Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

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Hannes, der sie tröstet, ititb der hl. Mag-
dalena, konunt beim Hanse der Martha
an, nw diese in Schmerz versunken auf
der Treppe wartet, während der hl. Petrus
weinend gegen den Calvarienberg gerichtet
ist. Das Grab ist bewacht, der Calvarien-
berg ist leer und sind nur die Kreuze 51t
sehen; in der Landschaft herrscht heilige
Stille.

Nach fünfjährigem Aufenthalte in Ronr
vermählte sich Flatz am 20. Juni 1838
in Wien mit dem ihm in Rom. bekannt
gewordenen Fräulein Maria Reichsfreiin
von Foullon-Norbeeck, wodurch er mit hoch-
adeligen Familien von Brüssel uitb Wien
verwandt wurde, so mit dein bertihmten
Abbe Joseph Maria von Geramb, General-
proknrator des Trappistenordens. Er ließ
sich in Innsbruck nieder und wohnte tut
Schlosse Büchsenhausen. Hier nun kam. zu
ihm der nachmals berühmt gewordene Maler
Jakob Fink (geb. 1821 zu Schwarzenberg,
der Heimath der Nialerin Angelika Kauf-
mann) und machte im Zeichnen und Malen
große Fortschritte. „An einem heißen Som-
mernachmittag (1839)" — so erzählte Flatz
- „trat Fink mit seiner Bagage auf dein
Rücken iind die Stiefel unterem Arnn bei
mir ein; denn letztere, welche auf das
Wachseil berechnet waren, thaten ihm so
ivehe, daß er, wie er's auf der Alpe ge-
wohnt war, leichter barfuß ging. Er
legte den Weg voil 14 Posten in minder
als drei Tagen über's Gebirg zurück iind
brauchte als Zehrung 1 fl. 15 Kr." Hier
in Jililsbrnck malte Flatz it. a. für die
Redernptoriften das Bild „Der hl. Al-
phoils Liguori" uiid 1839 beit „Hei-
lig eil Joseph, wie ihm etil Engel
i iil Tr a il m erschei il t," für den Appella-
tionsrath Berauther, welches Bild dieser
der Kirche iil Hohenems schenke, wo
es sich über einem Seitenaltar befindet.

Iil Jnilsbrnck konnte sich Flatz ilicht
gaiiz heinlisch fühlen nild empfand er
immer ein stilles Heimweh nach der ewigen
Roma nild da ihm hier auch das Klima
iiicht zusagte, entschloß er sich, nach Rom
znrückznkehren. Er nahm seinen Schüler
Fink mit sich, nachdem er zuvor sich um
Göiiner für denselben uingesehen hatte.
Fiiik führte hier ungefähr fünf Jahre
hindurch ein äußerst enthaltsames, aber
arbeitsreiches, emsig produktives Leben,

iinr das eine Ziel im Auge, der Kunst
und seinen Gönnern Ehre zu nlachen.
j Mit rührender Treue hieng der brave
Jüiigliilg an seinem Lehrer und Meister,
der ihn wie sein eigenes Kind liebte und
ailch unter seinem eigenen Dache wohnen
ließ. Im Mai 1840 trat Flatz mit seiner
Frau, seiner Nichte Carolina Gasser 1111b
mit Fink die Reise an und kamen über
Venedig, Ferrara, Bologna und Florenz
am 20. Juni in Rom an, welche Stadt
nun die zweite Heimath werden sollte. Am
20. Juli bezog Flatz mit feiner Frau
und Nichte seinen Sommeranfenthalt in
Frascati, vier Stunden von Rom ent-
fernt; hierüber befiel ihn und seine Frau
das Wechselfieber und zwar in so hohem
Grade, daß beide zugleich mit den hl.
Sterbsakramenten versehen werden mußten.
Am zehnten Tage der Krankheit, den
31. Juli 1840, schied die edle fromine
Frau des Künstlers ans diesem Leben, iil
Folge einer Frühgeburt; das erste Kind
Anna war am 12. April 1839 schon in
Innsbruck gestorben. Dem todkranken
Flatz konnte erst nach einigen Tagen, als
er wieder zum Bewußtsein kam und etwas
kräftiger geworden war, die erschütternde
Nachricht vom Tode seiner Gattin imb
seines Kindes gemeldet werden. Beide,
Mutter und Kind, waren bereits in der
Domkirche zu Frascati beigesetzt, wo sie
unter dem Marienaltar ruhen. Ueberaus
groß war der Schmerz des zartfühlenden
Künstlers, trostvoll für ihn aber auch das
rührend schöne Beileidsschreiben, welches
Overbeck von Nom ans an ihn sandte.x)

Nach sechs Jahren ruhmvollen Schaffens
sollte des Meisters Seele wieder erneuter
Schmerz verwunden. Am 6. Sept. 1846
starb nemlich nach vierzehntägiger Krank-
heit am Nervenfieber sein ausgezeichneter
Schüler Jakob Fink, erst 26 Jahre alt.
Er selbst schreibt über diesen Todesfall:
„Nicht leicht war der Verlust eines jungen
Menschen so allgemein betrauert. Jeder,
der seine Arbeiten oder ihn kennen gelernt,
ja selbst die ihn nur vom Gehen kannten,
beklagten seinen Hintritt. Wie schmerzlich
mir sein Verlust ist, bedarf ich nicht zu

9 Abgedruckt bei Binder, Friedrich Over-
beck : Sein Leben und Schaffen. Freiburg Herder.
2. Bd., S. 81.
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