Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

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halten. Wenig fehlte, so wäre sie, wie j
die übrigen Kapellen, dein josephinischen ^
Zeitgeist zum Opfer gefallen. DaS Ober-
amt Tuttlingen erklärte dieselbe für un-
nöthig, wie die andern, und drang auf
Abbruch. Nur unter dem Gesichtspunkt
des „Unterstehens bei Regen" wurde sie
erhalten. Zur Verschönerung derselben
geschah jedoch nicht viel und diese wie
die anderen Kapellen boten einen keiues-
wegs erbaulichen Anblick dar. Alls An-
regung des Ortspfarrers beschloß mm
die banpflichtige Lüftung Nendingen,
diese uub die zwei anderen Kapellen zu
restauriren lntb wurde Regieruugsbau-
uleister Pohlhammer mit Fertigung
der Pläne beauftragt; es wurde denn
auch die Restauration mit einein Kosten-
aufwand von circa 16 000 Mark durch-
geführt.

Tie Marienkapelle erhielt vor
allem, eine neue Tachbedecknng und innen
und außen einen neuen Bewurf, Portal
und Fensteröffnungen nmrben mit 3aub-
stein erneuert uild kam ein neuer Boden-
belag nebst neuen: Gestühl uub einem
Holzplafond in das Kirchlein. Die Fenster
mit starker und teppichartiger Kathedral-
verglafung besorgte der Glasermeister
Fuchs in Saulgau und das schöne
fchmiedeiferne Chorgitter der Schmied
Jakob ckllattes in Nendingen nach Zeich-
nung des Architekten. Das Prächtigste
aber tu der Kapelle ist der neue Altar,
voi: den: wir hier eine Abbildung geben.
Cr ist von Bildhauer Müller in Saul-
gail im Renaissancestil entworfen und
ans schönen: Eichenholz gefertigt ni:d
inacht bei all' feiner Einfachheit bei: besten
Eindruck. Er ist architektonisch gut
gegliedert und wirkt harmonisch ii: alt'
feinen Dheile:: wie ans eilten: Gusse;
keine Ueberladung, aber auch feine Ar-
u:uth ist ii: seiner Ornamentik zu siitden,
welche sauber und künstlerisch fchöi: aus
dem Grunde des Eichenholzes heraus-
geschnitzt ist. Er zeigt in seinen: Auf-
baue drei Nischen, deren mittlere das
oben angeführte, altdeutsche Muttergottes-
bild, etwa aus den: letzten Viertel des
15. Jahrhunderts stan:u:end, ausgenommen
hat; es ist eine sehr anmutige, kiinstlerisch
trefflich durchgesührte Skulptur, welche
auch einfach schon gefaßt ist. Die beiden

Seitennischen bergen die heilige Jnng-
frau verehrende, plastisch ebenfalls gut
durchgebildete Engelsgestalten voi: Bild-
hauer Lämmle in Riedlingen. Acittei:
im Orte Nendingen selbst steht die S t.
B l a f i n s k a p e l l e, die älteste von allen,
da sie nach ihren: geradei: Chorabschluß
und dem Chorbogen noch der romanischen
Zeit, wenigsteils den: Uebergange, ange-
hört. In: Jahre 1812 wollte mau auch diese
Kapelle abbrechen mtb das K. Oberamt
Duttlingei: stellte, „üt Gemäßheit einge-
kommener Resolution der Königlichen
Seetion der iitnern Adnünistratio::" au
das Freiherrlich v. Enzberg'sche Reiltamt
in Mühlheim a. D. folgende Fragen:
„voi: wen: die zu Rendillgei: befindliche
Kapelle ad St. Blasium gestiftet und
fnndirt worden; warn: dieses gefchehei:
und wo die Stiftuilgsurkullde zu erbeben
sei; ii: welcher Verbilldung diese Aus-
hilfskirche mit der Mutterkirche in Nen-
dillgen stehe; wer beit Jahrtag gestiftet
habe uub ob er ein Familienjahrtag sei
oder blos in üovorem katroeinii abge-
halten werde und was die Auslagei:
hievon speeikice betragen; woher die
Verbindung dieser Kapelle mit der Prä-
latur Petershausen (bei Konstanz) rühre
uild worill sie bestandei: habe?"

Der Patrinlonialbealllte z:: Rlühlhein:
antwortete: Traditio:: sei, daß diese

Kapelle voi: Urzeitei: her zu beit soge-
nannten drei Frohnhofen in Nendingen,
wovon sie uulgeben ist, gehöre. Davon
sei eil: präsumtiver Beweis, daß die
Inhaber besagter Frohnhöse je und alle-
zeit diese Kapelle iit alleiniger Admini-
stration gehabt. Herr von diesen Frohn-
hüsen war ehentals das Stift St. Blasien
und dann käme:: solche per Tausch an
das Stift Petershausem

„Der Bauart nach ist dieses Kirchle
so uralt noch nicht, doch ist nieniand
weder das Jahr noch die Stiftung be-
kallnt. Wären davon noch Urkunden
vorhailden, so dürften solche nur zu
St. Blasien oder zu Petershauseu zu
finden fein."

Diese Kapelle steht, heißt es im Be-
richt weiter, mit der Mutterkirche in
Nendingen dergestalt iit Verbindung,
daß vor kurzer Zeit alle Jahre von: Früh-
ling an bis ans beit Herbst alle Frei-
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