Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

Seite: 60
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al fresco tragen, was Komposition und Technik
anlangt, den Stempel des Meisters an sich.

In hiesigem Psarrhause findet sich ein Bild
von ihm, das die allerheiligste Dreifaltigkeit
darstellt. Die Rückseite zeigt folgende Notiz:
,,Jos. Wannenmacher. Tomertinganus. Accad.
Roman, invenit de pinxit. 1760.“ An der
Chordecke der hiesigen Pfarrkirche ist ein Gemälde
von ihm ans Leinwand, das die Ueberreichung
der Regel des Benediktinerordens durch einen
Engel an St. Benediktus vorführt und einen
ähnlichen Vermerk, wie obigen, tragen soll.

Wir begegnen Produkten Wannenmachers in
verschiedenen Kirchen der Umgegend, z. B. von
E l ch i n g e n, Scharen st etten, D e g gi n g e n.
Auch entlegenere Heiligthümer weisen solche aus.
Unser Künstler malte in der Kapellenkirche zu
R o t t w e i l 1753 die Fresken, worunter besonders
schon die „Bestürinung der Stadt Rottiveil am
11. November 1643"; dann die Fresken in der
Gottesackerkirche zu St. Leonhard in S ch w ä b.
Gmünd. Für dessen bedeutenden Ruf spricht
vor allem die Thatsache, daß er, wie Herr Dr. Fäh
mittheilte, 1758—1762 in der Kathedrale, Biblio-
thek und Galluskapelle zu St. Gallen thätig
war. Zum größten Theile find seine dortigen Werke
noch vorhanden. — Aus dem Jahre 1784 findet
Dr. Fäh in einem Reisetagebuche: in Elchingen er-
kundigten wir uns „um das Schicksal des Malers
Wannenmacher und seines Sohnes, unseres ehe-
maligen Schulkameraden, beide unglücklich und beide
schon im Grabe." Worin das Unglück bestand,
konnte ich nicht eruiren. Wannenmacher besaß
jedenfalls ein ausgeprägtes Selbstbewußtsein; so
gab er seinen Kindern bei der Taufe bis zu
sieben Vornamen.

Nach Bemerkungen alter Personen über Wannen-
macher scheint unser Künstler etwas unstät ge-
lebt zu haben.

Er starb, mit den Sterbsakramenten versehen,
am 6. Dezember 1780 in Tomerdingen, wohin-
gegen seine Frau erst an: 27. Dezember 1814,
„ca. 90 Jahre alt", an einem Schlage verschied.
Sein elterliches Haus, jetzt Eigenthum von Bauers-
leuten, befindet sich noch im ursprünglichen Zu-
stande.

T o m e r d i n g e n. Pfarrer D i e ck m a n n.

Literatur.

Stuttgarter Kunst 1 7 94 —1 8 6 0.

Nach gleichzeitigen Berichten, Briefeil und

Erinnerlingeit von M a x B a ch. Stuttgart.

Verlag von Adolf Bonz u. Comp. 1900.

Preis M. 3.60.

Der Verfasser will mit dieser Schrift unserer
Generation die Erinnerung an die klassische Zeit
der Stuttgarter Kunst wieder ins Gedächtniß
zurückrufen. Er sieht diese Zeit in den Jahren
1794—1860, also beginnend mit der Aushebung
der Karlsschule bis zum Abschluß der Regierung
König Wilhelms 1. „Nach dem Jahre 1860 kann
man von einer Stuttgarter Kunst im eigentlichen
Sinne nicht inehr sprechen, sie hat ihren speziellen
württembergischen Charakter verloren; die großen,
vom Hofe ausgehenden Bauten und Verschöne-
rungen der Residenz und ihrer Umgebungen waren ;

bis dahin in der Hauptsache vollendet". Wie
} schon der Titel angibt, besteht das Buch eigent-
lich nur aus einer Zusammenstellung von gleich-
zeitigen Berichten, Briefen u. dergl. und hat der
Verfasser sich große Mühe gegeben, alles beizu-
bringen, was er in der Memoirenliteratur über
Stuttgarter Kunstzustände und Künstler fand.
Das Material excerpirte er meistens aus alten
Kunstzeitschriften, vor allem aus dem Cottaschen
Kunstblatt und für die neuere Zeit war ihm
Hauptquelle der „Schwäb. Merkur", Biographi-
sches über Künstler gab ihm vielfach Wintterlins
„Württembergische Künstler". Es ist in dem
Büchlein von 348 Seiten ein ziemlich reichhal-
tiges Material zusammengetragen und manche
interessante Schriftstücke, die bisher weniger all-
gemein bekannt waren, sind hier mitgetheilt,
manches hätte auch füglich weggelafsen oder bloß
in wenigen Worten auszüglich gegeben werden
können. Auch hätte eine bessere, prägnantere
Verarbeitung des Stoffes das Buch kürzer und
seinem Inhalte nach übersichtlicher gemacht; so
ostinalige Wiederholungen von Künstlernamen
u. s. w. müßten dann von selbst verschivinden.
Doch wird auch so das Buch seine Freunde finden
und einen immerhin beachtenswerthen Beitrag
zur Vaterlandskunde geben. hl.

Architektonische Stilproben. Ciit
Leitfaden mit Historischem Ueberblick der
wichtigsten Bntldenkmäler von sDi a x B i-
schof, Architekt. Mit 101 Abbildungen
auf 30 Tafeln. Leipzig. Verlag voit
Karl W. Hiersentann. 1900. Preis 5 M.
Wer einen kurzen und klaren Ueberblick über
die Geschichte der Architektur aller Zeiten und
aller Länder und über die charakteristischen Formen
der Stilarten sich verschaffen will, greife nach
diesem elegant cartonirten Büchlein. Es kann
auch als Einleitung zum Studium eines größeren
Werkes dienen und geben dann die 30 Seiten
Text und die 100 Abbildungen eine gute Vor-
schule. Nachdeni zuerst die meist untergegangenen
Wunderwerke grauer Vorzeit aus Aegypten, Ba-
bylon und Vorderasien kurz gestreift sind, geht
der Verfasser zu den Meisterbauten des klassischen
Alterthums über, führt uns dann in den alt-
christlich-byzantinischen Stil ein, der von Kon-
stantinopel seinen Ausgangspunkt nahm und be-
spricht mit knappen Worten die Architektur des
Islam; er zeigt dann weiter, wie die Bestre-
bungen der christlichen Kirche erst im romanischen
Stile spätrömische Traditionen erkennen lassen,
die weiter zur Ausbildung des gothischen Stils
führen, dessen Wiege wir in Paris zu suchen
haben, obwohl wir gerne geneigt seien, den
gothischen Stil als spezifisch deutsch für uns in
Anspruch zu nehmen. Weiter wird dann der
Renaissancestil behandelt, der wiederum in den
verschiedenen Ländern eigenartige Umbildungen
Hervorrust und Abarten findet i>n Barock und
Roccoco. Die photographischen Abbildungen in
solcher Größe ("Vis (Zentimeter) lassen die Wir-
kungen der Architektur natürlich nur minimal zur
Geltung kommen und sind vielfach auch nicht
scharf genug, so daß die Details fast nirgends
erkennbar sind.

Stuttgart, Buchdrackerei der Akt.-Kos. „Deutsches Volksblatt".
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