Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

Seite: 81
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sagen, denn ich liebte ihn wie mein ei-
genes Kind."

Flatz führte von nun an, nachdem der
unerbittliche Tod die engsten Familien-
und glücklichen Freundschaftsbande all-
mählig gelöst hatte — 1846 starb auch
sein Vetter, Joseph Maria v. Geramb
- ein ganz der Kunst gewidmetes Still-
leben ; seine Gemälde bildeten seine Familie
und in deren Kreis verlebte er, wie er
oft sagte, seine seligsten Stunden.

Vom Jahre 1840 bis 1870 lebte Flatz
— eine Reise nach Deutschland l 1846)
abgerechnet •— ununterbrochen in Rom
und diese dreißig Jahre waren eine herr-
liche Zeit der Arbeit, voll Begeisterung
für die Kunst, ein Ringen nach idealen
Schönheiten, und eine stattliche Reihe von
Gemälden entstand in dieser Zeit. Im
Jahre 1841 malte er „St. Joseph",
halbe Figur und Zirkelformat, für den
Fürstbischof I. von Tschiderer, nach dessen
Tod das Bild in den Besitz des Kardinals
Simor, Flirstprimas von Ungarn, kam.
Int folgenden Jahre malte er für den
Kaiser Ferdinand die „Geburt Christi",
welche für die kaiserliche Gallerie bestellt
war, später aber auf den Wunsch des
Kaisers gum Hochaltarbild in der Hos-
kapelle bestimmt wurde. Der Karton
davon befindet sich im Bildersaale des
Landesmuseums in Bregenz.

Ein großes Altarblatt in der Franzis-
kanerkirche zu Schwaz in Tirol, welches
die „Glorie des hl. Franziskus"
darstellt, hat seiner Zeit bei der Kunstaus-
stellung an der Porta del Popnlo int
Jahre 1846 allgemeine Bewunderung auf
sich gezogen. Der hl. Franziskus schaut
entzückt den in den Wolken neben der
Gottesmutter thronenden Heiland. Unten
auf der Erde befinden sich die hl. Elisa-
beth voll Thüringen, der hl. Antonius voll
Padua, die hl. Klara mit der Monstranz
ill der Halld linb der hl. Bonaventura,
die Mitglieder des britten Ordens des
hl. Franziskus repräsentirend. Im Hinter-
grulld die Stadt Assisi. Das gleiche Ge-
lnälde „hl. Franziskus" befindet sich in der
Franziskanerkirche ill Krakau (Galizien).

Als Juwel des Meisters wurde voll
jeher von feinen Freunden eine Madonna
bezeichnet, die nnteu dem Namen „A d o r o
te“ bekannt ist und die er öfter ausge-

! führt hat, das erstenlal im Jahre 1852.
i lieber diese hl. Jungfrau, die sich an-
betelid ulid liebend über das anf dem
Boden liegende Kiild lieigt, dessen Hold-
seligkeit sich llicht beschreibeil lasse, wie des
! Künstlers Freund Flir schreibt, äußerte
sich Overbeck: „Das ist die schönste Ma-
donna, die iil nenefter Zeit gemalt worden
ist," und Cornelius, der bei diesem llr-
theilssprilche ebenfalls anwesend gewesen
sei, habe bem Meister auf die Achsel klo-
pfend gesagt: „Das ist nnn ein Bild, das
ich auch für mich wünschte." Unter andern
wurde das Meisterwerk noch genialt .1858
für den anglikanischen Pastor Dr. Glossoz
in London, 1859 flir beit damaligen Statt-
halter von Tirol und Vorarlberg Erz-
herzog Carl Ludwig, 1869 für ben Grafen
Trautlmannsdorff, ehemaligen österreichi-
scheil Botschafter beim hl. Stuhl, auch ist
das Bild in den bekanntell Düsseldorfer
Stichen reproduzirt.

(Fortsetzung folgt.)

Die Ausstattung einer Taufkapelle
mit figürlicher Glasmalerei.

Von Dr. Heinr. Dibtmann in Linnich (Rheinland).

(Schluß.)

Es folgt das vierte Fenster mit der
Taufe des äthiopischell Kämmerers, aus
dessen Munde die Worte strömen: Ich
glaube, daß Jesus Christus der Sohn
Gottes ist. Eilt damaseirtes Wappenschild
mit dem Zeichen j. h. s. füllt das obere
Blatt des Maßwerks, während ill ben
beiden unteren zwei Adler die Wirkung
der Taufe versinnbildlichen, der eilte iil
eilte Quelle niedertauchend, der andere
zur Sonne auffliegend, sic aquilam se-
nem fons mutat in iuvenem. Die Kreuz-
blumen sind ill Anlehnung all die Bibel-
stellen Ezechiel 36, 25 nnb Zacharias 13, 1
durch die Brustbilder der betreffenden Pro-
pheten ersetzt; bei den Glaubenssätzen die
Halbfiguren der HH. Philippus nnb Bar-
tholomäus.

Alte Vorbilder verleiteten gn der theil-
; weise recht naturalistischen, um nicht zu
sageil naiveil Anfsassung des fünften Bil-
des. Naanlnn, mit dem warnenden Hift-
horn der Aussätzigen versehen, wäscht sich im
Jordan: eilt durch den oberen Theil der archi-
tektonischen Bekrönung geschlungenes Band
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