Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

Seite: 20
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rahmung hinzu, die sich regelmäßig an klassische
Muster, ivie besonders an französische Minia-
tnren des 15. Jahrhunderts anschließt.

Was die Auswahl der Bilder anlangt, so
sollen, nne in den bisherigen Ausnahmen auch
geschehen ist, „nur Bilder von hohem, allgemein
anerkanntem Kunstwerke zur Veröffentlichung
gelangen, welche zugleich inhaltlich geeignet sind,
den religiösen Sinn des katholischen Volkes zu
heben und feine Vorstellungsweise zu läutern,
formell aber dem Stilgefühl unserer Zeit nicht
widersprechen." Auch eine große Mannigfaltig-
keit in den Darstellungen finden wir, wie nicht
minder im Format, so daß die Bilder geeignet
sind zur Einlage in größere oder kleinere Gebet-
bücher und auch zur Anwendung für den Zimmer-
schmuck. Wie in technischer Hinsicht alle Arten
der Vervielfältigung, Lichtdruck, Steindruck, Chro-
motypie, Zinkographie, zur Verwendung gekommen
sind, so sind auch alle Schulen vom 15.—19. Jahr-
hundert in ihren besten Meistern vertreten.

W e r e i n s o l ch e s B i l d ch e n a u ch n u r i m
klein st eit F o r in a te u ersch enkt, v er -
s ch e n k t ein kleines K u n st w e r k.

Einen Wunsch möchten wir noch besonders
aussprechen: möchten die Verleger von Ge-
betbüchern bei der bildlichen Ausstattung der-
selben nach diesen wirklich klassischen Andachts-
bildern greifen und jene schlechte Fabrikware
verdrängen, die man noch so vielfach selbst in
den verbreitetsten Andachtsbüchern findet, I).

Tie a l t ch r i st l i ch e n G o l d g l ä s e r. Ein
Beitrag zur altchristlichen Kunst- und Kul-
turgeschichte von Dr. Hermann Vope l.
Mit neun Abbildungen in: Text. Frei-
burg i. B., Mohr. 1899. M. 3.60.

Die vorliegende Abhandlung bildet das fünfte
Heft der „Archäologischen Studien zum christlichen
Alterthun: und Mittelalter, herausgegeben von
Johannes Ficker. Freiburg, Mohr". Sie unter-
zieht zum erstemnale die sog. Goldgläser einer
eingehenden, zusammenfassenden Bearbeitung. Der
Verfasser behandelt in der Einleitung die Technik
der Goldglüser und deren Geschichte und bezeichnet
in ersterer Beziehung dieselben als „eine eigen-
thümliche Verbindungvon Glas- und Metalltechnik:
wir sehen zwischen zwei flachen oder leicht ge-
wölbten, runden Glasscheiben sehr verschiedener
Größe ein Goldblatt eingelegt und auf diesem
mit der Radiernadel eine Zeichnung in der Weise
ausgeführt, daß die überschüssigen Theile des
Goldblattes weggeschabt sind. Da in der Regel
für beide Gläser eine durchsichtige, oft leicht grün
gefärbte Glasmasse verwendet worden ist, so kann
die Zeichnung van zwei Seiten betrachtet werden,
wobei sie natürlich einmal im Gegensinne er-
scheint". Dann gibt er eine Uebersicht über die
Form der Goldgläser, die meist eine Kreislinie
bilden und Inschriften, einzelne Personen oder
scenische Darstellungen enthalten.

Betreffend die Entstehungszeit der Gold-
gläser konstatiert De Rosst, daß in den ältesten,
den beiden ersten Jahrhunderten n. Ehr. unge-
hörigen Theilen der römischen Katakomben weder
Goldgläser gefunden nwrden, noch ihre Spuren
nachweisbar sind. Erst im dritten Jahrhundert

tauchen diese auf. Es ergibt sich dem Ver-
fasser darnach als Resultat seiner chronologischen
Prüfungen, „daß die Goldgläserfabrikation sich
zurück bis an die Werrde des zrveiten zum dritten
j Jahrhundert und vorwärts bis in das sechste
Jahrhundert hinein verfolgen läßt, die uns er-
; haltenen Exemplare also sich über einen Zeitraum
i von ungefähr drei Jahrhunderten vertheilen".
Als Inhalt der Darstellungen auf den Gold-
gläsern lassen sich zuerst Inschriften mit Trink-
sprüchen und Scenen heidnisch-mythologischen In-
halts Nachweisen; diesen schließen sich Darstellungen
aus dem profaner: Leber: an, die später mit christ-
licher: Symbolen ausgestattet werden, intb schließ-
lich kommen auch spezifisch christliche Stoffe, die
vor dem vierter: Jahrhundert nur in einem ver-
einzelten Exemplare eines biblischen Bildes nach-
weisbar find, zur Darstellung. Die überwiegende
Mehrzahl dieser zuletzt angeführter: Gläser fällt in
die Zeit nach der Mitte des vierten Jahrhunderts.
Als Scenen aus dem Alten Testament kommen vor:
Adam und Eva, Noah, das Opfer Abrahams,
Joseph in der Zisterne, das Schlangeruvunder,
das Quellwunder, die Kundschafter, das Martyrium
des Jesaja, das Sonnenwunder (IV. Kön. 20,
resp. Js. 38, 1 ff.), die Belebung der Totengebeine
(Ezech. 37), die Drachenvergiftung, die drei He-
bräer im Feuerofen, Tobias, Jonas. Susanna,
Hiob. Aus den: Neuen Testament: der gute
Hirt, die Magier, das Wunder zu Kana, die Brot-
vermehrung, die Heilung des Gichtbrüchigen, die
Blindenheilung, die Auferweckung des Lazarus,
die Gesetzesübergabe. Der Verfasser betont, wie
stark nach dieser Uebersicht in dem Bilderschatze
der altchristlichen Kunst noch ir: der zweiten Hälfte
des vierten Jahrhunderts auch ir: einem der
sepulkralen Sphäre entrückten Kunstzweige die
alttestamentlichen Scenen überwiegen, und daß
dieser Bildervorrath mit den auf Fresken und
Sarkophagen erhaltenen Beispielen nicht erschöpft
ist. Scenen, rvie das Schlangenwunder des Moses,
das Martyrium des Jesaja, das Wunder des
Sonnenzeigers, die uns der Zufall auf unfern
Goldgläsern erhalten hat, seien den großen Kunst-
zweiger: völlig fremd; die Martyriumsscene gar
sei ein Unikum der gesammten altchristlichen Kunst-
welt (Seite 75).

Was schließlich die Verwendung der Gold-
gläser anlangt, so läßt sich ein Theil derselben
durch die Inschriften imb Darstellungen bestimmen.
Für einer: großen Theil ist durch einen Triuk-
spruch der Gebrauch als Trinkgefäß sichergestellt;
sie rverder: bei der: verschiedensten Anlässen als
Geschenke gedient Haber:, besonders auch, je nach
ihren: Inhalte, bei christlichen Festtagei:. „Es
fragt sich nun, ob außer der: gertannten Fester:
noch andere Tage ir: Frage kommen, ob sich viel-
leicht mit Rücksicht auf die zahlreichen Heiligen-
narner: auf Goldgläsern ihre Beziehung zu den
Heiligentagen, derer: Feier für das Jahrhundert
bezeugt ist, rmchrveiser: lasse." Zur Prüfung und
Bearbeitung dieser Frage, gibt der Verfasser
verschiedene Quellen an. Die betreffenden Gold-
glüser, meint er, repräsentiren der: Anfang eines
mit der: Mitteln der Kunst geübten Heiligenkultes,
sie seien bescheidene Anfänge von Heiligenbildern.

Detzel.

Stuttaart, Buchdrrickerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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