Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

Seite: 76
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er eine Beschreibung der sozialen kirchlichen Thä-
tigkeit und theilweise auch der Kunstdenkmäler;
auch werden die in der Diözese erscheinenden
katholischen Zeitungen und Zeitschriften aufge-
führt. Wir haben aber hier nicht etwa blos eine
trockene statistische Aufzählung, sondern es wird
eine in lebensvoller Darstellung gehaltene Be-
schreibung geboten, welche wissenschaftlichen Werth
hat durch die Zuverlässigkeit ihrer Daten, da sie
auf amtliches Material gestützt ist.

Von den trefflichen, dein Text bei- und ein-
gefügten Jllustratioiien sind besonders die großen
Tafelbilder hervorzuheben, welche die Porträts
der Kirchenfürsten geben. Der sonstige Bilder-
schmuck besteht aus Darstellungen berühmter Kir-
chen, Wallfahrtskirchen, Altären, Gnadenbildern,
kirchlichen Kunstschätzen, aus Bildern von Landes-
patronen und Bildern, die sich auf die Mission
der hl. Kirche beziehen u. dergl. lieber die künst-
lerische Ausführung dieses so überaus reichen !
Bilderschmuckes brauchen wir, nachdem der erste i
Band in dieser Beziehung schon Ausgezeichnetes j
geboten, kaum ein Wort zu verlieren, ebenso-
wenig über die gediegene und prächtige Aus-
stattung. Auch diese bisher erschienenen Hefte
des zweiten Bandes sind wieder ein Beweis, daß
es sich nicht blos um ein für die Kenntnis; der
Kirche in den deutschsprachigen Ländern hoch-
bedeutsames Werk handelt, sondern daß dasselbe j
auch ein Bilderbuch von künstlerischer Gediegenheit
ist, das bleibenden Werth besitzt und jedem Katho-
liken theuer sein muß.

Stil und S t i l v e r g l e i ch u n g. K u r z -
g e f a ß t e S t i l l e h r e f ü r L a i e n, K u n ft-
undGew erbebeflissene, bearbeitet
von Karl Kimm ich in Ulm. Mit 405
Abbildungen. Ravensburg. Verlag
von Otto Maier. Preis M. 1.50.
Gedanke und Ausführung ist gut, wenn auch
nicht neu, ein Handbüchlein über Unterscheidung
der sämtlichen Stilarten für Laien, Kunst- und
Gewerbeleute herauszugeben. Dem Verfasser ist ;
es sichtlich gelungen, seinen Stoff in knappem
Nahmen und übersichtlicher Form zu bewältigen.
Er hat die wichtigsten und verständlichsten Merk-
male der einzelnen Stilarten mit geübtem Auge
herausgehoben und in faßlicher Form dem Ver-
ständnisse auch des Laien näher gerückt. Auf
ca. 60 Seiten Text enthält das Büchlein so viel
der Belehrung über alle wichtigen Stilarten, von
den alten Aegypteru angefangen bis zur Gegen-
wart, als für allgemeine Bildung uöthig ist.
Möchte ja heutzutage doch auch Rer Laie in i
Kunstsachen auf seinen Reisen, in fremden und !
einheimischen Städten, in Museen und Samm-
lungen erkennen, welchem Stile und welchem
Zeitalter jene Gegenstände ungefähr angehören,
die sein Interesse erweckt haben. Doch wird
auch dem, der tiefer in den Stoff einzudringen i
gedenkt, die Arbeit Kimmichs gute Dienste leisten.

Nicht weniger als 405. Illustrationen auf
30 Tafeln bringt das Schriftchen zur Anschauung
— fast des Guten zu viel. Weniger wäre besser!
Daß die charakteristischen, einen bestimmten Stil
besonders kennzeichnenden Motive in solchen
Werken abgebildet sein müssen, versteht sich

von selbst. Allein solche Abbildungen sollten vor
allem deutlich, dem Auge des Laien ganz präg-
nant erscheinend, sich darstellen. Das ist besonders
erforderlich für die Spätstile. Hier aber wäre
bei einer zweiten Auflage des Büchleins, die
sicher kommen wird, eine Aenderung zu wünschen.
Die Abbildungen erscheinen uemlich zu klein und
besonders in den Ornamenten der Architektur zu
undeutlich. Wie soll z. B. auf Seite 60 (Nr.
311, 314, 317 u. a.) der Laie in der Kunst die
charakteristischen Formen des Barock herausfinden,
wie soll er manche Forinen des Rokoko und des
Empire ,S. 73 und 77) unterscheiden können.

Sehr belehrend für den Laien wäre, wenn
zwei oder mehrere Stile auf einer Tafel ge-
geben würden, z. B. italienische, deutsche Re-
naissance und Barock, dann Rokoko, Empire und
Biedermeier-Stil u. dergl. Da würde sich eine
unmittelbare Vergleichung ergeben und die ein-
zelnen charakteristischen Formen würden sich dem
Gedächtnis; viel leichter -und tiefer einprägen.
Zu diesen Bemerkungen führte uns nur das
Interesse, das wir dein empfehlenswertsten Schrift-
chen entgegenbringen.

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Herder'scheVerlagshandlimg, Freilmrg i. Br.

Soeben ist erschienen und durch alle Buch-
handlungen zu beziehen:

Kunftlehve

in fünf Theilen.

Von Gerhlird ©ictmauu S, J, und
Il-Hliiults Sömifnt S, J.

E rst e r T h e i l: Allgemeine Aefthetik von
(i). Gietmann S. T. Mit 11 Abbil-
dungen gr. 8o. (VI u. 340 S.) M. 4.20;
geb. in Halbfranz M. 6.

Inhalt: 1. Wesen und Bedeutung der
Aefthetik. — 2. Geschichte und System der
Aefthetik. — 3. Physiologische und psychologische
Grundlage der Kunst und der Kunstlehre. —
4. Die Kunst a) Stellung der Kunst im Leben
des Menschen unb im Plane der Schöpfung.
6) Die künstlerische Idee, c) Wesen der Kunst.

— 5. Das Schöne und die Schönheit. —
6. Unterarten der Schönheit. — 7. Elemente
und Gegensatz der Schönheit. — 8. Der
ästhetische Schein. — 0. Die schöne Kunst und
ihre Aufgabe. — 10. Gesetze der schönen Kunst.

— 11. Bedingungen der Kunstthätigkeit. —
12. Eintheilung der schönen Kunst und ihres
Gebietes.

Die weiteren vier Theile werden enthalten:
11. Poetik, von G. Gietmann. — II1. Musik-
ästhetik, von G. Gietmann — IV. Malerei,
Bildnerei und schmückende Kunst, von I. S ö -
rensen. — V. Aefthetik der Baukunst, von
j I G. Gietmann. — Jeder Teil wird einzeln
j J abgegeben.

Mit zwei Ikunstbeilageu:

Das heilige Abendmahl. Abschied der Apostel
Petrus und Paulus vor ihrer Hinrichtung.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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