Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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politischen Verhältnisse Deutschlands und zwar
die in Preußen, Bayern, Württemberg, Baden
und den übrigen Bundesstaaten. In der alpha-
betischen Reihenfolge der deutschen Kirchenpro-
vinzen steht an der Spitze die Kirchenprovinz und
Erzdiözese Bamberg. Ihr Ursprung und ihre
Geschichte wird zuerst erzählt, dann folgt Ge-
schichte und Beschreibung des Domes und seiner
kirchlichen Kunstschätze und endlich die Darstellung
der jetzigen kirchlichen Verhältnisse der Erzdiözese.
Als Tafelbilder finden wir in diesem Hefte die
großen Porträts der beiden Erzbischöfe von Prag
(Kardinal Schönborn) und Bamberg (Or. Schorkj
lind die Sixtinische Madonna von Raphael und
verschiedene historisch oder künstlerisch werthvolle
Bilder im Texte. Es scheint nach allem, daß
auch dieser zweite Band ein Prachtwerk
werde gleich dem ersten! Detzel.

L ud w i g R o sent ha ls K a t a l o g. Katalog
100 von Ludwig Rosenthals Antiquariat
in München, Hildegardstr. 16. Mit 126
Illustrationen imb Faksimiles M. 6.

Dieser reich illustrirte und schön ausgestattete
Katalog enthält über 2000 Nummern seltener
und kostbarer Werke aus allen Fächern: Manu-
skripte, Jncunabeln, Holz- und Metallschnittwerke,
Liturgie, Ornamentik u. st w. Nur wenige,
äußerst kostbare und hochinteressante Nummern
seien hier genannt, z. B. Nr. 295 a Breviarium
ord. S.Francisci, wohl das älteste Manuskript
eines Franziskaner Breviers. In demselben ist
ivohl noch die Kanonisation des hl. Dominikus
>1234), aber nicht mehr die der hl. Klara (1253)
angegeben, und es stammt deshalb dieses sehr
kostbare und schöne Manuskript aus dieserZwischen-
zeit (Preis 5000 M.). Die Nummern 820 und
821 enthalten Horae Beatae Mariae Vir-
ginis, äußerst kostbare, niederländische Manu-
skripte auf weißem Velinpapier au§ dem 15. Jahr-
hundert ; echteres (8000 M.) enthält 16 reizende
Miniaturen, wovon der Katalog vier gibt, letzteres
(4000 M.) hat 9 größere und 18 kleinere Minia-
turen, von deren ersteren der Katalog die wunder-
schöne Kreuzigung kopirt enthält. Interessant
ist auch die „Sammlung von Schifffahrten in
verschiedene fremde Länder, durch L. Hulsius
lind andere aus dem Holländischen ins Deutsche
übersetzt. I.—XXIII. Theil. Franks., Oppenheim
und Hanau 1605—32". (Nr. 848 — 5000 M.)
Ein so vollständiges Exemplar dieser merkwürdigen
Reisebeschreibungen in so guter Erhaltung gehört
zu den allergrößten Seltenheiten. Wichtig für
die Kunstgeschichte ist ein „Skizzenbuch au§
dem Atelier M. W o h l g e m u t h s. 15. Jahr-
hundert. Manuskript auf Papier mit 108 höchst
merkwürdig kolorirten Zeichnungen auf 79 Blatt"
(Nr. 1796 — 8000 M.). „Außerordentlich interes-
santer Band, dessen Darstellungen ganz sichtlich
von der Hand drei verschiedener Künstler her-
rühren. Einige der Bilder, welche im „Schntz-
behalter" fast in derselben Ausführung ivieder-
kehren, haben uns auf die Vermuthung^ geführt,
daß diese Zeichnungen, wenigstens ein Theil der-
selben, von dem Illustrator dieses berühmten

Werkes, dem Nürnberger Maler M. Wohl-
gemuth herrühren dürften und die übrigen
vielleicht unter seiner Anleitung von Schülern
in seinem Atelier, auch von Dürer, ausgeführt
sein können." Als die theuerste Nummer mit
18 000 M. ist die Epistoia Christophori Colom
(Eolumbus), datirt „Vlisbone pridie idus Martii“
und unterzeichnet ,,Christophorus Coloin Oceane
classis Prefectus“ aufgeführt (Nr. 1879). Detzel.

Beicht-, F i r m - und K o m m Union-
Audenken, Heiligenbilder. Berlags-
austalt Benziger u. Co., A.-G., Cin-
siedeln, Waldshut, Köln a. Rh.

Es ist eine allgemein verbreitete Sitte
und ein schöner Brauch, zur Erinnerung an die
erste heilige Kommunion Andenken auszutheilen,
die gewöhnlich in Bildern bestehen. Nun läßt
sich nicht leugnen, daß hier förmliche Kunst-
fabriken entstanden, die den Markt oft mit großem
Schunde, mit häßlicher, sentimentaler Waare
oder mit noch Ungeeigneterem förmlich über-
schwemmten. Damit solche Bilder ihrem er-
habenen Zwecke entsprechen, sollen sie einmal ein
größeres Format haben, als die gewöhnlichen
Heiligenbildchen, dann sollen sie immer erbaulich
und würdig sein, sollen Darstellungen enthalten,
die auf das allerheiligste Sakrament Bezug haben
und soll dieser Inhalt so gegeben sein, daß die
Erstkommunikanten das Bild vor allem auch ver-
stehen. Die Neuzeit sucht denn auch diesen Er-
fordernissen nachzukommen: alle hervorragenden
kirchlichen Kunstinftitute haben sich, schon im
eigenen Interesse, mit der Produktion geeigneterer
Erstkommunionandenken befaßt und es ist eine
sehr reiche Auswahl vorhanden. Eine solche
Auswahl von Bildern, die allen billigen Anfor-
derungen entsprechen und vielfach ganz Hervor-
ragendes zeigen, liegt uns von der Benziger'schen
Kunstanstalt vor. Schon die kleineren Dar-
stellungen, zum Theil m Form von Altärchen,
verbinden Geschmack mit Würde und Farben-
pracht; dazu kommen aber größere Blätter, eigent-
liche Kommunionandenken, die sich zur Hohe von
förmlichen Kunstwerken erheben. Namentlich ist
es ein Kreuzigungsbild im sogenannten Kata-
kombenstyl, das künstlerisch werthvoll genannt
werden muß sowohl in Hinsicht seiner Anordnung
als Ausführung und Technik. Das Original
stammt von dem Künstler Fritz Kunz, der sich in
religiöser Kunst bereits einen Namen gemacht.
Es sind im ganzen sechs für sich abgeschlossene
Gruppen, stylistisch ernst und groß gehalten, durch
eine in Gold, Tiefroth und Schwarz ausgezeichnet
wirkende Umrahmung aufs gelungenste zu einem
Gesammtbilde von großer Schönheit vereinigt.
Die Komposition ist vom kirchlichen Geiste be-
herrscht, ist frei und leicht von sicherer Künstler-
Hand entworfen und von großer Wirkung. Ein
solches Bild ist auch iverth, daß man es in Rahmen
legt und in der Familie aufbewahrt. A.

Hiezu eine Rnnsibeilage:

Grabdenkmal des Lerndt v. d. Schulenburg in der
St. Iratbarineukirche zu Brandenburg a. d. Havel.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches VoikSblntt".
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