Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

Seite: 41
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saugen würde. Nur das Hammerbear- ’
beitete Silber-, Kupfer- und Messingblech
eignet sich zur Fenervergoldnng.)

In diesem Punkte also herrscht kein
Streit. Dagegen steht die Frage aus
der Tagest onung, ob der zürn heiligen
Opfer gebrauchte Kelch nicht galva-
nisch vergoldet werden könne und dürfe.
Näherhin kommt nur das Kelckinnere unb
etwa der obere glatte Theil der äußeren
Cuppa in Betracht. Hier muß unbedingt
daran festgehalieu werden, daß die Ver-
goldung die ntöglichst größte Haltbarkeit
unb Widerstandsfähigkeit besitzt. Und
nun liegt die Frage so: läßt sich auf
galvanische nr Wege eine Vergoldung
perstellen, welche (bei sonst schonender unb
rationeller Behandlung des Kelches) wenig-
stens annähernd haltbar ist wie die Oneck-
suververgoldung? Man darf wohl sagen:
wenn auch die Widerstandsfähigkeit der
letzteren nicht übertrosfen würde, wenn die
galvanische Vergoldung nur die durch-
schnittliche Widerstandsfähigkeit der Feuer-
vergoldilng erreichen würde, so dürfte
wegen der übrigen großen Vortheile der
ersterett die Frage damit entschieden fein.

Es liegt auf der Hand, daß diese Frage
nicht durch theoretische Erörterungen, son-
dert: eitizig anf Grund praktischer Erfah-
rungen gelöst werdet: kantt. Verfasser
dieses ist selbstverständlich nicht in der
Lage, mit solchen Resultaten aufwarten
zu feinten; dazu gehört eine längere Zeit,
gehören fachmännische Proben nnb Be-
obachtungen. Er will deshalb auch sich
nicht vernlessen, in dieser Frage ein un-
bedingtes Urtheil zu fällen, führt vielinehr
das folgende nur als Material zur Be-
urtheilnng und Atlbahntlng einer Lösung
derselben an.

Zunächst soll konstatiert sein, daß be-
reits eine Reihe von Fachmännern, dar-
unter auch von erfahrenen Geistlichen, offen
und entschieden sich für die galvanische
Vergoldung der Kelche aussprechen; es
seien genannt die Namen Struve, Pfan-
hauser. Weiß, Or. Kapser, Professor Ro-
selenr und der im Gebiete der Metall-
kunde sehr bewanderte bayer. Kaplan Riehl,
welcher schon seit 1892 öffentlich dafür
eingetreten ist, daß nachweisbar die gal-
vanische Vergoldung, wenn solid ausge-
sührt, ebenso gilt sei, wie die Feuerver-

goldung. Es darf doch wohl angenommen
werden, daß namentlich die letztere Auk-
torität auf Grund von Erfahrungen ge-
sprochen hat. Bekanntlich ist vor einigen
Jahren die Nachricht über einen Prozeß
des Hofjuweliers Leser iir Straubing in
Sachen dieser Frage durch die Blätter
gegangen. Die genannte Firma hat sich
offen zur galvanischen Vergoldung der
Kelche bekannt. Wir sehen hiebei von
der Frage ab, in welches Verhältniß
Leser zu den Ordinariaten getreten ist,
welche bis jetzt noch die Fenervergoldnng
fordern, wenn er trotzdem galvanisch ver-
goldete. Aber so viel muß doch zuge-
standen werden, daß man die bedeutende
Firma nicht ohne weiteres beschuldigen
darf, sie habe in tlnredlicher Absicht dabei
gehandelt. Vielmehr darf und muß man
wohl auf Grund des vorzüglichen Rufes
dieser Firma annehmen, daß sie ans gute,
ehrliche Grütlde hin, in der Ueberzeugung,
das Richtige beziehungsweise das Bessere
zil treffen, die galvanische Vergoldung an-
gewendet hat. Für diese Anschauung ist
der ganze Klerus von Straubing öffent-
lich eingetreten und hat ihr sein vollstes
Vertrauen in einer Erklärung vom 12. Mai
1898 ausgesprochen. Hofjuwelier Leser
ist dann auch mit einer Reihe von Auk-
toritäten und mit einer fachmännischen
Darlegung vorgegangen nnb hat u. E.
den Beweis dafür erbracht, daß es ihm
nicht darum zu thnn war, etwa zum
Schaden der Kundschaft an Gold zu
sparen oder überhaupt Minderwerthiges zil
liefern. Der gesunde Menschenverstand
dürfte nahelegen, daß in der Gegenwart
: ein solches Geschäft weit eher die Ten-
denz hat, das Beste unb Solideste zu lie-
fern, da die Konkurrenz unerbittlich ist
und da wegen einer solch' verhältniß-
mäßig geringen Sache wie die Vergoldung
der Kelche, eine Firma vom Ruf Lesers
ihren Ruf gewiß nicht durch zweifelhafte
Manöver aufs Spiel setzen wird. Uns ist
vielmehr die Firma Leser mit ihrer Er-
fahrung und ihren Einrichtungen eine
nicht zu unterschätzende Instanz für die
galvanische Vergoldung, um so mehr, als
eine Reihe von Fachgenossen derselben
auf gleichem Standpunkt stehen, und als
dieselbe Firma jede Garantie für gute
■ und solide galvanische Vergoldung gibt.
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