. B. in (Sitertga noch gegossene Goldwerke
gestlllden. Zweifellos waren die größeren
Werke von welchen berichtet ist, sie seien
„aus Gold", eben mit getriebenem Gold-
blech überzogen, dagegen die kleineren
Zierathen daran oft ans dem puren Metall
gegossen. In: Norden (Deutschland, be-
sonders auch Jslalid) wurden zur Zeit
der Völkerwanderung Spangen, Broschen
n. s. w. ails purem Gold gegossen. Die
Allgaben ails bem 4.—11. christlichen
Jahrhundert über das Gewicht goldener
lllld silberner Altargeräthe u. s. w. legen
gleichfalls nahe, daß massive Gußwerke
darunter waren. —

Wir kommen nun zu der anderen
Art der Metallbearbeitung, die
man mit dem Collektivnamen „Schmie-
deil" bezeichliet.

Oer Oelberg in der lbtadtpfarrkirche
zu Oiengen.

Eine kunsthistorische Studie von Or. Otto Hafner
in Tübingen.

(Schluß.)

Der Oelberg und besonders die schmerzhafte
Mutter Gottes ist der katholischen Gemeinde
Mengen und der Umgebung ein theures Gut.
Ein ewiges Lichtlein brennt Tag und Nacht da-
vor. Viele Votivgeschenke hangen an dem die
Kapelle einschließenden schönen Gitter. Diese
Madonna ivird nemlich als Gnadenbild verehrt
und diese Verehrung basirt aus einen: geschicht-
lich berichteten und aktenmäßig belegten Vor-
gang?) Der schwedische General Horn zog von
Ehingen—Riedlingen gegen Menge«: heran, weil
dieses sich weigerte, Waffen und Munition nach
Ehii:gen zu liefern. Frühmorgens um 1 Uhr-
des 18. Mai 1632 erschienen 40 schwedische Reiter,
in: Namen Schwedens die Stadt zur Uebergabe
aufsordernd. Die Antwort wurde proiupt er-
theilt: die meisten der Reiter wurden von den aus
der Stadtinauer stehenden Bürgern niedergeschoffen.
Die übrig gebliebenen warfen ihre toten Kame-
raden in die Donau und eilten nach Riedlingen
zurück. Am Nachinittag desselben Tages erschien
der schivedische Kominandant mit seinen: ganzen
Corps vor den Stadtthoren und forderte zur
Uebergabe auf, „wo sodann die Mutter Gottes,
als man die Vesper betete, die Stadt Menge::,
nachdem sie im Beiseyn vieler Personen ge-
weinet und das gesicht unterschiedlich entfärbt
hat, von: Untergang befrepet hat". (Bericht des
Menger Magistrats vom 24. Mai 1632 an den
Hof des Erzherzogs Leopold von Oesterreich zu
Wien.) Zuerst sah die Aenderung die Menger

0 Die Relationen in Abschrift übersandte mir
gütigst Herr Stadtschultheiß Laub in Mengen.
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