Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

Seite: 68
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sitiouen. Die übrigen Fenster haben ein-
fache Einfassungen und finb oben mit
Blnnienguirlanden, unten mit hübschen
Emblemen ausgestattet. Sämmtliche Fen-
ster sind von Glasmaler Fr. C. Gnant
in Mtinchen. (Fortsetzung folgt.)

Die Bildhauer Johann, Fsoh. Lapt.
und N. IX. Trarbach in Andernach »nd
wimmern und ihre Arbeiten von
töD^(627.

Von Fr. Mone in Karlsruhe.

In Nr. 4 des „Archivs für christliche Kunst",
Jahrgang 1899, findet sich ein Aufsatz des Kgl.
Regierungsbaumeisters Mentz in Magdeburg, wel-
cher die lleberschrist trägt: „Grabdenkmal des
Berndt von der Schulenburg in der St. Katha-
rinen-Kirche in Brandenburg an der Havel." Der
in Magdeburg wohnende Verfasser schreibt in
diesem Aufsätze: „das Entstehungsjahr ist nicht
genau zu ermitteln — auch der Name des Mei-
sters ist nicht bekannt". Diese Aeußerung ver-
anlaßte mich, über jenes Denkmal mich zu äußern.
Der Künstler ist kein anderer, als der bekannte
Bildhauer Johannes Trarbach in Simmern am
Hunsrücken, von welchen eine große Anzahl Grab-
denkmäler, in Kunststein lGußstein) angefertigt,
bekannt sind. Die überaus zahlreichen Photo-
graphien, Lithographien und Handzeichnnngen der
Trarbach'schen Grabdenkmäler und die Orte, >vo
sich jene Kunstwerke von Gußstein befinden, sind
iu mehreren Werken mitgctheilt. Die werthvollsten
Trarbach'schen Grabdenkmäler von Johann Trar-
bach, seinem Vater Joh. Baptist und von seinem
Sohn, von seinem Enkel und von seinen Schülern
von 1553—1627 sind in Meisenheim bei Kreuz-
nach, in Simmern selbst, in Burrweiler, Mim-
bach, Dürkheim, in der Alexanderkirche in Zwei-
brücken, Marienthal, sämmtliche in der bayerischen
Rheinpsalz, in Sickingen, in Kirnbach, in Pforz- ;
heim, in Wertheim in Baden, Matthiaskirche in
Trier, zu St. Arnnal bei Saarbrücken, in Worms
(Paulus-Museum), zu Oehringen und Erbach
lHessen) und an anderen Orten noch vorhanden. Be-
sonders ist auch die Fassade des Trarbach'schen
Hauses, die ganz von in Kunststein gegossenen
Skulpturen hergestellt ist, in Andernach am Rhein
(Rheinstraße 4) sehenswerth. In Andernach selbst
befindet sich wohl das älteste Gußsteindenkmal •
der Trarbach von 1541. Diese Künstlersamilie
wanderte in der zweiten oder dritten Generation
nach Simmern aus, wo ein Bildhauer Johanns !
d. I. Trarbach als Bürgermeister 1586 starb,
lieber diese Familie (vier Generationen) siehe die
Baudenkmale in der Pfalz. Band 3. S. 172 ff.
Daselbst ist auch S. 174 die chemische Analyse
des Gußsteines (Cement) von Director Dr. Brunck
in Ludwigshasen mitgetheilt. Die Herstellung
jenes Gußsteines war, wie es scheint, anfänglich '
ein F amiliengeh ei m n i ß. Man erhitzte die
Lava der ehemaligen Schlammvulkane an der ;
Eifel und bei Andernach bis zur Weißglühhitze. j
Dadurch zerfiel der Stein in ein weißes Mehl, j
das vorzüglich geeignet ist zum Formen. Die j

angelegte Probesammlung des Audernacher Guß-
steines haben ergeben, daß man im 16. und 17.
Jahrhundert etwas Gyps beisetzte. Auch die-
jenigen Gußstücke, welche zur Colorirung (Be-
malung) bestimmt waren, wie Wappenschilde,
oder welche als Sandstein lind Marmorimitation
verwendet iverden sollten, erhielten eine besondere
färbende Beigabe. Für die Inschriften verwendete
er schwarzen polirten Schiefer, welcher von den
sogen. Glasschreibern kalligraphisch beschrieben
wurde. Als Schüler der Trarbach darf man nach
ihren Arbeiten den Bildhauer Voidel in Speyer,
Hans Rödlein von Würzburg und Michael 111
Kern von Forchtenberg bei Mergentheim 1580 bis
1649 annehmen. Alfred Klemm, die württem-
bergischen Baumeister und Bildhauer, hat auch
schätzbares Material über die Trarbach zusammen-
gestellt. — Vom ersten Fabrikanten N. N. Trar-
bach in Andernach 1541 heißt dieser Cement
oder Gußstein „Audernacher Stein". Die Or-
namente an den Grabdenkmälern, wie auch an
den in der Katharinenkirche in Brandenburg
a. d. Havel, sowie die knieenden Figuren, die
biblischen Reliefs (Taufe Christi, Auferstehung,
Christus am Kreuze, Gott Vater, die Taube des
hl. Geistes und sämmtliche Wappenschilde sind
gegossene Arbeit. Daher finden sich sämmtliche
Figuren, Architekturstücke, Ornamente aus dem
Schulenburgischen Denkmal auch aus den übrigen
T r a r b a ch 'scheu W e r ken.

Alitlheiluiigen.

T r ä g er sü r O p fer b ü ch s e n. Im Mittel-
alter hat man vielfach am Patrociniumsfest eine
Statue, meistens Brustbild, des Schutzheiligen auf
einem Tisch oder einer Console beim Hauptein-
gange der Kirche ausgestellt, um so die Eintre-
tenden durch den Anblick des Bildes auf eine
Opfergabe, sei es zur Feier des Gottesdienstes
oder überhaupt zum Besten des Kirchengebüudes
aufmerksam zu machen. Manche solcher Brust-
bilder haben sich noch erhalten, welche vielleicht
Jahrhunderte solchem Zwecke dienten; vielleicht
daß da und dort noch, besonders an Filialkirchen,
solche Bilder verwendet werden. In neuerer Zeit
ist man auf den Gedanken gekommen, die Opfer-
büchse einer Statue in die Hand zu geben, welche
einen „Bettelknaben" darstellt, und es suchen sog.
Kunstanstalten bereits „mustergiltige Zeichnungen"
in öffentlichen Blättern anzupreisen. Der Knabe
erscheint dann gewöhnlich in leichtfertiger Klei-
dung, in kurzem, umgegürtetem Hemd oder dgl.
und kann dann, natürlich wohlseil, in Thon oder
anderer Masse bestellt werden. Das ist nun offen-
bar der Sache unwürdig und der Zweck zum
Opsersammeln an Kirchen und Kapellen dürfte
doch geziemender erreicht werden, wenn hiezu eine
Eng els g estatt in langem, wallendein Gewände,
in ehrwürdiger Stellung, in edlem Gesichtszuge,
polychromer Fassung gewählt würde. 17.

Hiezu zwei lluusrbeilaueii:

1. Der neue Hochaltar der Abteikirche Maria Laach.

2. St. Gallus schlägt das Bisthum Konstanz aus
und einpsiehlt seinen Gefährten Johannes.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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