Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

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bergs hat sich, mio iu lllnt, die Glocken-
gießerei fast ohne Unterbrechung seit beut
Alittelalter bis in die Neuzeit erhalten.
An die Stelle des handwerksmäßigen Be-
triebes ist allerdings der Fabrikbetrieb
getreten.

Bemerkt muß noch werden, daß beut
Verfasser es nur nrögtich nnrr, einen Theil
der ans Uknrer Glockengießereien hervor-
gegangenen Glocken namhaft zu machen.
Die Zahl aller in Ulm gegessenen Glocken
war jedenfalls eine viel größere, doch
fanden gar viel ihren Untergang. Na-
mentlich wurden zahlreiche Glocken im
30jährigen Kriege von Feind miD Frerind
geraubt. So raubten die Schiveden in
Storzingen (Hohenzollern) 1633 2 Thnrm-
glocken. *) Nur e'it kleiner Th eil der
Glocken überstand jene böse Zeiten. Allein
auch die wenigen noch erhaltenen, vor1648 in
lUm gegossenen Glocken, geben ein sprechen-
des Zeugnis; davon ab, wie frühe schon die
edle Glockengießerknnst in der alten Neichs-
stadt an der Donau betrieben umrbe und zu
welcher Blüthe sie damals schon gelangt
nnrr. Ja selbst in den elendesten Zeiten
des ringlückseligen Krieges hörte der
Glockenguß nie ganz ans. Selbst 1633,
einem der schliurrirsten Jahre für ganz
Schwaben, goß Hans Braun in Ulm
zrvei Glocken, ein Zeichen, daß die ärgste
Kriegsnot rücht das blühende Gewerbe
ganz zu vernichten nrochte.

Als dann 1646 der Friede wieder ins
Land zog, hob sich rasch wieder in Ulm
die Glockengießerei. Die Familie Ernst
arrs Lindau, welche zuerst 1678 in lUm
ailstritt, gründete eine Werkstatt, welche
von den Familien Korn, Franenlob und
Wieland bis ans die Gegemvart sortge-
sührt wurde. Ein Zeichen schwäbischen
Gewerbefleißes und Ausdauer.

D>io kirchlichen ANetallarbeiten.

Eine systematische Darstellung von
K o n r a d K ü m m e l.

(Fortsetzung.)

C. Die Schmückung der Metalle.

Nach der Behandlung der beiden Ab-
theilungen: B. Von den Al e t a l l e n über-

') Jahresbericht d. Kgl. kath. Gymnasium zu
Sigmaringen 1861 92, S. 24.

Haupt und U. Von der B e a rb e i t u n g der
Aietalle kornnlen wir znm dritten Theile:
Von dem Schnlnck und der Verzierung der
Metalle. Dieser Theit steht an Wichtig-
keit den vorhergehenden nicht nach. Denn
mit Ausnahme etwa der ächten Broncegnß-
werke ititb der feineren Messinggüsse wird
karnn ein Aletallknnftwerk übrig bleiben,
welches nicht nach der Fertigstellung seiner
äußeren Gestalt auch noch des Schmucks
bedürfte. Eine Analogie hat die Metall-
knnst an der Bildhauerei, deren Werke
meistentheils, wenn sie in Holz hergeftellt
sind, auch der Farbe und des Goldes bedürfen.
Weit enger noch aber ist in der Metall-
knnst die Gestalt des Werks mit seinem
Schmuck verbunden, als in der Holzpla-
stik. Natürlich sind der Arten, wie das
Metall geschmückt wird, verschiedene. Die
erste und nächste, aber arlch nothwendigste
rechnen wir nicht §um Schmucke, sondern
halten sie für den riöthigen und wesent-
lichen Abschluß der Bearbeitung der
Metallwerke. Das ist das „Anspntzen"
der fertigen Arbeiten, der gegossenen mit-
telst des Ciselireisens, das überall nach-
meißelt, um die höchste Vollendung zu er-
zielen, und der gelötheten und montirten
ebenso durch Wegschasfnng der letzten Un-
ebenheiten. Es ist darüber schon beim
Gnßverfahren das Nöthige gesagt worden.

Die eigentlichen schmückenden Arbeiten
an Metallknnstwerken lassen sich in die
folgenden Arten gliedern:

1. die Schmückung mittelst Feinbe-
arbeitung der Oberfläche: Poliren,

Mattiren, Graviren, Aetzen, Guillochiren,

2. mittelst Al e t a l l f ä r b u n g: Beizen,
Weißsieden, Gelbsieden, Vergolden, Ver-
silbern, Plattiren n. dgl.,

3. mittelst Farbenschmelz: Email
(Lackiren),

4. mittelst Einlegearbeiten: Inkru-
stationen, Tauschiren, Niello, Tula,

5. mittelst Auslegearb eit: Filigran,

6. mittelst Juwelierarbeit: Edehtein-
n n d Halbedel stein schmuck.

Sehen wir uns die einzelnen Arbeiten
an; sie können sehr kurz abgemacht werden,
etwa mit Ausnahme der beiden Nummern
2 und 3, welche wegen ihrer Bedeutung,
wie wegen ihres Umsanges eine eingehende
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