Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

Seite: 63
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Hof geschritten und damals von ime
Baltas von Mnr gehert, wie die Tempel-
herrn sollichen Hof inngehapt hetten."
Jerg Kirch map er, genannt Jerg von
Mur, Bürger 3x1 Leonberg, fügte aus:
„nachdem Harmß von M n r, sein Schrveher
genest uitb er Zeug hievor 9 Jar lang
selber uff follichenr Hof und berneltz feius
Schwehers seligen theil gesessen, in anno
(15)42 aur ledsten davon konren, Hub er
ainest under selbiger Benermng in ainenr
Acker, rrach (— nahe) beim Haust ligendt,
gegraben, da underm Erttenreich gehanne
Stückh und ain gostnen Eerrr fanden, darob
er nein und auch deszen bemeltem seinem
Schrveher nitb andern Bericht empfangen,
das ein Closter der Enden gewestt oder
gestanden sei." Eilt anderer Zeuge Hannß
Klein, Schultheiß zu Hirfchlanden, sagte
aus: „er Hab allwegengehört, es sey ain
alte Kirche da gestanden und sein die non
Hirßlanden vor Jnrn an Sauet Niclansten
Tag allrvegen dohin geritten." Ein weiterer
Zeuge Jacob Stüber von Münchingen
sagte arrs: „er habe also von alten Hern j
sagen hörn, es sei dem also und ein!
Kloster da gewest. Er wist aber für sich j
selber nicht. Man seh zwar Kreitz und
Thirgestell (— Thürgestell) daran noch '
wol." Der letzte Zeuge Hannß Wen- I
nagel, Schultheiß von Sachsenheim vorm
Berg, sagte ans: „daß er, alls er An-
fangs in die Ee körnen, uff den Hof gein
Mur, Conrads von Nüpenborgs Theil
zogen und 3 Jar lang da gesessen. Sei '
war, daz die Behaußung, so yetzo Haust!
Drewer inhab nnb damals Baltus von ^
Mur besessen, ainer Kirchen gleich sehe,
noch Kreitzlen nnb ander mehr Anzeigen '
daran standen."l)

Ans diesen Aussagen geht zweifellos j
hervor, daß auf dem Hof Mauer ein
kirchlicher Bau gestanden haben muß, den
die einen als Kirche, die andern als
Kloster bezeichnen und einer mit dem
Erden der Tempelherren in Verbindung 1
bringt. Was letzteren anbelangt, so wird
auch von angeblichem Besitz dieses Ordens
in Württemberg berichtet. °„Anf der Alp, !
nordwestlich von Wiesensteig, auf dem so- !
genannten Anger, war, der Volkssage !

') Bergt. Geh. Haus- und Staatsarchiv,
Kasten 17, Fach 3, Büschel 5.

nach, in früherer Zeit ein Tempelherren-
kloster. Man erzählt sich, daß diese Tempel-
herren den Gottesdienst in Reidlingen ver-
sehen haben; sie sollen in einer Nacht ermordet
nnb das Kloster zugleich zerstört worden
sein. Aus der Stelle selbst finden sich
nur noch Steingerölle, als Reste eines
viereckigen Gebältdes nnb ein Gewölbe.
Auch ist dieser abgelegene Ort der Fund-
platz von vielen Hellern (Händlinopsen-
ningen)." ') Es geht die Sage, das; auch
in Waldenbuch, OA. Stuttgart, 13t2 eilt
Templerhaus zerstört worden sei.2 3) In
Schrotzberg, OA. Gerabronn, heißt ein
Teil des fürstlich hohenlohischen Schlosses
der Tempelbau ■') und wird aus die Templer
zurückgeführt. Auch in Blaufelden, OA.
Gerabronn sollen die Templer begütert
gewesen sein.

U r k u n d l i ch ließ sich bisher kein Besitz
dieses Ordens im heutigen Württemberg
Nachweisen. Dagegen erscheint 1221
Bertoldus de Mergintheim unter den
Templai ii. 4)

Daß aus dem Hof Mauer die Templer
ansässig waren, ist jedenfalls eine sehr
alte Ueberlieserung, da schon 1502 Bal-
tasar von Maur dieses erzählte.

Trotz alledem wird es sich hier wohl
nur um eine Sage handeln. Der Ur-
sprung dieses kirchlichen Baues ans dem
Hof Maur ist wohl jüngeren Datums.
Ein Aktenstück des königlichen geheimen
Hans- und Staatsarchivs5) enthält fol-
gende Notiz: „anno domini 1496 ist ge-
wephet worden uss Mittwoch vor Philippi
(27. April) die Kirch zu Mur und kost
die Kirch zu wephen: dem Bischof 4 Gulden
und halt der Bischofs und ander verzert
1 Pfund 15 Schilling 6 Heller." Am
13. Juli 1497 verkaufte Leonhardt von
Mur, zu Münchingen gesessen, dem Junker
Konrad von Nip p enbur g um 1295 rhei-
nische Gulden seinen Hof zu Mur nnb
hatten sein Sohn Leonhardt v. Mur zu
Hirschland und seine Tochtermänner und
Töchter zum Verkauf ihre Zustimmung

0 OA.-Beschr. Geißlingen S. ‘21-2.

2) Beschr. b. OA. Stuttgart Amt S. 273;
Steinhofer 2, 47.

3) OA.-Beschr. S. 210.

4) Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins 2, 304.

5) Kasten 17, Fascitel 2, Büschel 7.
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