Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

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Biblia Pauperum sArmenbibel).

(Schluß.)

Ter erste vollständige vorbildliche Bilderkreis
tritt uns auf dein Altaraufsatz im Stifte K l o st e r-
n e u b u r g entgegen, einem Cinailwerkdes zwölften
Jahrhunderts (vergl. den Aufsatz in Mittheiluugen
der Zeutralkoiumissiou vom Jahre 1856 und im
Jahrbuch V, sowie Kreusers Kirchenbau I, 293 ff.).
Bon den ältesten handschriftlichen Zusammen-
stellungen besitzt vor anderen Oesterreich mehrere,
als vom 13. Jahrhundert in der Hofbibliothek
zu Wien und im Stifte St. Florian; aus
dem 14. Jahrhundert zu St. Peter in Salz-
b u r g, K r e m s m ü n st e r, S e i t e n st e t t e u,
Graz. In Deutschland finden sich Biblia Pau-
perum aus derselben Zeit in der königlichen
Bibliothek zri München (aus dem Kloster der
hl. Ehrentrud in Salzburg), iir Konstanz, Leip-
zig, in Köln (deren drei!. Aus dem 15. Jahr-
hundert ist vor anderem der Freskencyklus in
dem Domkreuzgang zu B r i x e n anzuführen
< herausgegeben von Walchegger daselbst, Preß-
verein). So entstanden in dieser Zeit solche
Bilderbücher durch den Holzschnitt und die Buch-
druckerkunst und waren bald weitverbreitete Werke
zu praktischer und schneller Belehrung der tlu-
nüssenden in den christlichen Wahrheiten.

Die Einrichtung war wirklich eine leichtfaßliche.
Jede Tafel enthält eine oder zwei Hauptdar-
stellungen aus dem Leben Christi in Begleitung
von zwei vorbildlichen Wiedergaben des Alten
Testamentes und vier Brustbildern von Patriarchen
und Propheten mit je einer betreffenden Stelle
aus der heiligen Schrift, einen Spruch in „leoni-
nischen Versen" (worin die letzte Silbe oder die
beiden letzten Silben von der Hauptcäsur sich aus
die letzte oder die beiden letzten Silben des
Verses reimen) öfter nebst Erklärung in deutscher
Sprache. („Der Kunstfreund".)

Literatur.

D i e ch r i st l i ch e Kunst i n W o r t u n b
Bild oder praktisches Handbuch zur Er-
forschung und Erhaltung der Knnstdenk-
male, mit mancherlei Fingerzeigen bei
sliestaurirungen und neuen Werken, von
Karl Atz, Priester und k. k. Konservator
der Kunstdenkmale zu Terlau. Dritte,
gänzlich umgearbeitete Auflage mit 1009
Illustrationen. Regens bürg. Nationale
Verlagsanstalt (früher G. Mauz). 1899.
Preis 12 Mk.

Es ist buchstäblich wahr, daß diese dritte Auf-
lage des Atzschen Werkes gänzlich uingearbeitet
ist, sowohl bezüglich ihres Hauptinhaltes als ihres
Umfanges. Wir haben jetzt ein großes Buch
mit 555 Seiten und nicht weniger als 1009 Illu-
strationen vor uns. Aber, um es gleich zu sagen,
die letztern sind großentheils mangelhaft; es sind
fast nur Reproduktionen aus den Mittheilungen
der k. k. Zentral-Kommission für Kunst- und
historische Denkmale in Wien, der Zeitschrift für
christliche Kunst von Schnütgen (Düsseldorf), des
Seckaner Kirchenschmuck, des St. Norbertus-Ver-

lags in Wien und Herder in Freiburg, des Kir-
chenschmucks von Laib und Schwarz, von Deng-
ler u. a. Der Inhalt des Buches dagegen, wie
dessen alphabetische Anordnung ist praktisch und
reichhaltig. Wenn man schnell einige sichere An-
haltspunkte und Aufklärungen über ein und anderes
im Bereiche der christlichen Kunst zu gewinnen,
die kirchlichen Vorschriften, die interessante Ge-
schichte der einzelnen Gegenstände, die technischen
Ausdrücke, die praktische Ausführung in den ver-
schiedenen Stilen und Materialien, Bezugsquellen
bei Bestellungen u. dergl. kennen zu lernen wünscht,
wird man in den: Buche von Atz fast immer einen
Berather finden. In diese dritte Auflage hat der
Verfasser auch ikonographischen Stoff ausgenommen
und hiebei besonders auf Detzels Ikonographie
in ausgedehnter Weise hingewieseu. A.

Zur Streitfrage über Dürers reli-
giöses Be kenn tu iß. Von Anton Weber.
Mainz, Verlag von Franz Kirchheim. 1899.

„Dürer war, das ist das Hauptergebniß der
Untersuchung, ein treuer Katholik, der fest an
den Glauben seiner Kirche hielt und auch darnach
lebte, wenn er auch einmal eine sreimüthige
Sprache gegen eingerissene Nebel und Mißstände
führte und nebenbei einen vermeintlichen Ver-
besserer pries." Vgl. hiegegeu die Ansicht unseres
Mitarbeiters i>n „Archiv" 1898, Nr. 11 und 12
und 1899, Nr. 2 und 3.

Bilder aus der Geschichte der altchrist-
liche u K u u st und Liturgie in Italien.
Von Stephan Veissel 8. J. Mit

200 Abbildungen. Freiburg, Herder. 1899.
M. 7.—, geb. M. 9.—.

Das Buch bietet, wie der Verfasser im Vor-
wort sagt, weniger als eine Kunstgeschichte und
doch auch mehr; weniger bringt es, weit cs
sich auf einzelne große Gegenstände, nicht aus
alle Kunstwerke einer Epoche und eines Landes
bezieht, mehr, weil es seinen Stoff nach allen
Seiten hin zu erläutern sncht, besonders in seiner
Beziehung zur Liturgie. In letzterer Hinsicht
finden wir das schon in der Angabe der einzelnen
Kapitel bestätigt. Sie behandeln: 1. Altchristliche
Grabdenkmale, 2. Die christliche Basilika, 3. Die
Anfänge der christlichen Malerei in den Kata-
komben, 4. Die altchristlichen Mosaiken zu Rom
und zu Ravenna, 5. Das Mobiliar der römischen
Basiliken und deren Verzierung mit edeln Mc-
tallen, 0. Ausschmückung der altchristlichen Basi-
liken mit Webereien und Stickereien, 7. Altchrist-
liche Taufkirchen, 8. Die päpstliche Messe in,
achten Jahrhundert. Zun: erstenmale sind hier
eingehend nicht blos die kunstgeschichtlichen, sondern
auch die gottesdienstlichen Rücksichten beachtet,
welche ja die Herstellung dieser altchristlichen
Denkmale veranlaßten. Gerade diese gründliche
Beachtung des Zweckes dieser Kunstwerke er-
möglicht auch eine allseitige richtige Erkenntnis;
derselben, welche in erster Stelle dem katholischen
Priester und Priesteramtskandidaten so nothwendig
ist, aber auch jedem gebildeten Laien von Nutzen
sein dürfte. Bei der reichen Ausstattung mit
Bildern kam es nicht darauf an, Neues zu bieteu,
sondern nur darauf, den Inhalt möglichst klar
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