Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

Seite: 54
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über der Verordnung vom 25. November
1898 mit, daß siir jene Theile eines Ge-
fäßes der Kirche, welche mit dein Aller-
heiligsten nicht in unmittelbare Berührung
kommen, die galvanische Vergoldung nicht
verboten sei, also nur mehr die Cnppen
und Patenen, sowie Lunulen im Feuer zu
vergolden sind. — Es wäre freudigst §u
begrüßen, wenn an Stelle von sich wider-
sprechenden Verordnungen in einer so
wichtigen Sache ein einheitlicher Erlaß
sämmtlicher hohen Ordinariate treten würde.

Ich erlaube mir noch die Aufmerksam-
keit auf einen Punkt zu lenken, den Herr
Juwelier und Goldschmied I. F. Herzig
in: „Luxemburger Wort für Wahrheit und
Recht" berührte. Derselbe fand §u wieder-
holten Malen, was auch mir und gewiß
anderen Herren Kollegen ebenfalls unter-
kavl, bei fenervergoldeten Kelchen, welche
durch wiederholte Nenvergoldungen und das
.dadurch bedingte Abschleifen dünner und
sehr porös wurden, zwischen der Cuppa
und deren Umkleidnng eine klebrige, honig-
artige Masse. Was ist nun dieselbe?
Vom Goldschmied wird der Kelch doch
rein nbgeliesert; also muß sich diese
Masse während des Gebrauches gebildet
haben. Es bleibt also einzig die Annahme,
daß durch die bei der Fenervergoldnng sich
bildenden Poren (vergleiche Seite 16 und
42 im „Archiv") allmählich konsekrierter
Wein nach außen sickerte. Es dürfte an
der einfachen Erwähnung dieser Erfahrung
genügen! — — Stete Erwägungen über
diesen Punkt wie die vielen Mängel der
Fenervergoldnng, dagegen die äußerst gün-
stigen Resultate, besonders auch in Bezug
auf die Haltbarkeit des Goldes der von
nur seit über 20 Jahren gelieferten und
in Gebrauch befindlichen galvanisch ver-
goldeten Kelche rc., haben auch bei mir
wie den meisten Fachmännern die feste
Ueberzengnng hervorgebracht, in der
galvanischen Vergoldung die bessere, für
erwähnte kirchliche Zwecke unbedingt wür-
digere Vergoldungsmethode zu besitzen und
dieselbe zu empfehlen.

Straubing, den 9. April 1900.

Jakob Leser,

Juwelier und Goldschmied des Heiligen
Apostolischen Stuhles, Königlich und Her-
zoglich Bayerischer Hosjnwelier lind Hof-
lieferant 2C."

Mit dieser Zuschrift schließen wir die-
sen hochwichtigen Passus ab, nicht ohne
die gegründete Hoffnung, daß in abseh-
barer Zeit seitens der kirchlichen Ordina-
rien der Frage, ob nicht auch die heiligen
Gefäße galvanisch vergoldet werden dürften
—- natürlich unter den schon angegebenen
Cautelen —, näher getreten und dieselbe
in einer dem heutigen Stande der Sache
angemessenen Weise gleichmäßig und ein-
heitlich gelöst wird.

Wir gehen nun über zur dritten Art
der Schmückung der Metalle.

3. Die Einlege-Arbeiten.

Diese Art kommt zwar sehr wenig vor
bei dein §unt unmittelbarsten Dienst des
Heiligen bestimmten Gefäßen, speziell bei
Cuppa und Patene gar nicht, doch eher
schon bei den Füßen der Kelche, Mon-
stranzen lind bei andern Gegenständen,
z. B. alten Reliqnieukreuzeu u. dergl.,
und es dürfte darum wenigstens eine ganz
kurze Charakteristik der betreffenden Ar-
beiten angezeigt sein.

Unter metallischen Einlege-Arbeiten ver-
steht uran nichts anderes, als was das
Wort selbst bezeichnet: Werke der Ver-
zierung intb Bereicherung der Oberfläche
eines Metallgegenstandes, die dadurch her-
gestellt sind, daß in diese Oberfläche Linien,
Zeichnungen, Figuren u. s. w. eingegraben
wurden, welche dann wieder durch ein
anderes Metall bezw. Metallkomposition
ausgefüllt werden, ganz ähnlich dem Ver-
fahren bei den sogenannten Intarsien der
Holzkunstarbeiten. Es gibt verschiedene
Abarten dieser Metall-Einlegearbeiten,

a) Das Tauschire n kommt dein Be-
griff der genannten Arbeiten am nächsten,
wie auch sein Name, ital. tau3ia mit
tarsia zusammenhängt. Es besteht in
folgender Arbeit: in eine Metalloberfläche,
meistens allerdings Eisen oder Bronce,
aber auch in Silber, Kupfer u. s. w. wird
eine bestinnnte Zeichnung mit dem Grab-
stichel eingegraben und zwar so, daß die
betreffenden Vertiefungen nach innen etwas
breiter werden. In dieselben werden nun
die entsprechenden Verzierungen aus Gold
(Goldblech, ausgeschnitten, oder auch Gold-
drähte) eingesetzt, so daß die Vertiefungen
ansgefüllt sind. Weil die Vertiefungen
oben enger sind, so halten die eingelegten
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