Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

Seite: 37
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5111U Theile heruntergeschlagen und das
jetzige Stichkappengewölbe angebracht wurde.
Eine zweite Erweiterung der Kirche gegen
die Westseite hin mit einem Kostenaufwand
von ca. 25 700 Alk. geschah im Jahre
1860. Obgleich nun aber zehn Jahre vor
dieser Erweiterung Altäre und Kanzel mit
einem Aufwands von ca. 5000 Alk. reno-
virt wurden, machte sich doch wieder stark
das Bedürfnis; geltend, eine abermalige,
aber durchgreifende Renovation der Kirche
vorzunehmen, und hier erhob sich vor allen:
und zuerst die Frage: was soll mit der
inneren Ausstattung geschehen? Sollen
noch einmal Tausende allsgegeben werden,
um die Altäre abernlals neu zu polychro-
miren und zu vergolden? Welchen Kunst-
werth haben sie? Daß der Hochaltar so-
wohl in Architektur als in Figilreu und
Ornamentik völlig kunft- lind werthlos
lvar, darüber war alles einig. Bei
den Seitenaltäreu, die etwas besser waren,
erhob sich doch die Frage, ob nicht mit
Beibehaltung der größeren Architekturtheile
und nach Beseitigung der Nebenfiguren,
die völlig unwürdig waren, eine Reno-
vation genügen würde. Nach gemachtem
Koftenüberschlage aber über die neuen Fi-
guren, über Altartisch, Säitleit, Lisenen
zum Tragen des Hauptgesimses und was
alles noch erneuert werden sollte, kau: eine
Summe heraus, die der eines Neubaues
der Altäre nicht mehr ferne stand, daher
auch ein solcher beschlossen wurde. So
ivurde denn, nachdem zuvor noch eine
Kollekte seitens des Ortspsarrers und
Schultheißen mit schon früher gestifte-
ten Legaten die Summe voll 18 000 Alk.
ergeben hatte, beschlosseli, die ganze innere
Ausstattung und zwar den: Stile der Kirche
an: besten unpassend im italienischen Re-
naissancestil neu zu beschaffen, Pläne fer-
tigen zil lassen und dieselben mit Gut-
achten des Vorstandes des Diözesau-Kuust-
vereins der kirchlichen Oberbehörde vorzu-
legeli.

Die Fertigung des Planes zun: Hoch-
altäre wurde dem Bildhauer Metz in
Gebrazhofen übertragen und derselbe auch
in der künftlerischelt Weise komponirt nnb
ausgeführt, wie man es seitens dieses
Altmeisters im Altarbaue gewöhnt ist. Er
bildet einen Hochbail und enthalt in seiner
Hauptnische, eine schöne, sehr lvürdig nnb

eindrucksvoll gehaltene Kreuzigungsgruppe,
slaukirt von deil Statuen der beiden Kirchen-
patrone St. Gallus nnb St. Magnus,
über deren Nischen je zwei kleine Engel
mit Leidenswerkzeugen angebracht sind;
den obersten und mittleren Abschluß des
Altares bildet eine kleilie Nische mit dem
Bilde von Gott Vater. Der Doppeltaber-
nakel, innen mit Seidendamast ausgeschla-
gen und auf den Tbürcheu zwei Cherubine
in Relief, zeigt nach ailßen reiche Ver-
goldung, die Symbole der vier Evauge-
listen nnb zur Seite ebenfalls zwei Eilgel.
Jul Alltipeudiilm ist das Opfer Melchise-
dechs als Reliesbild dargestellt, eine siguren-
reiche Komposition, die wieder die volle
Meisterschaft des Plastikers zeigt, im Ein-
zelnen allerdings sich als weniger durch-
modellirt erweist. Der Hochaltar präseu-
tirt sich in ziemlich reicher Vergoldung,
was ihn: im Verein mit den polychro-
mirten, fast durchweg künstlerisch trefflich
durchgesührten Figuren ein lebhaftes An-
sehen verleiht, so daß das nicht durchweg
schön ititb astlos gewühlte Eichenholz, aus
dem er gebaut ist, keinen auffallend un-
günstigen Eindruck in die Ferne macht.
Der durch diese seine reiche Vergoldung
auch int Schiffe der Kirche noch stark wir-
kende Hochaltar kostete im Ganzen 4200 Alk.

Die Seiteualtäre sowie die K a u z e l
stamuten aus dem Atelier non Schnell
hi Ravensburg und sind, ebenfalls nach
wahrhaft künstlerischen Entwürfen, fein
und in tadellos schönem Material (Eichen-
holz) ausgeführt, besonders erregen die
flott, sein und höchst sauber aus dem
Eichenholzgrunde herausgeschnitzten Or-
namente unsere volle Aufmerksamkeit. Der
rechte Seiteualtar enthält in der Mittel-
nische das Hauptbild, eine schöne Herz-
Jesu-Statue, in liebevoll einladender Hal-
tung, slaukirt von den Heiligen Sebastiaum
und Franziskus von Assisi. In der Ab-
schlußnische nach oben sieht man den hl.
Wendelin, einen der Patrone des Bauern-
standes und im Autipendium Christus und
die zwei Jünger in Emaus, den Heiland
am Brodbrechen erkennend. Die Predella
birgt in ihrem Innern ein heiliges Grab
für den Charfreitag. Der linke Seitenaltar
ist der hl. Jungfrau gewidmet und trägt
deshalb in seiner Hauptnische die schöne
Statue der Himmelskönigin mit dem Kinde,
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