Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

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gegeben. l) Der neue' Besitzer des Hofs
Mauer, Konrad v. Nippenburg, ließ
jedenfalls, frommen Sinnes, die Kirche
auf dem. Hof erbauen. Als 1537 im
Amte Leonberg Herzog Ulrich die neue
Lehre einführte, wurde offenbar die Kirche
in Mauer profanirt und mag damals in
den Besitz von Hans v. Mur 31t Leonberg
gelangt sein. Bon dessen Schwiegersohn
Jerg u. M ur zu Leonberg und Töchtern
erwarb 1540 Hans Tr eh er mit einem
Hof zu Mauer auch diese ehemalige Kirche.
Dieser Hans Dreher, gewesener Bogt
311 Leonberg, bezeugte 1553: „war nnnd
beweißlich, das der Hoff Mnr genannt
vor vil Jaren der Tempelherren nnnd
also ain gaistlich Gntt gewesen, wie auch
das mittel Hauß, so Hanns Dreher in-
hatt, uff disen Tag ainer alten Kirchen
gleich sieht nnnd sollchis glaublich erzaigt."-)
Noch am 8. Februar 1563 verlieh Herzog
Christoph v. W ü r t t e m b e r g dem Pfleger
31t Derdingen, Sebastian Dreher als
Träger seiner Mutter Lucia B0llard in,
der Mitten Hans Drehers die Hälfte
des ganzen Hofs Manr (und mit ihr die
ehemalige Kirche ) zu rechten: Erblehen. 3j
Später gelangte auch dieser Dreh ersehe
halbe Hof zu Manr nitb mit ihm die
ehemalige Kirche in den Besitz der Familie
v. Nippenburg. Da diese schon seit
1496 einen Hof in Manr besaß, ließ sie
wohl die ehemalige Kirche abbrechen.
Wenigstens berichtet die Oberamtsbeschrei-
bung Leonberg, S. 416: Noerdlichem Hof
(Atauer), 31t beiden Seiten des nach Nippen-
burg suehrenden Weges, stößt man häufig
ans Grundmauern, und zur Erntezeit wird
der Zug der unter der Oberslaeche befind-
lichen Gebändereste sichtbar. Nachgra-
bungen würden wohl Neste der ehemaligen
Kirche zu Tage fördern.

0. Die deutsche Gesellschaft für
christliche Runst

hat kürzlich ihr M itglieder - Verzeich-
niß nach den: Stande vom 1. März 1900
ansgegebem Wir entnehmen demselben,
daß die Gesellschaft am genannten Termin

H Kgl. geh. Haus- und Staatsarchiv. Lager-
blich von Leonberg.

H Ebendas., Kasten 17, Fach 3, Büschel 9.

8) Ebendas., Kasten 17, Fach 2, Büschel 7. I

211G Mitglieder zählte, um 323 mehr
als im Vorjahre und um fast 800 mehr
j als vor drei Jahren. Durch Tod hat sie
• im letzten Jahre verloren 25 Mitglieder,
' darunter fünf Württemberger. Ein Rechen-
schaftsbericht über Einnahmen und Aus-
gaben liegt nicht bei; derselbe wird zweifel-
los wie auch im letzten Jahre gesondert
auf Juli ausgegeben. Dagegen wird
mitgetheilt, daß die Gesellschaft für chr. K.
seit ihrem Bestehen (sie wurde gegründet
am 4. Januar 1893) bis jetzt 11 650 Nt.
an Zuschüssen für Küchenbauten nitb
Kirchenrestanrationen, zur Herstellung von
Altären, Gemälden, Statuen n. s. w. be-
willigt hat. Nach unserer Rechnung wilrden
seit 1. Januar 1899 bis 1. März 1900
allein 5300 Nt. für die angeführten Zwecke
verausgabt. Die Zuwendungen letzterer
Art waren natürlich erst dann möglich,
als die Mitgliederzahl so stark geworden
war, daß Ntittel über die Kosten der
Vereinsgabe u. s. w. hinaus verfügbar
wurden. Es wird aber betont, daß von
Jahr zu Jahr immer mehr Anforderungen
herantreten, welche nur dann Berücksichti-
gung finden können, wenn auch die Mit-
gliederzahl entsprechend steigt.

Was die Betheiligung aus unserem
Lande betrifft, so ist schon einige Ntale
seitens der Vereinsleitnng konstatirt worden,
daß Württemberg besonders gleich 311 An-
fang warme Theilnahme an dem Verein
gezeigt hat. Gegenwärtig beläuft sich seine
Mitgliederzahl ans fast genau 200
Das sind etwa elf Prozent der Gesammt-
zahl der Gesellschaft; eine schöne, respek-
table Summe, — und doch könnte sie
und sollte sie auch sich noch erheblich ver-
stärken, wenn die Theilnahme gleich-
m ä ß i g e r sich zeigte. Wir führen folgende
Notizen an: An der Spitze steht S t u t t-
gart mit 26 Mitgliedern; dann kommt
dicht darausfolgend Ravensburg mit
25, hieraus E l l w ang e n mit 7, Rotten-
burg mit 5, Gmünd, Tübingen,
Ehingen und Saulgau mit je 4,
Oberstadion mit 3, Spaichin gen,
Leutkirch, Wolfegg, lllm, Bibe-
rach mit je 2 Mitgliedern, den großen
Rest bilden die zahlreichen Orte mit je
einem Namen, an ihrer Spitze steht Nott-
weil und Horb. Gar nicht vertreten
sind die Städte bezw. größeren katholischen
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