Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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Köln, Münster lt. s. :d. u. s. iv. eWaffen,
sondern nur das eine Ziel fest intb
bestimmt aussprechen: es muß dahin
kommen, daß 3um heiligen Dienste
ans dem Altare kein Metallgefäß
mehr Verwendung findet, das
nicht achtes, g it t e §, feines M ate-
ri al hat 11 nb das nicht nach d e1:
Grundsätzen der k ü n st l e r i s ch en
Technik von Hand gearbeitet ist.

Was das Material betrifft, so haben
mir hierüber schon int Abschnitt A. „Von
den Metallen" gesprochen. Bezüglich der
Herstellung der heiligen Gefäße aber stellen
wir die folgenden Ausst'lhrnngen auf.

Die heiligen Gefäße int engeren Sinne:
a) Meßkelch mit Patene, Ciboriunr (Piris)
bezw. der Konsekrationskelch, Monstranz,
Repositorium, b) die Gefäße für bte heiligen
Oele, c) Reliquiarien, vor allem Kreuz-
pnrtikel-Ostenforien, 6) Meßkännchen nnb
-Teller, e) Tabernakelkreuze und Altar-
leuchter, speziell die sechs liturgisch gefor-
derten zu beiden Seiten des Kreuzes, k)
Rauchfaß nnb Schiffchen, gj Taufkanne
und -Teller, li) Weihwafsergefäß, dienen
unmittelbar dem Heiligen. Die erstgenann-
ten. heiligen Gefäße int engeren Sinne,
vor allem Kelch und Patene, sind sogar
gleich den priesterlichen Händen von: Bischof
gesalbt itnb geweiht zur Aufnahme des
eucharistischen Schatzes. Angesichts dieser
eminent nächsten Beziehung derselben zu
Opfer und Sakrament ist die Forderung
ganz natiirlich, daß die heilige:: Gefäße
mit besonderer Sorgfalt und Liebe her-
gestellt fein müssen, mit einer Liebe, welche
aus den: Glauben an die heiligen Geheim-
nifse stammt, n:it einer Sorgfalt, welche
die Ehrfurcht vor den: Heiligthum zur
Mutter hat, nüt einer freudigen Hingebung
und Begeisterung, welche das Beste und
Kostbarste, was die Erde hat zur Zierde
des Hauses Gottes und zur Ausrüstung
des Altars nehmen möchte. Diese heilige
und gläubige Hingabe aber prägt sich in
der Handarbeit einzig aus. In: täg-
lichen natürlichen Leben ist es ja stehendes
Gesetz, daß der Gegenstand, ob Kunstwerk
oder ein Stück für den täglichen Gebrauch,
welcher von der eigenen Hand des Gebers
hergestellt wurde für denjenigen, zu dessen
Gebrauch er bestinnut ist, einen besonderen
Werth, u:n nicht zu sagen eine besondere
Weihe besitzt. So läßt es sich auch die

! Liebe der Braut zun: Bräutigam, der
Mutter zun: Kinde und uutgekehrt nicht
nehmen, mit eigener Hand zu schaffen, zu
schmücken, auszustatten, was sie schenken
will: die thätige Hand ist ja das Organ
der Liebe, Treue, Sorge, Aufmerksanlkeit
und Verehrung, welche den Geber beseelte.
Es ist ein Theil des eigenen Ich, welches
aus diese Weise sich mit den: betreffenden,
selbst gefertigten Gegenstände verschmilzt,
und es ist dies so ganz in der Natur der
Dinge gelegen. Welch' ein unsagbar
rührender Beweis zärtlicher Liebe und
Sorge für die Menschen liegt in den: bib-
! lischen Berichte, wie Gott die Krone Seiner
sichtbaren Schöpfung, den Leib des Men-
schen selbst, anthropoinorphistisch zu sprechen,

; mit eigenen Händen bildete aus dem
Lehnt der Erde, wie Er ihn: dann Selber
j den Geist einhauchte, und wie Er auch den
Gefallenen vor der Ausweisung aus dem
Paradiese „Gewänder von Fellen machte
und sie damit bekleidete". Den feinsinnig-
sten, deinüthig-zärtlichsten Ausdruck des
Strebens aber, zun: Dienste des Sohnes
Gottes nur das zu verwenden, was mit
dem eigenen Ich eng verbunden war, hat
die Liebesreue der hl. Magdalena gefun-
den, indeut sie statt des von sreiuden Hän-
den gewobenen Tuches ihre eigenen Haare
zun: Abtrocknen der heilige:: Füße des
Herrn genonnnen hat. Und wer würde
wohl daran zweifeln, daß die Windeln
und Kleider, in welche Maria das gött-
liche Kind hüllte, nicht von ihrer eigenen
Hand mit liebevollster Treue hergestellt
waren? Erhält sich ja seit 1800 Jahren
die Ueberliefernng, daß auch das Gewand
ohne Naht, in welchen: der Herr zun:
Tode gieng, von keiner fremden Hand ge-
woben war — daß Marias Finger eS
gewirkt haben. Die Hand ist das Werk-
zeug des Willens; sie setzt die Liebe des-
selben ::::: in das Werk, und letzteres trägt
das Merkntal und den moralischen Werth
der ersteren in sich. Das ist die ideale
Auffassung solcher durch reine Handarbeit
hergestellter Gegenstände.

Nun ist es ja im Leben nicht möglich,
daß derjenige oder diejenigen, welche den
Metallschmuck und die Geräthe des Altars
zu bestellen haben, auch persönlich dieselben
anfertigen können, tute das z. B. bei den
Parainenten der Fall ist, an deren Her-
stellung Hunderte und Tausende von edlen
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