Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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I)/

im Jahre 614 ober 615. Diesen Vor-
gang aus dein Leben des Heiligen, m i e
er bie Btschofstuürbe nttsschlägt
und seinen Mitbruber Johannes
h i ezu v o r s ch lägt, stellt bas Haupt-
bilb des Schiffes bar, bas den Beschauer
schon beim Eintritt in bas Mtteshaus
mit Bewunderung erfüllt. Es ist wirklich
eine großartige Komposition von prächtiger
Gruppirung, feinen Charaktergestalten ttttb
von überraschender Perspektive in den
architektonischen Formen. Der Meister

geladenen Fürsten mib Siebte postirt sind,
lieber beut Bilde schwebt in reicher Glorie
die heilige Dreifaltigkeit mit Engelgruppen,
den irdischen Vorgang unten gleichsam
weihend und verklärend. Ergreifend ist
der Mvntent gegeben, itt welchem der hl.
Gallus tnit ginu Himmel erhobenem Haupte
die Wahl zum Bischof vott Konstanz ab-
lehnt und seinen neben ihm knieenden Ge-
fährten Johannes als den würdigsten hiezu
empfiehlt. Das Rundbild über der Orgel
stellt den Heiligett dar als Glaubensboten,
wie er unter den heidnischen Germanen das
Evangeliutn predigt und ihre Götzen ver-
nichtet.

Eine letzte Zierde erhielt die Kirche in
Wurmlingen itt beit neuen Fenstern.
Es ward bei bereit Anfertigung von Seiten
des Leiters der Restauration eine doppelte
Forderung gestellt: einmal sollten sie in ihren
figürlichen und ornamentalen Darstellungen
mit dem Stile der Kirche harmoniren,
dam aber sollten sie, ebenfalls dem Klas-
sicismns und der Ausmalung der Kirche
entsprechend, derselben das volle Tages-
licht lassen, damit Bilder und OMamente
Wirkung komtnen könnten.

, titbent als Glns-
gesandelte Antikglas
Die beibctt Chorfen-
ster sind Fi-
gurenfenster
und habet!
je zwei Dar-
stellungett:
das eine auf
der Evange-
lienseite hat
zwei S ee-
nen aus dein
Leben des
h e i l i g e tt
Johannes
Franz Ne-
gis, zu
dessen Ehre
ein früherer
Psarrherr,
Heinr. Nieß-
ner, ums
Jahr 1750
die St. Ne-
gis-Bruder-
schaft einge-
führt hat.
Das obere Medaillon stellt dar, wie der Hei-
lige einst den blinden Knaben eines Rechtsan-
waltes heilte, das untere, wie er Almosen
spendet. Das Fenster auf der Epistetseite
zeigt zwei Seenen aus beut Leben des h l.
Othtnar, des Nachfolgers des hl. Gallus
als Abt von St. Gallen: wie er aus einem
Fäßchen, das stets gefüllt blieb, wie viel
er auch daraus nahtn. Kranke tnit Wein
labte, und wie er int Gefängniß zu Bod-
ntann schmachtet und selbst hier noch mit
seinen kargett Lebensmitteln Arme unter-
stützte. Die Darstellungen sind mit ge-
lungener Ornamentik im Enwire-Stil reich
umrahmt uitb zeigen treffliche Kompo-

s und bringt ge-
biefeit absichtlich gewählten

versetzt den Vorgang in die Hallet! der
Kirche eines
rade durch
Anachronis-
mus dieDar-
stellnng in
schönste Har-
ntonie tnit
dem Stile der
Kirche. Wir
sehen hier den
hl. Gallus vor
dem Throne
des Herzogs
stehen, der ihm
beit Bischofs-
stnhl von Kon-
stanz anbietet;
von der rech-
ten Seite kov!
men die Dom-
herren u. brin-
gen diebischös-
lichen Jnsig-
nienpvährend
auf der linken
Seite die zur
heiligen Feier

zur vollen
Das wurde erreicht
material das sog.
verwettdet wurde.

St. Gallus heilt die Tochter des Herzogs Gunzo.
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