Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

Seite: 22
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haben, beim ohne diese hat er für
seinen (Gegenstand nur formales Interesse."
Wenn diese Worte Rebers in seiner „Ge-
schichte der neueren deutschen Kunst" auf
Führichs Werke der Malerei angemendet
werden dürfen, so noch viel mehr ans die
meistens einen ganzen Eyklus umfassenden
Ar beiten seines Stifte s und wenn
überall die Domäne des Meisters das Lieb-
liche, Beseeligende und Trostreiche war, so
bewegte er sich ans diesem Gebiete in den
letzten Jahrzehnten seines Lebens fast aus-
schließlich, indem er eine Reihe von cyk-
lischen Kompositionen schuf, deren herrliche
Stistzeichnnngen in meist rylographischer
Publikation die weiteste Verbreitung ge-
funden haben. Und gerade diesen Stist-
zeichnnngen Führichs möchten nur hier
eingehender nähere Aufmerksamkeit zu-
wenden.

Aus derjenigen Zeit, die er selbst seine
romantische Periode nennt, zeichnet sich
sein „Vater unser" in nenn von ihm
selbst radirten Blättern durch Frische der
Empfindung und Schönheit der Zeichnung
aus, wenn auch der Künstler selber meinte,
es sei nur ein kümmerlicher Versuch, der
mehr Beifall gesunden habe, als er ver-
diene. Die einzelnen Bitten des Gebets
sind durch mittelalterliche, mystische Scenen
ausgezeichnet individualisirt. Wir heben
nur einzelne hervor, z. B. die Illustration
zur ersten Bitte, wie ein Ritter mit seinen
Angehörigen in die Kirche geht, ein ein-
facher Gedanke, aber durch die poetische
Hand Führichs ungemein erweitert. Bei
aller Strenge der Romantik wußte der
Meister doch das Landschaftliche in ge-
lungenster Weise mit seinen Darstellungen
zu vereinigen. Während der Kirchgang
des Ritters in eine herrliche Frühlings-
landschast versetzt ist und die Sonne eben
den fernen Bergen entsteigt, zeigt uns das
Bild der zweiten Bitte den stürmischen
Winter; über Berg und Thal, unbe-
kümmert um Sturm und Ungewitter,
bringt der Priester die Wegzehrung einem
Sterbenden. Eine gleich schöne ländliche
Idylle, wie das erste Bild, ist auch das
„Gib uns heute unser tägliches Brod".
Der Sämann streut seinen Samen aus,
hinter ihm begießt der Engel das Acker-
land: die Hütte des Landmannes und das
herrschaftliche Schloß ans dem Berge, die

pickenden Hühner des Hofes und die wei-
denden Rosse und Rinder beleben das
Bild der Gegend. Professor Müller in
Prag hat ausführliche Betrachtungen und
Erklärungen zu diesen Blättern, die schon
1856 im Manzschen Verlag zu Regens-
bnrg in sein ausgeführten Stahlstichen er-
schienen sind, geschrieben.

Der geistige Gesichtskreis unseres jungen
Künstlers erweiterte sich neben dem regel-
mäßigen Kunststndium namentlich auch
durch die Lektüre der berühmtesten üto-
mantiker, eines Novalis, Schlegel, Tiek,
Wackenroder n. a., und so war es denn
besonders Tieks „(6 e n 0 vefa", die ihn
anzog und zu Illustrationen veranlaßte.
Eichendors nennt diese Dichtung das „un-
streitig vollendetste Werk" Tieks, in dem
bis in den kleinsten Beischmnck hinab eine
durchaus katholische Weltanschauung walte.
In 15 cyklischen Kompositionen, die genau
sich an die damaligen Anforderungen der
literarischen Romantik anschlossen, führte
er die Federzeichnungen zu dieser Dichtung
aus (Prag 1825). In der ersten Radi-
rnng weist der Geist des hl. Bonifatius
in der Kapelle, wo vor seinem Zuge gegen
die Sarazenen Siegfried das heilige Abend-
mahl nimmt, ans diese heilige Handlung
hin:

„Da geht der edle Mann zuin Streit gewappnet,
Doch will er vorher beichten, Sakramente
Enrpfahen aus des Priesters heil'ger Hand.

So seid nun aufmerksam und laßt euch gern
In alte deutsche Zeit zurücke führen."

Aus der andern Seite betrachten Benno,
Wendelin und Grimoald die Tafel des
hl. Sebastian an der Wand. Die Gestalt
des Apostels der Deutschen ist großartig,
feierlich und würdevoll, die Architektur
streng mittelalterlich gezeichnet. In eine
schöne Landschaft ist die Scene gesetzt, wie
Goto von dem Hirten Heinrich das ver-
hängnisvolle Lied singen hört:

„Dicht von Felsen eingeschlossen,

Wo die stillen Bächlein geh'n,

Wo die dunklen Weiden sprossen,

Wünsch' ich bald mein Grab zu seh'n.

Dort im kühlen abgeleg'nen Thal

Such' ich Ruh' für meines Herzens Qual. -

Das ungekünstelte, naturwüchsige Wesen
der Hirten, die finstere, nachsinnende Ge-
stalt des Goto contrastiren trefflich. Es
würde uns zu weit führen, aus alle ein-
zelnen Bilder einzugehen und wir deiner-
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