Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

Seite: 55
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Theile dadurch fest; dazu fommt noch die |
weitere Festmachnng durch Pressung oder
Stoß (niemals aber durch Feuer, Schmelzen
u. s. ui.!), und hierauf wird die ganze
Oberfläche glatt gemacht, polirt u. s. m. '
—- genau wie bei Holzintarsien. Natür-
lich wirkt solch eine seine und schöne Ein-
legearbeit brillant. Die Tauschirkunst
stammt aus dein Orient; in Indien,
China n. s. w. ist sie schon seit uralter
Zeit bekannt; Benvenuto Cellini führte
sie bei uns ein. Die herrlichsten Tanschir-
arbeiten stammen aus beni 16. Jahrhun-
dert; es sind meistens Prachtrüftnngen,
aber auch Prachtgefäße und Geräthe.
Heutzutage hat Spanien den Ruhm, die
feinsten Tauschirarbeiten zu liefern.

b) Die Inkrustation ist im Wesen
dasselbe, wie das Tauschiren, nur mit
dem Unterschiede, daß hierbei nicht die
menschliche Hand, sondern die Galvano-
plastik thätig ist.

c) Das Niello (ooit nigellus, schwärz-
lich) hat seinen Namen von der Farbe
der eingesenkten Verzierungen, näherhin
von dein Material derselben. Es ist das
eine Mischung von Silber, Kupfer, Blei
intb Schwefel, welche eine schwarze Masse
ergibt, die pnlverisirt wird. Mit ihr
werden die (wie oben beim Tauschiren)
eingegrabenen Vertiefungen ausgefüllt und
dann wird das so behandelte Metallstück
ans Feuer gebracht, wodurch das Niello
sich hineinfchmilzt. Dann wird die Ober-
fläche wieder gereinigt, polirt n. dergl.,
wie oben. Das Niello kommt fast durch-
weg nur auf Silber vor, wie die Tan-
schirarbeiten ans Eisen, Stahl intb Bronce.
Die feinsten Niello-Arbeiten werden in
der russischen Stadt Tula hergestellt,
weshalb man Niello oft auch einfach mit
dem Wort „Tula" bezeichnet. Doch wird
„Tula" auch gebraucht für diejenigen Ar-
beiten, bei welchen die auszufüllende): Ver-
tiefungen nicht durch die kunstvolle Hand-
arbeit, sondern durch Prägestempel u. s. w.
gemacht werden.

Das Niello bezw. Tula bildet beit
Uebergang von den Einlege- zu den
Email arbeiten, die für sich besonders
behandelt werden müssen. Einerseits ist
es noch eine Metall-Composition, die
in die Vertiefungen eingesetzt wird, anderer-

seits aber kommt bei ihm die Farbe und
der Schmelzprozeß zur Geltung.

Ehe wir indessen an das Entail kom-
men, haben wir noch im Anschluß an die
Metall-Ei ulege- die Auflege-Arbeiten zu
beschreiben, wovon nächstesmal.

Der Bodenbelag in Innenräumen
in seiner historischen Entwicklung.

Sou Theodor Öfter ritt er in Stuttgart.

I.

Von den früheften Zeiten bis zur
b p z a n t i n i s ch e n Z e i t.

In den frühesten Zeiten, als der Mensch
noch in Hütten oder Lehmbauten wohnte
und noch keine Steinbanten anfzuführen
verstand, begnügte er sich auch, wie wir
es heut zu Tage noch bei Völkern niederer
Kulturstufe oder auch bei uns in ärmeren
Gegenden vorfinden, mit dem Ebnen und
Feststainpfen des Fußbodens. Erst mit
Beginn des Steinbanes und der Entwick-
lung der Civilisation fieng man auch an,
den Fußboden mit natürlichen oder künst-
lichen Steinen sowie Holz zu belegen
und zwar nicht blos für den Zweck des
Bedürfnisses, sondern bald auch für den
des Schmuckes und des Luxus.

Die ältesten Spuren künstlicher Fuß-
böden und zwar in Form von flachen
Backsteine n finden wir in dein Heimath-
lande menschlicher Kultur, in Asien, in der
Pagode von Chalembron an der Coro-
mandelküste, einem der ältesten Heilig-
thümer der alten Inder.

Auch die Assyrer verwandten zu ihren
Fußböden wie zu den Wänden theils
glasirte, theils nnglasirte Backsteine. —
In der assyrischen Abtheilung des Mu-
seums des Louvre zu Paris kann inan
derartige Fußböden und Wandbekleidnngen
in Originalen sehen.

Die Ausschmückung des Bodens mit
Mosa ik, d. h. kleinen farbigen, meist vier-
eckigen Steinchen, soll eine Erfindung der
Perser sein, und vom Palast des Perser-
königs Ahasverns berichtet uns die hl.
Schrift im Buche Esther (1, 6): „Und
die Lagerstellen waren von Gold und
Silber auf dem Boden, welcher mit Sma-
ragd und perischem Gestein belegt war,
i zngerichtet, und Malerei von wunder-
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