Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

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Organ des Rottenburger Diözesan-Rereins für christliche Run st.

peransgegeben und rebigirt von Pfarrer vetzel in rt. Llnistiiia-Raveiisbnrg.

Verlag des Rotteuburger Diözesail-Kniistvereins,
für denselben: der Vorstand pfarrer Detzel in St. Lhristina-Ravensbnrg.

. 4.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für M. 2.05 durch die wiirtlembergischcn (M. l.90
im Stuttgarter Bestellbezirk), M. 2.20 durch die bayerischen und die Neichspostaustalteu,
ft. 1.27 in Lesterreich, FrcZ. 8.40 in der Schtveiz zn beziehen. Bestell>ingen werden 1 t \r\r\
auch angenommen von allen Buchhandlungen sowie gegen Einsendnug des Betrags direkt 1 W.
von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, llrbaustrnsze 04, zum
Preise von M. 2.O5 halbjährlich.

Joseph von Ktbrich.

Seine Stiftzeichnungen. Zu feinem 100.

Geburtstage.

Von Pfarrer D e tz e l.

(Fortsetzung.)

Noch einer recht gemüthlichen Idylle er-
wähnen wir zu Pf. 103, der ein groß-
artiges Lob- und Danklied zil Gott, als
denr Urheber des Weltalls, enthält und
non denl der 23. Vers herausgehoben ist:
„Ansgehet der Mensch an sein Werk und
an seine Arbeit bis znw Abende." Eben
steigt die goldene Morgensonne in großer
Scheibe hinter den fernen Bergen ans, die
finstere Nacht mit ihren unheimlichen (ke-
llneren verschwindet lind die ganze Natur
erhält ein frisches, nlnnteres Leben. Eine
arme Arbeiterfamilie verläßt ihre Hütte
und geht ans ihr Tagwerk; der Mann
mit Schaufel lind Hane ans der Schulter
erhebt seinen frohen, fröhlichen Blick znm
Himmel, die Mutter mit dein Säugling!
ans beut Arm folgt und langt zuvor nach !
dem Weihwasserkrügchen an der geöffneten !
Thüre, lind das einzige Hansthier, die Ziege, j
schreitet zwischen beiden ihrer Weide zn!
— das Ganze ein Bild des seligsten Frie- !
dens und ländlicher Zufriedenheit.

Der so durch und durch katholische Stift !
Führichs liebte es besonders, klösterliche
3ceiten zum Vorwürfe zu nehmen ititb
seine diesbezüglichen Illustrationen, denen
wir öfter sowohl im „Thomas von Kem-
pen" als in seinem „Psalter" begegnen,
sind mit einem Geiste uiib einer Liebe auf-
gefaßt, die unsere volle Vewnndernug her-
vorrnst. Sicherlich wollte er die so viel-
fach geradezu raffinirt erfundenen Sujets
der klösterlichen Darstellungen unserer mo-
dernen Malerei konipensiren und es ist
ihm dies in ausgezeichneter Weise gelungen, j
Ein wie wunderschönes und erhebendes
Denkmal schuf er nicht dem Ordensstande i

und seiner Thätigkeit in der Zeichnung
zu den Worten des 132. Psalms: ,,Ecce

quam bonum et jucundum habitare
fratres in unum“? Da schauen wir die
Brüder in voller Emsigkeit: der eine sitzt
an der Staffel und zaubert ein Bild auf
die Leinwand, der andere handhabt den
Meißel ititb verwandelt den rohen Stein-
oder Holzklotz in eine erhabene Madonnen-
statne, im Chore der Klosterkirche sind Or-
ganist und Sangmeister und üben die
jugendlichen Stimmen der Chorknaben
zum Lobe ititb Preise des Allerhöchsten.
Eine wahre „Harmonia" der Kunst! Und
das klösterliche Genre als Schlußbild zum
,,Gloria patri etc.“, wie einfach, an-
sprechend und erhebend ist es! Soeben
haben die Mönche ihr Contpletorinm be-
endet und ziehen paarweise und stillschwei-
gend in ihre Zellen zurück, während noch
einer die Lichter des Altares löscht —
eine prächtige Illustration zum „Amen".

Vor Jahren erschien im Verlag von
A. Ti'trr in Leipzig „d i e Biblische
Geschichte nach den Worten der
heiligen Schrift" mit Holzschnitten
nach Originalzeichnungen von bedeutenden
neueren Meistern. Neben den Namen von
I. Schnorr von Earolsfeld, Diethe, Große,
Jäger, L. Seitz und andern finden wir
auch den von unsernt Führich in vier
kleinen Entwürfen: Begräbniß Jesu, Gang
nach Emaus, Jesus erscheint beit Elfen
und am See Tiberias, welche in größerem
Format in seinem Ostereyklns ausgenommen
mtb unbedingt das Beste in jener bibli-
schen Geschichte sind. Allerdings athmet der
Holzschnitt in so feiner Ausführung wie
hier, daß er mehr dem Stahlstiche sich
nähert, nicht die gleiche Kraft und Wärme
wie in feinem „Er ist auferstanden". Im
Jahre 1809 kamen „die Gleichnisse
des Herrn nach den Worten der hl.
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