Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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1 cm
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Das erste ist quadrirt und hat in den Feldern
abwechselnd: die Kolben von Limburg und die
Spitzen von Franken mit dem Schenkenbecher als
Herzschild; darüber ist ein Spangenhelm mit
Krone und die Büffelhörner mit dem Becher
zwischen ihnen. Von der Umschrift des (224 cm
hohen und 113 cm breiten) Steines ist noch zu
lesen: .,Nobilis et generosus dns Georus hie
sepultus; erectus pariete dextra“.

8. ist der Grabstein seiner Gemahlin
M a r g a r e t h a von H o h e n b e r g mit dem
Hohenberg'schen Wappen, darüber der Spangen-
helm mit blatterartiger Helmdecke und schlanken
Hörnern; an den Ecken sind folgende Agnaten-
wappen angebracht: Hohenberg, Thierstein, Rhäzins,
Belmont (— Schönbergft (Steinhöhe 212 cm ;
-Breite 118 cm.)

9. Das Denkmal des letzten Schenken
auf Limburg E r a s m u s I. (eines Enkels
des vorigen), der seinen Stammsitz, das Schloß
zu Limburg an die Stadt Hall verkaufte und sich
ein neues Schloßgebäude in Obersontheim, OA.
Gaildorf erbaute, seinen Wohnsitz dorthin ver-
legte und so der Gründer der Sontheim'schen Linie
wurde. 1545 wurde er Rath und Oberamtmann
zu Crailsheim und 1548 Beschützer des Haller
Reformators Joh. Brenz und feiner Familie
(Frau und 6 Kinder). Das Denkmal aus gelbem
Marmor, schön in Renaissance-Formen gearbeitet,
hat in der Mitte unter einem Ziergiebel den
Gekreuzigten, zt! dessen Rechten Erasmus und
ein Sohn, zur Linken seine Gattin und zwei
Töchter mit gefalteten Händen knieen. Eras-
m u s ist dargestellt in voller Rüstung (aber ohne
Helm), knieend auf einem Löwen (Zeichen des
Muthes und der Starke), das schöne Gesicht, von
einem Vollbart umrahmt, zum Kreuze empor-
gerichtet, wie Zein Sohn hinter ihin in gleicher
Richtung und Haltung (aber bartlos). Seine
Gattin A n n a, G r ä fi n von L o d r o n, mit
Haube und Schleier und faltenreichem Mantel
kniet auf einen: Hunde (Zeichen der Treuest hinter
ihr barhaupt die zwei Töchter. An den Ecken
der Umrahmung des Bildes find vier Wappen
gemeißelt: Limburg, Lodron, Schlick und vielleicht
Brambato 4ch. Die Inschrift dieses Denkmals,
an der Wand erhöht, lautet: „Anno dni 1553
Jar vsf den 25. Februar» starb der wolgeborne
Herr Herr Erasmus, Herr zu Lympurg, des
haillig Römischen Reichs Erbschenk unb Semper-
frey, dem Gott gnädig sey." An seinem Be-
gräbnistag hatte er einen Jahrtag: neinlich am
6. März. Zu diesem Denkmal gehören die zwei
Grabplatten an der Nordwand der Kapelle:

10. und 11. Beide sind gleich groß, 225 cm
hoch und 98 cm breit und die Wappen in einen
Vierpaß eingeschlossen. Das von Nr. 10 ist das
Limpurg'sche, dazu die gleiche Inschrift wie das
Denkmal (aber in latein. großen Buchstaben ; auf

11. das von Lodron, ein rechtssteigender Löwe,
Spangenhelm und ein halber Löwe als Helmzier.
Die Inschrift auf dem Steine lautet: ,,Anno
dni 1556 den 12. Tag Novembris starb die
wolgeborne Fraw Anna Freyfraw zu Limpurg,
geborne Grevin zu Lodron. weylandt des
wolgebornen Hern Erasmus Herr zu Limpurg
ehelicher Gemahl, der Gott gnad“.

So fanden also die Schenken von Limburg

von Friedrich II. ft 1333 bis zur ersten Landes-
theilung 1441 und von da an bis zum letzten
Schenken' auf Limburg Erasmus ihre Grabesruhe
in der Schenkenkapelle zu Comburg (Schenk
Friedrich V. dieser Limburg-Speckfelder Linie ist
nebenan in der Josephskapelle beigesetzt).

Neben diesen Grabdenkmalen und -Steinen
der Schenken befinden sich hier noch 5 Grabsteine.

12. Das schöne Grabmal des 31. und letzten
Abtes unb 1. Probstes nach der Verwandlung
des Benediktinerklosters in ein adeliges Chorherrn-
stift 1488: Seyfried vom Holtz. Das Denk-
mal stand früher bei seinem Grab am Nord-
thurm der Kirche, im Chor, später in der Sakristei
der neuen Kirche. An dem Platz, den es jetzt
einnimmt, stand der Martinsaltar. (Die Be-
schreibung dieses Grabmals (cfr. „Archiv" 1898.
Seite 28, Nro. 6.) An diesen 1. Probst 1488
bis 1504 erinnert noch eine oblonge Tafel t n.
Stein an dem Ostthurm der Ringmauer vor
dem Thore. Sie enthält in gothischer Umrahm-
ung das Wappen des Holtz (eine schwarze Kiste),
darüber Abtsstab mit Mitra und Blätterverzierung
an den obern Ecken und die Inschrift am untern
Rand (in goth. Minuskeln): 1494 iar. Daneben
ist auf einem Tragftein mit Kopf, Händen und
Brust eine Fr atz engest alt, mit Narrenkappe,
Eselsohren, behaartem Leib und Bocksfüßen, die
Nothdurft verrichtend in hockender Stellung. Mit
dem Zeigfinger der Rechten weist sie nach hinten,
mit der Linken auf den Mund. Wohl eine mittel-
alterliche drastische Warnung vor dem Teufel, ihm
nicht 511 trauen, da seine Versprechungen eitel siild.

13. Der Grabstein der Maria Franziska
v. Ostei n (ft 8. Febr. 1691 am Schlagfluß, be-
graben in der Josephskapelle vor den Chor, wohin
sie einen „Jahrtag mit Vigil und ßeel Ambt"
gestiftet hatte), der Schwester des Dekan Grafen
Heinrich von Ostein (1642—93\ befindet sich neben
den: Denkmal des Schenken Erasmus, ursprüng-
lich war er über ihrem Grabe. Dieser Grabstein
(204 cm hoch und 108 cm breit) ist im Rokokostil
ausgeführt mit fünf Wappen mit Namen derselben:
In der Mitte das der Ostein i rechtssreigender
Hund), rheinischer Adel in Oberelsaß, oben rechts:
lvieder Oftein, links Kippenheim im Unterelsaß
(3 Fische), unten rechts Faust von Stromberg
(s. u.) rheinischer Adel und links Landsberg im
Unterelsaß (6 Berge).

14. Links von diesem, nach Westen schauend,
besindet sich der Grabstein des 26. Abtes Ern-
fried v. Vellberg (1402—21. ft 24. Jan.).
Derselbe stellt dar den Abtsstab in der Mitte und
die Mitra in den Stein (v. 188 cm Höhe und
76 cm Breitel eingeritzt, wie auch die vier Wappen
an den Ecken: oben Vellberg (Flügel und Frei-
viertel), Hohenstein (Adler), unten Bebenburg zwei
Thürme) und Oedendorf (jetzt Eutendorf, OA. Gail-
dorf). Dieser Abt hatte seine Weihe erhalten von
Johann von Eclofstein, Bischof von Würzburg nach
der Bestätigung durch Papst Bonifatius IX. (1389
bis 1404); sein Grab war in der Marien- oder
Bartholomäuskapelle an der Westseite des Kreuz-
ganges, ivelche mit diesem Theil des Kreuzganges
abgetragen wurde (1829). Er ist der Stifter der
Nikolausstatue in Stein, vor dein Eingang in die

j Schenkenkapelle im südlichen Theil des Ureuz-

j ganges (cfr. „Archiv" 1898, Nr. 4 S. 28), Erbauer
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