Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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Auch einige Handzeichnungen werden
namhaft gemacht, welche dem Meister zu-
geschrieben werden; vor allem eine Ver-
kündigung Mariä von 1512 im Berliner
Knpferstichkabinet und dann die vielbe-
sprochenen Reiter im Kampf mit den
Meletten in der Albertina zu Wien, von
welchem sich eine Wiederholung im Stutt-
garter Alterthunlsmuseum besindet, welche
mit dem Monogramm Dürer's versehen
ist und lange Zeit als ein Werk des-
selben galt.

lieber andere, unserem Meister an
verschiedenen Orten zugeschriebenen Bilder,
gibt Riesfel am Schluß noch weitere Aus-
kunft. Der Verkündigungsaltar in Schwa-
bach, welchen noch Niedermayer Grüne-
wald zuschreibt, ist von Hans von Kulm-
bach, die Heilsbronner Flügel, welche
schon Waagen dem. Künstler znschreibt,
sind Hauptwerke des Wolf Traut. Das
jüngste Gericht im germanischen Museum,
die Beweinung Christi im bayerischen
Nationalmuseum, eine Kreuzigung in Mainz,
eine deßgleichen in Schleißheim von 1503
und andere Bilder in Wien itub Bam-
berg gehören dem Meister nicht an.

lieber die Lebensverhältnisse Grüne-
wald's weiß man lediglich nichts, sicher
ist, daß er von Aschafsenburg gebürtig
war, wo urfunbtict) ein Meister Mathis
Maler 1489 vorkommt. Seine Haupt-
werke schuf er in den Jahren 1510 bis
1520, nach 1525 scheint er gestorben zu
sein, denn nach einem im Kreisarchiv zu
Würzburg noch ausbewahrten Ausgaben-
register der Kanzlei des Kardinal's Albrecht
werden beut Meister Mathis Maler anno
1525 20 Gulden an seiner Schuld in
Abschlag gebracht.

literal iu°.

F. v. Reber's Abhandlungen über
die Anfänge der Ulmer Schule;
angezeigt von Pfarrer Or. Probst.

In neuester Zeit sind von dem hervorragenden
Kunsthistoriker F. v. Reber in München zwei
Abhandlungen') erschienen, welche sich über die
Anfänge der schwäbischen Tafelmalerei und
Holzplastik verbreiten.

Die Bedeutung dieser beiden Abhandlungen ist

') Sitzungsberichte der bayerischen Akademie
der Wissenschaften 1894 S. 343: Ueber die Stil-
entwicklung der schwäbischen Tafelmalerei im
14. und 13. Jahrhundert; und ebendaselbst
1898 II. S. 1: Hans Multscher von Ulm.

für die deutsche und speziell für die schwäbische
Kunstgeschichte so tiefgreifend, daß wir glauben
den Lesern des „Archivs" eine Anzeige schuldig zu
sein, wobei freilich nur die wichtigsten Resultate
aufgeführt werden können.

Das älteste Tafelbild in Schwaben besindet
sich in Beben hausen, das durch Paulus ver-
öffentlicht worden ist; dasselbe schließt sich an
die Wandmalerei des 14. Jahrhunderts an. Der
Ursprung dieses Gemäldes ist unbekannt; aber
wir glauben nicht gu irren, wenn man an das
Cistercienserkloster Salnr an ns weiler denkt.
Dieses Kloster hat ja den Bruder Georg als
Architekten nach B e b e n h a u s e n gesandt; dort
muß auch das Bedürfniß der inneren Ausschmückung
der Kirche durch Malerei und Plastik sich
schon frühzeitig geltend gemacht haben, wie auch
Paulus geneigt ist, dasselbe als einen bedeutenden
Mittelpunkt der Kunstübung in Süddeutschland
zu betrachten.

Erst im Jahr 1431 tritt dann ein Cyklus von
Tafelmalereien in Tiefenbronn hervor, welcher
inschriftlich von Lukas Moser in Wyl herrührt.
Dieser Meister wird durch v. Reber einläßlich
behandelt und gewürdigt, aber auch konstatirt,
daß seine Malerei nicht an die Wandmalerei,
sondern an die Miniaturmalerei sich anlehne und
daß es zweifelhaft bleibe, ob man denselben init
dem Oberrhein oder'mit der Bodenseegegend oder
init Ulm in Verbindung setzen soll. Der „Holz-
schnitzstil" ist dein Meister Lukas Moser iroch
fremd, tritt aber 1469 in dem Werk des Hans
Schüchlin voi: Ulm schon deutlich hervor. Die
Bestrebungen, über die Anfänge der Ulmer Schule
Licht zu gewinnen, waren unter sülchen Umständen
noch keineswegs jit befriedigenden Resultaten ge-
langt und F. v. Reber sieht sich schließlich ver-
anlaßt, um weiteres Licht zu gewiiiiien, an die
Lokalforschung zu appellieren. Günstiger Weise
hatte die Lokalforschung in dieser Sache einen
namhaften Erfolg schon errungen durch Herrn
Custos Fischnaler in Innsbruck. Dieser ver-
dienstvolle Forscher hatte in der Zeitschrift des
Uerciinanäeum schon 1884 aus den Urkunden der
Stadt Sterzin g in Tirol entnommen und be-
kannt gemacht, daß ein Meister Hans Multfcher
den Altar in der Pfarrkirche zu Sterzing 1456 bis
1458 gefertigt habe, dessen einzelne Theile zum
größten Theil noch daselbst erhalten sind und
sprach 1893 seine aus den Urkunden geschöpfte
Ueberzeugung aus, daß dieser Meister kein
Tyroler, sondern ein Ulmer sei. In der Heimath
desselben hatte inan wohl eine Anzahl von wichtigen
Notizen über das Leben desselben, aber es hatte
sich hier kein beglaubigtes Werk desselben erhalten.

Der Verfasser dieser Anzeige beeilte sich des-
halb, die Leser des „Archivs" über diesen Erfolg
der Lokalforschung iit Sterzing in Kenntnis; zu
setzen. Nunmehr aber ergreift F. v. Reber mit
seiner hervorragenden Sachkenntniß und Energie
diesen Gegenstand und widmet demselbeir als Er-
gänzung der ersten Abhandlung eine eigene Ar-
beit mit dem Titel: H ans M ults ch e r von Ul m.
Seine Untersuchungen an Ort und Stelle (Sterzing)
erstreckten sich nicht blos aus die Kunstobjekte
daselbst als solche, sondern auch auf das Urkunden-
material, das schon Fischnaler an den Tag ge-
! fördert hatte; die Einträge werden der Reihe nach
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