Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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wird im Ernste niemand als eine anthen-
tische Auslegung dieser Inschriften halten
wollen. Der heitere Vorfall ist nur ein
Beweis dafür, daß die Inschriften, für
sich genommen, eitle völlig entgegengesetzte
Auslegung Anlassen und uralt daher bei
ihrer Erklärung vor allem die Zeitnm-
stände All berücksichtigen hat.

(Schluß folgt.)

Jur Grünewald-Horschung

von Max Bach.

Jlt letzter Zeit sind über Matthias Grüne-
wald, den Meister voll Aschaffenburg einige
liene Studiell veröffentlicht worden, welche
beit bisher wellig beachteten nlid vielfach
llnrichtig beurtheiltell großen Nteister in
eill helleres Licht stellen.

Noch in den sechziger Jahren war sein
Hauptwerk, nemlich der Altar ans dem
Antoniter Kloster zu Jsenheim, jetzt in
Kolmar, liicht bekannt oder wenigstells llicht
ihm zugeschrieben. Erst Friedrich Nieder-
mayer hat darüber im „Repertorium für
Kunstwissenschaft" VII. Bd. 1884 volle
Klarheit gebracht. Er hat nachgewiesen,
daß schon im Jahr 1573 Bernhard Jobin
zu Straßburg in seinem Werke „Accuratae
effigies pontificum maximorum" die Bil-
der erwähnt nlld auch Sandrart in seiner
bekanntell Akademie davon Notiz llimmt,
nur ist hier der Ortsname verschrieben.

Jetzt ist eine neue, sehr ansprechend
geschriebene Studie über den Meister voll
Heinrich Alfred Schniid erschienen, welche
dem, aus Veranlassung der Eröffnung des
historischen Museums gu Basel, gedruckten
„Festbuch" einverleibt ist. Schund gibt
eine feinfühlige, eillgehend behandelte Cha-
rakteristik seiner Werke insbesondere des
Jsenheimer Altars. Der Künstler nimmt
zll seiner Zeit eine ganz eigenartige Stel-
lung ein; der breite malerische Stil, das
leuchtende Kolorit mtb die vor keiner Ver-
zerrlliig zurückschreckende Wildheit in Aus-
druck illld Bewegung ist keinem seiner
Zeitgenossen eigell. In seiner scharf aus-
gesprocheliell Tendenz steht Grünewald int
Zeitalter der Reformation einzig da, mall
filldet ül seinen Werken keine Spur von
einem Verhältnis; zum Humanismus, er
steht ganz im Dienst der Kirche und hat,
so viel bekannt, nur Altarbilder gemalt.

Sicher ist, daß der Künstler voll dein Kar-
dinal Albrecht von BrandeiDurg, Erz-
bischof voll Mainz (1514—1545) vielfach
beschäftigt war; eine Predella mit beit
Wappen dieses Kirchenfürsten sieht man
noch in der Stiftskirche zu Aschaffenburg.
Dort befand sich früher noch ein anderes
Werk des Künstlers, ebenfalls eine Stif-
tung des Kardinals Albrecht für die
Stiftskirche zll Halle, aber scholl 1540
llach Afchaffenbllrg gebracht, und jetzt in
der Pinakothek zu München befindlich.
Dieses Werk galt früher als eilt Hanpt-
werk des Meisters uitb wurde vielfach
mißverstanden und falsch beurtheilt. Nur
das Mittelbild des Altars, darstellend den
heiligen Erasmus und Mauritius', silid
von der Hand Grünewald's, die Flügel
mit den Heiligen: Chrpsostomus, Magda-
lena, Lazarus ttitb Martha gehören jenem
neuerdings iit die Kunstgeschichte ein ge-
führten Pseudogrünewald all, welcher llach
den Forschungen Niedermayer's ohneZweifel
mit dem Maler Simon von Aschaffenburg
zu idelitifizieren ist. Den Vorwurf des
Gemäldes hat man als die Bekehrung des
hl. Mauritius bezeichnet, was durch die
Darstellung aber ausgeschlossen ist, denn
Mauritius tritt als der Redende, Han-
delnde auf. Die Heiligen erscheinen in
eitler Santa Conversatione, das Gespräch
ist aber so lebhaft, daß man einen Vor-
gnllg dargestellt glaubt. Die Nebenfiguren
bienen nur dazu, die mächtigen, über lebens-
großen Vordergrundfiguren plastisch mtb
imponirend heraustreten zu lassen, sie tra-
gelt Tellernimben, scholl das entrückt sie
der irdischen Sphäre illld deutet an, daß
wir es eigentlich mit einem Gnadenbild
zil thnll haben.

Außer diesen beiden Altarwerken in Kol-
mar illld Münchelt mtb der Predella zu
Aschaffenburg hat man dann noch ver-
schiedene Passionsbilder von Grünewald;
eilte Kreuzigung Christi mtb deren ehe-
malige Rückseite, eilte Kreuzschleppung,
ehemals in der Kirche zu Tanberbischofs-
heint, sowie eilte Kreuzigung in der Kunst-
sammlung zu Basel. Eilte dritte Kreu-
zignllg, welche sich einst int Besitz des Her-
zogs Wilhelm von Bayern befunden hat,
ist llur iit Kupferstich erhalteu.

Die Jsenheimer Kreuzigung beschreibt
Schund so dramatisch ergreifend, daß wir
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