Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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Feierlichkeiten aufstellte, ist später wegen des
Materialnnrthes geraubt und eingeschmolzen
worden, so z. B. die Werke des DomeS
zil Merseburg, 31t Petershausen bei Kwl-
stauz u. s. w. Aus der späteren romnuischeti
Feit stanlmen der Schrein des heiligen
Godehard zu Hildesheim, der alle anderen
Werke übertreffeude Kölner Doiuschreiu
aus getriebeueur Gold und Silber (Sarg
der heiligen Dreikönige) tlud der Schrein
Karls des Großen in Aachen.

(Fortsetzung folgt.)

Lin Gang durch restaurirteRirchen.

Von Pfr. Detzel.

(Fortsetzung.)

Den Lchlnßsteiit der Restauration bilden
die zwei gem alten Fenster des Chores,
die wieder als Kunstwerk im eigentlichen
Sinne des Wortes bezeichnet werden
müssen. Sie stammen aus der Glas-
malerei anstatt von G n a n t i u 9R ii it ch e n
nitb bringen je zwei Seetien ans dem
Leben des hl. Gallus und des hl. Rtag-
nus zur Darstellung. Es hat utis ge-
freut, als der Pfarrherr U>r. Vochezer
auf unfern Vorschlag, für die Fenster
Seeneil aus der Legende zu wählen, eiu-
gieng; ist hier ja für die christliche Knust
eine unerschöpfliche Quelle gegeben, die
besonders auch für die Glasmalerei ans-
geuützt werden sollte, da mir in den
Fetlsterdarstellungetl immer lieber historisch- j
legendarische Scenen als christologische
Kompositiotien sehen, die nrehr in der
Altarbildnerei ihren rechten Platz haben.
Freilich gehören dazu Meister, die solche
historisch-legendarische Vorgänge zu konl-
pouireu tm Stande sind. Unsere Skizzen
sind nun aber Originatkompositiouen von
deut Münchener Künstler Seb. Brunner,
die ebenso einfach als klar die Handlung
iviedergebeu und die allein schon, abge-
sehen von den herrlich gezeichneten Kar-
tons, die uns Vorlagen, das bedeutende
KomposWonstaleut des Künstlers zeigen.
Aus denl Leben des hl. Gallus hat das
Fenster aus der Epistelseite oben die Dar-
stellung, ivie der Heilige mit feinem Be-
gleiter Hildebold den Ort mit einem Kreuze
bezeichnet, wo er kurz darauf die „Sankt
Gallenzelle" (cella S. Galli) baute. Er
durchzog, ivie die Legende erzählt, mit

Hildebold, dem Diakon Willimars, die
hinter Arbon liegenden Gebirge, welche
j dieser als Jäger ititö Fischer gut kannte.

! Nachdenr sie fast einen ganzen Tag ver-
gebens herumgegangeu, kamen sie endlich
an das Flüßchen Steinach (Uetrosa), fingen
darin Fische und der Diakon begann sie
, zu backen. Der hl. Gallus gieng seit-
wärts, itm zil beten, blieb aber an einem
1 Dorngestränch hängen und fiel zur Erde.
Dies betrachtete er als einen Wink Gottes,
hier feine künftige Wohnung aufzuschlagen;
er machte daher ans zwei Hölzern ein
Kreuz, steckte es in die Erde, hieng dann
einige Reliquien daran nitb betete sofort
um Segen für sein Unternehmen. Hier-
auf genoffen sie gemeinsam das Mahl,
legten sich dann neben einem Feuer zur
Erde und schliefen. Als der hl. Gallus
während der Nacht zum Gebete aufstand,
sah er einen Bären herbeikommen, welcher
die noch übrigen Reste der Mahlzeit ver-
zehren wollte, der aber dann auf Befehl
des. Heiligen ganz willig Holz zum Feuer
herbeitrng. Diese Erzählung, die dein
Künstler unterbreitet wurde, ist nun in
einfachster Weise gegeben: in einem dunk-
len Tannenwalde hat der hl. Gallus eben
aus zwei Hölzern ein Kreuz errichtet und
biildet die Reliqilien daran fest, währeild
sein Begleiter neben ihm ein Feuer anf-
gemacht hat und Fische darüber bratet;
im Hintergründe trägt aus bem Dickicht
des Waldes ein zottiger Bär Holz herbei.

Von der Galluszelle ans arbeitete nufer
Heiliger mit feinen Gefährten vorzüglich
au der Bekehrung der Heideil, die iioch
in der Unlgegend wohnten, nitb kann so
mit Recht als der Apostel jener Gegend
angeseheil werden. Ilm diese Zeit lag
Friedebnrga, die Tochter des alemannischen
Herzogs Gnnzo, und Verlobte des austra-
lischeil Kölligssohnes Sigebert, 311 lieben
längen krank darnieder nitb der hl. Gallus
heilte sie durch fein Gebet. Diesen Vor-
gang zeigt Nils das untere Medaillon dieses
Feiisters: Friedebnrga liegt auf dein Kran-
kenlager und wird voll ihrer Mutter ge-
halteii, während der mit seinem Begleiter
erschienene heilige Gottesnlann, neben dein
der Vater des Mädchens voll Verwunde-
rung steht, den Abtsstab in der Linkeil,
j seine Rechte segnend über die Kranke ans-
i streckt.
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