Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

Seite: 51
DOI Heft: 10.11588/diglit.15904.33
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15904.34
DOI Seite: 10.11588/diglit.15904#0059
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1899/0059
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
des hl. Karl Borromäns bei Arona in
Oberitalien: mährend das Haupt und die
Hände Broncegnß sind, ist das Gewand
aus Kupfer getrieben: es handelt sich hier
nur eine Höhe von 21 Metern itnb ent-
sprechende Breite bezw. Umfang! Trotz
des hohen Preises wurden im letzten und
vorletzten Jahrhundert riesige Arbeiten in
getriebenem. Silber ausgeführt, so z. B.
für Profane riesige Tafelservice mit Wan-
nen mit) Becken von Silber, Silbertrompeten
und Posaunen für eine ganze Hofkapelle,
ja sogar silbergetriebene Balkone (z. B. in
Berlin int Schloß ein solcher für die Musik).
Für die Kirchen tvurden gleichfalls gatize
Silberansstattnngen geschaffen: mächtige,
oft riesige Leuchter von getriebenem Silber,
Krnzifire, großartige Monstranzen, die über
3—4 Fuß hoch waren, und ähnliche Osten-
sorien, Büsten und Figuren, bis ztt Lebens-
größe in Silber getrieben, um sie anfzu-
stellen mib bei Prozessionen zu tragen,
Rauchfässer, Weihwasser- und Taufbecken,
Kelche und Ciborien; Tabernakel wurden
oft mit Silber ausgekleidet oder ganz ans
getriebenem Silber gemacht (besonders in
der Rokokozeit); ebenso Antipendien unb
große Tafel- und Basenanffätze mit reli-
giösen Reliefs für Altäre, ja ganze Altar-
werke, tvie z. B. der Hochaltar in Regens-
bnrg, welchen Bischof Anton Ignaz Fugger
vor ca. 120 Jahren feiner Kathedrale
schenkte an Stelle des von beit Schweden
gestohlenen Silberaltars ans dem Anfang
des 17. Jahrhunderts, der 14',0 Zentner
Silber hatte. Die Monstranzen bekamen
statt des architektonischen Aufbaues rein
malerisch-gedachte Anlagen mit Engeln,
Heiligen, Gottvater n. f. w. in den Wolken
und Strahlenblitzen, welche die Lunula
umgaben, alles in üppigstem Relief ge-
trieben. Die berühmte Monstranz in Ingol-
stadt zeigt die Vernichtung des feindlichen
Admiralschiffs durch das christliche in der
Schlacht bei Lepanto: die Schiffe mit
Masten, Raen, Segel, Kanonen, Beman-
nung und Wimpeln, die Wellen, die darin
Ertrinkenden u. f. w. sind mit fabel-
hafter Treue und Geschicklichkeit hier an-
gebracht ; das Werk hat eine enorme Höhe
und entfprechenöes Gewicht; es ist auf-
bewahrt im „Bürgersaal". Die Kelche
der frühen Renaissance tragen gerne, be-
sonders an der Cuppa, ein durchlaufend,

streng stilisiertes Riemen- und Ornamenten-
werk, das aus Silber attsgeschnitten und
auf die Cuppa gesetzt worden ist, so daß
diese in demselben ruht, wie ein Ei in dem
Becher; später tritt an dessen Stelle das
ans der Cuppa selber herausgetriebene
Reliefwerk mit Roccaillen, Engelsköpfchen
n. s. w.; reichere Kelche aus der späteren
Barockzeit und dem Rokoko haben herrlich
umrahmte Medaillons mit feinem Porzellan-
Email; auch die Füße sind oft so ge-
halten. In reichster Weise gesellen sich zu
diesen dann noch kleinere Silberrosetten
und Ornamentchen durchbrochener Art mit
Steinen, die auf das Roccaille aufgeschraubt
sind, oder solche Anhänger mit Perlen u.f. w.
Rach Millionen zählte der Werth dieser
Kirchenschätze bis zum Einbruch der „Sä-
kularisation" , welche unermeßliche Beute
machte für die annektirenden Staaten und
Fürsten und dem Kunsthandwerk ebensolchen
Schaden zufügte, indem sie diese Pracht-
stücke einfach einschmolz. Ungeheuer müssen
die Bestellungen in Augsburg gewesen fein
zu jener Zeit; das schließen wir ans
per Wahrnehmung, daß z. B. fast alle
silbergetriebenen Werke in unserem Lande,
speziell im Oberlande, in der Ellwanger,
Gmünder und auch Mergentheimer Ge-
gend (dem bekannten Zeichen zufolge)
Augsburger Waare sind. Natürlich gab
es auch dort Mehr- und Minderwerthiges;
neben feinst durchgebildeten Treibarbeiten
sind auch solche zu sehen, die sehr grob
und schülerhaft gemacht sind; allerdings
ist bei letzteren in der Regel auch das
Material minderwerthig. Auch für Privat-
häuser wurde vielSilbergeräthe verwendet.
Teller, Löffel, Kannen, Basen, religiöse
Gegenstände, Krnzifire, Leuchter, Silber-
schränkchen und -Theken für Reliquien und
Bilder u. s. w. (Verfasser dieses ijt vor
einiger Zeit in den Besitz einer reizenden
Rokoko-Theke von Silber, Immaculata
getrieben, herrliche Arbeit, gekommen; es
war ein Pathengeschenk, gefüllt mit Gebets-
zetteln, Bildchen u. f. w., vielleicht auch mit
einem Rosenkranz für das Pathenkind.)

Wir glauben diesen Passus über die
höchste Stufe der Entwicklung nuferer
Treibknnst nicht charakteristischer schließen
zu können, als mit der Erwähnung der
Riesen-Ampel (offenbar Lampe verbunden
mit Kronleuchter), welche auf Bestellung
loading ...