Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

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lnnd, O est erreich -u tt g a rn, Lu xem-
burg und Tchweiz.

Nachdem jetzt bald der ziveite Band dieses
hervorragenden Werkes seiner Vollendung nahe
steht, möchten wir mit wenigen Zeilen noch ein-
mal aus dasselbe aufmerksam machen. Es sind
seit unserer ersten Besprechung (1899, Nr. 8)
weitere 10 Hefte erschienen. Wie aus den ver-
schiedensten Rcceusionen hervorgeht, hat das Werk
in allen Gegenden Deutschlands wohlwollende
unb zum Theil begeisterte Aufnahme gefunden.
Es ist auch, ivie ein sehr kompetenter Beurtheiler
sagt, ein wahrhaft monumentales Erzeugniß mit
vortrefflichen Bildern und nicht minder vortreff-
lichem Text. Nachdem im 10. und 11..Hefte di«'
Bisthüiner Deutschlands zu Ende geführt sind,
beginnt im 4. Abschnitt die Behandlung der
schweizerischen Bisthüiner Basel-Lugano, Chur,
St. Gallen, Lausanne-Genf, Sitten, der Abteien
Einsiedeln und St. Moriz (Wallis). Auf die
Schweiz folgt Luxemburg, in dessen Text wir
interessante, bisher weniger bekannte Abbildungen
finden. Das folgende Dutzend von Heften ist
den österreichisch-ungarischen Kirchenprovinzen ge-
widmet und finden wir da eine solche Fülle des
Stoffes und eine solche voii Abbildungen, daß
wir uns unmöglich auf Einzelnes einlassen können.
Wie man hört, ergab die Bearbeitung dieses
letzten großen Abschnittes des zweiten Bandes
ganz besondere Schwierigkeiten. Professor Ln.
Schlecht in Freising hat die ganze Arbeit über-
nommen und zu dem Zwecke eine längere Ltudien-
reise nach Ungarn unternehmen müssen, da das
Material nur sehr lückenhaft vorlag. Die Aus-
führungen find sehr interessant, da sie sicherlich
für alle Leser außerordentlich viel Neues ent-
halten, die Bilder sind mit gutem Geschmacke
gewählt und eine treffliche Unterstützung des
Textes. Angesichts dieser hervorragenden Leist-
ungen empfehlen wir wiederholt die Anschaffung
dieses in unserer katholischen Literatur einzig
dastehenden Prachtwerkes.

D i e B e m a (u n g unsererKi r ch e n oder:
Wie und voll ivem sollen nnt unsere Kirchen
bemalen lassen? Ein offenes Wort an den
Klerus im Interesse der christlichen Kuilst
und Kiinstler von A. Möllers, Vikar.
Harnm i. W. Drllck lind Verlag non
Bonno und Thiemann. Preis 80 Pfg.
Der Verfasser will in diesem nur 53 Seiten
zählenden Schriftchen nicht etivas Neues oder
Originelles bieten, ebenso wenig denkt er daran,
die hier daraelegte Ansicht als so unbedingt und
allein richtig hinzustellen, daß jede andere Meinung
als durchaus falsch zu betrachten sei. Doch wird
er durch feine allgemein verständliche Darlegung
manchem der Herrn Consratres einen Dienst er-
weisen und ihn in den Stand setzeil, bei einer-
dekorativen 'Ausmalung seiner Kirche wenigstens
liicht ganz als Laie dastehen uild bloß ilach seinem
mehr oder minder ausgebildeten persönlichen Ge-
schmack mitsprechen zri müssen. Was das Büchlein
dagegen von S. 10 an über sigurale Bemalung
der Kirchen bringt, scheint mir für deil Laien
wenig praktischen Werth zu haben, da mit diesen

technischen Auseinandersetzungen über Koinpo-
nieren, Zeichnen, Luft und Schalten u. s. w. der
Nichtmaler wenig ivird ansangen können. Prak-
tisch und zeitgemäß ist aber wieder, ivas wir
über Zuwendung non Aufträgen an tüchtige Meister-
nder über „Kunsthandlung rmd Künstler" lesen.
Bekanntlich ist aus Katholiken - Versanlinlungen
iviederholr die Resolution gefaßt lvorden, ivoilach
aufs wärmste die direkte Zuwendung von Auf-
trägen ail tüchtige Künstler empfohlen und aus
das entschiedenste die Vergebung derselben an
einen bloßen Geschäftsinhaber oder ilicht selbst-
stäudig künstlerisch schassenden Kunstanstalts- oder
Kunstverlagsbesitzer mißbilligt wird. Der Ver-
fasser bringt nun Beispiele, lvie horrend in diesem
| Stücke noch gesündigt wird und wie nothwen-
dig die stete Beachtlvlg jener Resolution wäre.
Ein Maler hat sicherlich 3/.i Jahre an einem
Bilde gearbeitet. Er hofft, für dasselbe etwa
700 bis 800 M. zu erzielen, denn das ist's in
der That werth. Er schickt's zur Ausstellung,
doch vergeblich. Es kaust's ein Kunsthändler von
ihm, der freilich schoil lange darnach geangelt
hat, aber nur den güilstigen Augenblick abwartete,
wo es der Maler verkaufen mußte, und er-
bietet ihm jetzt 130 M. Er erhält das Bild lind
verkauft es slir 750 M. an einem Badeorte, lvo
er eine sogenannte ivandelnde Kunsthandlung nuf:
geschlagen hat. Ein anderes Beispiel. Da ist
der reiche Devotionalien- uild Kunsthändler V.,
der ein großes Geschäft hat in prächtigster Lage,
ein „braver Katholik", bei dem die Geistlichen
ein- und ausgehen. Die Kreuzwege, die er liefert,
sind wirklich gut ausgeführt, keine Pfuscharbell -
man sieht, er läßt sie von Künstlern ausführen.
Da malt der Maler W. den ganzen Tag im
Schiveiße seines Angesichts, um für sich und die
Seinigen nur das nothwendigste trockene Brot zu
verdienen. Er malt an einem Kreuzwege und
ist krank dabei. Die Bilder sind für eine größere
Kirche bestimmt, in dem Format, wie sie in der
Regel 250 bis 300 M. kosten pro Station, lind
! was erhält der Maler für seine Arbeit? sage
nnd schreibe a Station 10 Mark! (denn der Händler
liefert ihm die Farbe unentgeltlich.) Sein Aus-
! traggeber ist der religiöse Herr V. mit der „reellen"
j Geschäftspraxis, für den er seit Jahren arbeitet;
dies war seine letzte Arbeit, über die zehnte
Station ist er nicht hinausgekommen. Noch ein
Beispiel: Ein armer Maler in X wurde zum
J königlichen Schlosse I. beschieden, um dort zivei
Bildchen zu firnissen, die seinen Namen trugen,
ein Beweis, daß die Bilder gut waren, denn die
^ Verwaltung des königlichen Schlosses kaust keine
schlechten Bilder. Er geht hin — jawohl, es
sind seine Bilder, die er vor kurzem in seiner
Noth an einen Kunsthändler hat verkaufen müssen.
Er erkundigt sich, zu ivelchem Preise die Bilder
wohl angekauft sein mögen. Es wird nachgesehen
und da findet sich, daß sie mit 000 M. bezahlt
wurden. Der arme Mann wird blaß und rot,
als er das hört, denn wieviel hat er dafür vom
Kunsthändler erhalten? — Ganze 30 Mark!

lhiezn eine Ilnnstbeilage:

Ausstattung einer Tauskapelle mit ffgiirlicher
Glasmalerei.

Stuttgart, Bilchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblntt".
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