Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

Seite: 66
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frti! ist vorzüglich gelungen und wirft bei
guter Beleuchtung herzerfreuend.

Glasmosaik sehen mir auch anr Altäre
selbst, an der ganz ans Stein gearbeiteten
mit 1,40 m den Altartisch überragenden
üetable sowie an der 0,40 m tiefen
Leuchterbank. Hier sind es nieistens Steru-
ntotive in Noth-Schwarz-Gold. Die Al-
tarplatte selbst, 2,65 cm lang und
30 Zentner schwer, zeigt nur eilte ro-
manische Profilirrtug, dagegen haben die
drei Felder des etwas ntassigen stipes
Füllungen in Marnlormosaik.

Hätten die verwilligten Gelder ansge-
reicht, so wären auch in die drei halbkreis-
föriuigeu Nischen der üetuble Mosaikbilder
gekonrnten, so aber hat Maler Oetken sich
begnügen ntüssen, das Agnus Dei und
die Brustbilder der hh. Apostelsürsten
Petrus und Paulus in Caseintechnik auf
Steinplatten zu malen. Ausfallend ist,
wie der nemliche Meister, welcher in den
Figuren des Gewölbes die alten schönen
Muster so pietätsvoll und glücklich ver-
ivendet hat, in diesen Bildern der Retable
den Typus so sehr ignorireu und so mo-
deru und realistisch malen konnte. Aus-
führung und Farbeuftimmung verrathen
eine geübte Hand.

Tie Wirkung des Altares ist am gün-
stigsten im Chore der Mönche. Weiter
zurück im Schiffe wird sie beeinträchtigt,
weil die schwarzen Säulen gegenüber dein
weißen Oberbau nicht zur Geltung kom-
nten und iveil das Knppelnetz viel zu lustig
sich ausnimmt und die etwas ntassigen
unteren Verhältnisse so keine abgegrenzten
ruhigen Linien haben, in denen sie nach
oben hariuouisch sich answechseln könnten.
Der Photograph, ein Laienbruder aus
Beuron, hat dies sofort gefühlt und hat
bei der Ausnahme das mittlere Fenster
der Apsis verhüllt. Sodann ist die ganze
Umgebung des Altares noch düster und
farblos, die gemalten Fenster sind zu
dunkel und erst wenn eimual der Chor
restaurirt ist, wird nitch des Altarbaues
Wirkung erhöht werden. In Anbetracht
des kostbaren am Baue verwendeten Ma-
teriales, und der schwierigen Versetzuugs-
arbeiteu wird man die Kosten der Stiftung
im Betrage von nahezu 35 000 Mk. er-
klärlich finden. Der Altar selber wird bei
seiner Eigenart zwar nicht dein Geschmacke

; aller entsprechen, aber er ist in Anbetracht
des hohen Stifters, des altehrwürdigen
Ordenshauses, des Anlasses seiner Stist-
ung, des soliden, edlen Materiales und
der kunstvollen Ausführung ein Denkmal,
welches einzig dasteht und wohl werth ist,
von den Zeitgenossen und von späteren
Geschlechtern beachtet und geachtet zu wer-
deu. Sein Hauptwerth bleibt ihm für alle
Zeiten unbenommen, denn der Altar ist
gestiftet von einem hochherzigen Kaiser
„zur Ehre Gottes" und er wird täg-
lich benützt, damit an ihm sich der Wahl-
spruch des Benediktinerordens imntersort
erfülle: „14t tu omnibus glorifice-
tur Deus“: „damit Gott iit Allem
verh errlicht werde".

Abtei Maria Laach am Vorabend der
Consecration des Altares 16. V. 1699.

P. Wolfgang Schnell,

0. Sk 13.

ön Gang durch restaurirte Airchen.

Von Pfr. Detzel.

(Fortsetzung.)

So komponirte er gleich im Chore der
Kirche ganz neu und'originell d i e Him-
melfahrt Mariens, eine würdige,
im Stile der Kirche gehaltene und künst-
lerisch durchgeführte Darstellung. Auch
die erste Scene aus beut Lebeu des hl.
Gallus im Schisse, wie er die Tochter
des alem a uu isch en Herz o g s G uuzo
zu lieberliugen heilt, zeigt eine ganz
neue Auffassung gegenüber der frühern
Darstellung. Cs ist interessant, diese
Komposition unseres Meisters mit der-
jenigen desselben Inhaltes zu vergleichen,
ivie wir sie in dein Glasgemälde der Kirche
zu Hofs gesehen haben (vgl. Nr. 5 dieses
Jahrg.). Als der hl. Gallus die Tochter
des Herzogs geheilt hatte, wollte letzterer,
wie die Legende erzählt, ihn aus den eben
erledigten Bischofftnhl von Konstanz er-
heben, aber der Heilige weigerte sich stand-
haft. Als dann später auch die Geist-
lichkeit und das Volk in ihn drang,
empfahl er ihnen den Diakon Johannes
von Grabs, den er früher kennen gelernt
und 'noch weiter in der Kenntnis; der hei-
ligen Schrift unterrichtet hatte. Wirklich
wurde auch Johannes gewählt und sogleich
von den anwesenden Bischöfen kousekrirt
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