Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

Seite: 54
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Sakristei und Nebengebnu. Alle diese Thore
und Thiiren von schrägdoppel zu machen und mit
rundköpfigen Nägeln zu beschlagen. Zwei Thüren
aus die Emporkirche und das Oratorium. Eine
Thüre auf die Kanzel von dein Musikchor aus:
diese alle von gestemmter Arbeit zu machen.
Und so auch die Einporkirchstiegen mit Docken
oder nach Verlangen ganz einzufassen. Weiters
übernehme ich auch die Kirchenstiihl in dem Lang-
haus mit geschweiften Docken, Armlehnen, Knie-
und Sitzbänk zu machen, auf der Emporkirche
aber die Stuhl ohne geschweifte Docken herzu-
stellen. Dagegen aber hat die löbliche Fabrik,
wann neue Altäre verlangt werden, samt den
Beichtstühlen, Kanzel und Stuhl für die Geift-
lichen im Chor aus ihre Kosten machen zu lassen.

Glaserarbeit famt Zubehör. Die ge-
säurten Fenster in der Kirche, Chor und Neben-
gebün nach dein Riß mit runden oder sechs-
eckigen Spiegelscheiben auf meine Kosten ver-
glasen zu lassen mich anbiete. Wogegen aber
die alten Fenster mir verabfolgt werden sollen.

Schmiedarbeit [amt Eisen. Zu dem Henk-
werk im Dachstuhl die erforderlichen großen Band
und großen eisernen Nägel in allen Balken ohne
Schließen, alles mit Gewind und Schrauben gut
und dauerhaft zu machen. Ferner die Schlau-
dern, wo es erfordert, in das Mauerwerk anzu-
schaffen, und dann auch die nöthigen Gerüst-
klammern zu dem Gerüste, so viel es erfordert,
beizubringen. Ueberhaupt alle Schmiedarbeit und
das Eisen hiezu übernehme ich auf meine Kosten
anzuschaffen.

Na gl erarbeit samt Eisen. Gairze Laist-
nägel, halbe dto., Viertels dto. Bodennägel,
ganze Lattnägel, halbe dto. zu der Jpsdecke und
anderer Arbeit. Raifnägel zu den Dachrinnen.
Schindlennügel zu den Dachrinnen. Schloßnägel.
Nägel mit runden Köpfen, zu beu Thoren größere
und zu den Thüren kleinere. Auch große Nägel
gu Wechsel und Schisfraffen, in Summa was es
von Nägel erfordert, übernehme ich anzuschaffen.

B au g es ch i rr für die Maurer und andere
Handmerksleut übernehme ich auch anzuschaffen.
Äußer dem Ausrichten sollen die großen Saile,
allenfalls von der Kirche die Glockensaile, ge-
geben werden.

Ueberdies übernehme ich alich nachstehende
Bau-M at eriali en anzuschaffen ohne Fuhr-
werk, tvelches in der Frohn oder aber von der
Fabrik leichter kann beigebracht werden, als:
Die erforderlichen gebackenen Ziegelstein; und
dann auch die erforderlichen Dachziegelplatten zu
den alteil. First- unb Gratziegel. Das Haar
lind Stroh zur Jpsarbeit unb den nöthigen Jps,
Kinnruß und andere ilöthigeil Wasserfarben zum
Anstreicheil. Säg-Holzmaterial, als drei- unb
vierzöllige Flöckling, ein- und einviertelzöllige
Bretter für die Maurer zum Gerüste und für
den Zimmermann zum Belegen der Kirchenböden
unb Kirchenrost, samt der Schreinerarbeit. Die
erforderlichen Dachplatteil unb alich die erforder-
lichen Jpsplatten, die nöthigen Dachschindeln zu
den Dachrinnen.

Alle vorstehend specificirten Arbeiten unb Bau-
materialien übernehme ich gut und ohne Mangel
meisterinäßig herzlistelleil um 7650 fl. Wann

aber gnädigst verlangt werden sollte, ivie der
Bauriß vorzeigt, die Kirche unb Chor mit einem
hölzernen Gewölb zu machen, unb in der Kirche
unb Chor Lessinen sollteil hergestellt iverden, auch
nach dein iveiteren Riß die Kirche und Chor mit
Stuecaturarbeit geziert werde, bann belauft sich
der Kosten auf 8300 fl.

Im Schiffe und Chore der Kirche wurden
wirklich, wie oben in seinem Plane vom
Baunleister vorgeschlagen wurde, Lisenen
hergestellt lind die Kirche mit Stuccaturen
versehen, wenn auch, gemäß der Forderung
des Stiles, nur in ganz bescheidenem
Maße; int übrigen fehlte die Farbe gänz-
lich und statt eitler harmonischett Bemaltmg
mürbe die ganze Innenfläche weiß getüncht.

Jtt diesent Znstatlde blieb die Kirche,
bis sich in beit letzten Jahren immer mehr
das Bedürfniß zu einer durchgreifenden
Verschönerung heransstellte. Es wurde
zwar schon früher, aber leider nicht 51t
Gunsten der Einheitlichkeit des Stiles der
Kirche und auch nicht zum Ruhme des be-
treffenden Altarbauers, eilt neuer Hoch-
altar aus Eichenholz und in schlecht ver-
standenem Renaissancestil hergestellt und
der allein passende Tabernakelaltar ans
Stuckmarmor zertrümmert. Glücklicher-
weise mürbe noch, als es sich um die
Fortsetzung der Renovatiott handelte, der
Diözesan-Knnstverein zu Rathe gezogen
und so weiterem Unheile vorgebeugt. Im
Herbste 1895 wurde vom Kirchenstiftnngs-
rath der Verfasser dieser Zeilen ersucht,
ein Gutachten über die beabsichtigte Re-
stauration der Kirche abzugeben und die-
selbe einzuleiten. Nachdem die nöthigen
Mittel zttr Verfügung angegeben waren,
berief er die itt Betracht kommenden
Künstler an Ort und Stelle und hielt
eingehende Besprechung auch über alle
Details der zu entwerfenden Pläne. Diesem
einheitlichen, harmonischen Zusammen-
wirken sämmtlicher Künstler entsprachen
denn auch die Pläne, die den kommen-
den Winter hindurch gefertigt und im
Frühjahre der hohen Oberkirchenbehörde
vorgelegt und von ihr genehmigt wurden.
Es ist das Verdienst des leider zu früh
verstorbenen Dekans Pfeiffer und
feines Stiftungsrathes, daß er bereit-
willigst auf alle Intentionen des Leiters
der Restauration und der Künstler, na-
mentlich bezüglich der einheitlichen, har-
monischen Durchführung derselben, ein-
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